Als einziges Mädchen unter lauter Jungs in Hoffenheim

Fußball  Die 14-jährige Heilbronnerin Dafina Redzepi spielt in der männlichen U15 des Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Das ist deutschlandweit einmalig.

Von Alexander Bertok

Als einziges Mädchen unter lauter Jungs

Die Heilbronnerin Dafina Rezepi (links) hat sich bei den Jungs der TSG 1899 Hoffenheim durchgesetzt. Die 14-Jährige hat sich für die weibliche DFB-Auswahl U14 empfohlen, hat bereits drei Länderspieleinsätze absolviert und drei Tore erzielt.

Foto: Bertok

Mädchen in männlichen Nachwuchsteams der jüngeren Altersklassen auf Bezirksebene sind keine Seltenheit. So wie Dafina Redzepi bis vor drei Jahren beim FC Union Heilbronn. Schon da trainierte das Ausnahmetalent ein Mal in der Woche im Kinder-Perspektivteam der TSG 1899 Hoffenheim. Seit der U12 spielt sie offiziell mit der Nummer zehn auf dem Rücken für den Kraichgau-Club.

Inzwischen hat das Ausnahme-Talent ein Alleinstellungsmerkmal, ist deutschlandweit die einzige Fußballerin, die an einem Nachwuchsleistungszentrum den Sprung von der männlichen U12 bis in die U14 geschafft hat.

Dafina Redzepi verdient sich den Respekt der Jungs durch Zweikampfhärte

"Am Anfang haben mich meine Mitspieler verwundert angeschaut", erzählt Dafina von ihrer ersten Woche bei der TSG, verdiente sich aber schnell den Respekt der Jungs - mit Leistung, technischer Versiertheit und Zweikampfhärte. "Nach ein paar Einheiten war ich voll integriert."

Angefangen hat alles bei den F-Junioren des FC Union Heilbronn, die ihr Vater trainierte und wo der ältere Bruder Hajrulla spielte. "Ich bin einfach mal mitgegangen und habe mitgemacht", erinnert sich Dafina. "Man hat schnell festgestellt, dass ich besser bin als fast alle anderen."

Für Hoffenheim entdeckt wurde Dafina von Paul Tolasz, dem damaligen Trainer der Hoffenheimer U12, der für 1899 heute als Scout arbeitet. "Er hat mich bei einem Spiel des FC beobachtet, da war ich sieben Jahre alt", erinnert sich Dafina. Beim FC Union Heilbronn wurde sie schnell zur absoluten Leistungsträgerin.

Im ersten Länderspiel für Deutschland trifft Dafina Redzepi nach ihrer Einwechslung drei Mal

Und in Hoffenheim? "Bei uns sind alle gut", gibt die Teenagerin diplomatisch zur Antwort. Vier Mal in der Woche wird auf dem Akademie-Gelände in Zuzenhausen trainiert. Drei Mal holt sie der vereinseigene Shuttle-Bus ab, ein Mal ist die Mama als Fahrerin gefragt.

Dafina, ein Mädchen allein unter Jungs, das gilt aktuell nur noch für die C-Junioren-Oberliga Baden Württemberg. Längst ist der Deutsche Fußball-Bund auf die Schülerin der Heilbronner Helene-Lange-Realschule aufmerksam geworden. Im Oktober 2018 bestritt die Achtklässlerin ihr erstes Länderspiel für Deutschland in der weiblichen U15-Mädchen-Nationalmannschaft.

"Das war richtig schön. Wir haben 6:0 gegen die Schweiz gewonnen. Ich bin zur zweiten Halbzeit reingekommen, habe gleich drei Tore erzielt und ein weiteres vorbereitet", schwärmt Dafina von ihrer erfolgreichen Premiere. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl." Das zweite Aufeinandertreffen gegen die Eidgenossen endete mit einem 1:0-Erfolg. Im Dezember folgte beim 2:1 über Belgien Länderspiel Nummer drei. Sie glänzte mit einem genialen Pass als Tor-Vorbereiterin.

Als Profispielerin zu Olympique Lyon ist der große Traum

Wer schon in jungen Jahren reichlich sportliche Lorbeeren gesammelt hat, der setzt sich für die Zukunft hohe Ziele. "Ich will gesund bleiben und weiter für Hoffenheim spielen." Nächste Saison nochmals in der männlichen U14 sowie als gelegentlicher Trainingsgast im U15-Regionalliga-Team. Und danach? "Natürlich ist es das Ziel, Profi-Fußballerin zu werden." Bei 1899 in der Frauen-Bundesliga und in der Nationalmannschaft.

Dafina Redzepi, deren sportliche Vorbilder der mehrmalige Weltfußballer Ronaldo und die deutsche Nationalspielerin Sarah Däbritz (Bayern München) sind, wird ihren Weg gehen, daran zweifelt niemand. Der Blick schwappt da auch schon mal über den Kraichgau-Tellerrand hinaus, bis nach Frankreich zu Olympique Lyon. Für den fünfmaligen Gewinner der Frauen-Champions League zu spielen, ist ihr großer Traum. Da passt es, dass die Schülerin als zweite Fremdsprache französisch lernt.

Plan B: Eine Lehre als Bankkauffrau

Sollte es mit der ganz großen Karriere nicht klappen, gibt es einen Plan B. "Den ich hoffentlich nicht brauchen werde, ich bevorzuge Plan A." Alternativ käme für Dafina eine Lehre als Bankkauffrau in Betracht. Auch als Spielerberaterin zu arbeiten könnte sie sich vorstellen.

Über Ostern stehen mit dem DFB zwei Länderspiele in Tschechien auf dem Programm. Danach geht es mit ihren Jungs in Hoffenheim im Liga-Alltag weiter. Sie genießt dann wieder ein zweites Alleinstellungsmerkmal, eine Umkleidekabine für sich allein.

 

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