15 Jahre den Fußball-Bezirk Unterland geprägt: Ulrich Preßler im Abschiedsinterview

Fußball  Ulrich Preßler hat nach 15 Jahren den Vorsitz im Fußballbezirk Unterland abgegeben. Im Interview blickt er zurück und auf das aktuell Chaos beim DFB.

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Ulrich Preßler blickt zufrieden auf seine 15 Jahre als Bezirksvorsitzender zurück. Seine WFV-Trainingsjacke ist jetzt Freizeit- und keine Arbeitskleidung mehr.

Foto: Bertok

Fünf Amtsperioden zu je drei Jahren, Ulrich Preßler führte den Fußballbezirk Unterland 15 lange Jahre als dessen Bezirksvorsitzender. Zuletzt durch zwei Corona-Spielzeiten, die jeweils abgebrochen werden mussten. Sein Abschied als Funktionär in den verdienten Ehrenamts-Ruhestand fand digital statt, da sein letzter offiziellen Auftritt im Rahmen des Bezirkstages wegen Corona nur virtuell abgehalten werden konnte.

 

Herr Preßler, was hat Sie 2006 bewogen, das Amt des Bezirksvorsitzenden zu übernehmen?

Ulrich Preßler: Als ich erfahren hatte, dass mein Vorgänger Hans Haferkamp nicht mehr als Bezirksvorsitzender antreten wollte, hatte ich für mich die Zeit gekommen gesehen, noch mehr Verantwortung für den Fußballbezirk Unterland zu übernehmen. Daher stand für mich der Entschluss fest, für das Amt zu kandidieren, obwohl eigentlich ein anderer Kandidat vorgesehen war.

 

Das letzte Jahr ihrer Amtszeit als Vorsitzender des Fußballbezirks Unterland dürfte das intensivste und arbeitsreichste gewesen sein.

Preßler: Teils, teils. Einerseits war spielplantechnisch nicht ganz so viel Arbeit angesagt, weil ja die letzten beiden Spielrunden nicht zu Ende gespielt werden konnten, und somit keine Relegations- und sonstige Entscheidungsspiele geplant werden mussten. Andererseits gab es von der allgemeinen Organisation her um so mehr Aufgaben, da sich die Verfügungslage ständig änderte und immer wieder neue Planungen nötig waren. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht an so vielen Videokonferenzen teilgenommen wie in den vergangenen 15 Monaten.

 

Wie lautet das Fazit Ihrer Amtszeit?

Preßler: Ich hoffe, dass die Vereine weitgehend mit der Arbeit unseres Bezirksvorstands zufrieden waren. Es war nicht immer einfach, die Interessen und Wünsche der Vereine mit den Vorgaben des WFV in Einklang zu bringen, aber wir haben immer versucht, für die Vereine das Beste herauszuholen.

 

In Ihren fünf Amtsperioden haben Sie auch den digitalen Wandel begleitet und gefördert.

Preßler: Die Einführung und technische Weiterentwicklungen im Zusammenhang mit dem DFBnet haben viele Erleichterungen gebracht, waren aber auch eine Herausforderung zur Umorientierung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dafür möchte ich mich noch einmal bei allen sehr herzlich bedanken.

 

Im sogenannten "analogen Zeitalter" war es ein anderes Arbeiten.

Preßler: Ich war ja auch eine Zeit lang Staffelleiter. Wenn ich zurückdenke, musste am Anfang meiner Tätigkeit für jedes einzelne Spiel einer Saison von Hand oder mit der Schreibmaschine eine Doppelkarte zur Schiedsrichtereinteilung geschrieben werden. Das waren pro Staffel leicht einmal rund 250 solcher Karten. Heute werden nach der Erstellung und Freigabe der Spielpläne die Begegnungen automatisch zur elektronischen Besetzung an die Schiedsrichtereinteiler weitergeleitet.

 

Was bleibt in positiver Erinnerung?

Preßler: Ich glaube sagen zu können, dass ich in meiner gesamten Amtszeit mit keinem Verein oder Vereinsmitarbeiter einen ernsthaften Streit hatte. Natürlich gab es immer einmal Meinungsverschiedenheiten und Enttäuschungen, wenn nicht alles nach deren Vorstellungen ging, aber letztendlich konnte man die Angelegenheit fair und sachlich besprechen und sich dann auf einen für alle zufriedenstellenden Kompromiss einigen.

 

Was ist negativ hängen geblieben?

Preßler: Eigentlich ist bei mir während meiner Arbeit im Bezirk nichts gravierend Negatives hängen geblieben. Konflikte wurden schnellstmöglich gelöst. Es gab, vor allem von meiner Seite, kein Nachtreten.

 

Es hat sicherlich auch amüsante Erlebnisse gegeben.

Preßler: Hierzu fällt mir leider nichts Bedeutendes ein, was aber nicht heißen soll, dass es bei uns nichts zu lachen gab.

 

Was macht ein ehemaliger Bezirksvorsitzender mit seiner gewonnen Freizeit?

Preßler: Er hofft, diese zusammen mit seiner "besten Ehefrau von allen" noch viele Jahre genießen zu können. Nachdem ich vor sieben Jahren in den beruflichen Ruhestand gewechselt hatte, ist es nun das zweite Mal, dass ein Abschnitt, der mich viele Jahre begleitet hat, zu Ende geht. Sobald es wieder möglich ist, beabsichtigen meine Frau und ich, unsere vor der Corona-Pandemie begonnenen Reisetätigkeiten wieder aufzunehmen.

 

Führungskrise beim Deutschen Fußball-Bund. Präsident Fritz Keller hat seinen Rücktritt angekündigt. Auch Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrücke werden gehen.

Preßler: Es ist traurig für den Fußball, dass es mit den DFB-Präsidenten in den letzten Jahren nicht so gut funktioniert. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, Fritz Keller bringt Ruhe hinein. Nach den Entwicklungen in den letzten Wochen und dem verbalen Fehltritt von Keller, wird es Zeit für einen kompletten Neuanfang. Keller war nicht mehr zu halten.

 

Der ebenfalls umstrittene Vizepräsident Rainer Koch bleibt interimsmäßig noch ein Jahr im Amt.

Preßler: Es wäre sinnvoll gewesen, auch bei Koch einen sofortigen Schnitt zu machen. Das wäre die konsequentere Lösung.

 

Der Fußball in Württemberg steht mit der Spielklassen- und Bezirksreform vor einschneidenden Veränderungen. Was geben Sie ihrem Nachfolger Dirk Purucker mit auf den Weg?

Preßler: Dirk und ich haben uns intensiv ausgetauscht, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass auch er in die gleiche Richtung tendiert wie ich. Die Reform der seit 1976 bestehenden Verbandsstruktur mit 16 unterschiedlich großen Bezirken ist dringend notwendig, wenn der Fußball in unserem Verband angesichts rückläufiger Mannschaftszahlen ordnungsgemäß weitergehen soll. Unser aktuelles Herren-Spielsystem ist nicht mehr zukunftsfähig und muss unbedingt weiterentwickelt werden. Logischerweise muss dann die Verbandsstruktur auch an das neue Spielsystem angepasst werden. Dafür, so denke ich, wird sich auch Dirk als neuer Bezirksvorsitzender einsetzen.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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