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Anzahl der Schiedsrichter weiter im Abwärtstrend

Die Gruppen in Heilbronn und in Kocher-Jagst beklagen immer weniger aktive Mitglieder, zudem steigt der Altersschnitt. Die Corona-Pandemie hat die Abwärtsspirale verstärkt.

Alexander Bertok
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Lesezeit 3 Min
"Schimpfen über den Schiri gehört dazu"
Die Abwärtstendenz hin zu immer weniger aktiven Unparteiischen hält unvermindert an.  Foto: Veigel

Die fetten Jahre, in denen die beiden Schiedsrichtergruppen im Fußballbezirk Unterland - Heilbronn und Kocher/Jagst - problemlos alle Spiele im Nachwuchs- und Aktivenbereich besetzen konnten, gehören längst der Vergangenheit an. Die Abwärtstendenz hin zu immer weniger aktiven Unparteiischen hält unvermindert an.

Anzahl der Schiedsrichter weiter im Abwärtstrend

Ein Trend, der sich auch an Zahlen des Württembergischen Fußballverbands ablesen lässt. Von Januar 2011 bis Ende 2020 sank die Zahl aktiver Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen im Bereich des WFV von 6854 auf 6065. Das ist ein Minus von 11,51 Prozent. Bedingt durch weniger Absolventen von Neulingslehrgängen erhöht sich zudem der Altersdurchschnitt aktiver Mitglieder, was die Besorgnis erregende Personalsituation langfristig verstärken wird.

Spielleitungen und Altersschnitt:

Aktuell vermeldet die Gruppe Heilbronn 140 aktiv pfeifende Schiedsrichter beziehungsweise Schiedsrichterinnen, 101 sind es in Kocher/Jagst. In einer normalen Saison (Vor-Corona-Niveau) besetzt die SRG Heilbronn zwischen 3300 und 3700 Spiele pro Saison, Kocher/Jagst zwischen 2200 und 2500. "Das entspricht einer Belastung von 23 bis 26 Spielen je Schiedsrichter pro Jahr", berichtet Lorenz Gleißner, zuständig für die Öffentlichkeit der SRG Heilbronn.

Im Zeitraum von März 2020 bis März 2022, in dem coronabedingt der Spielbetrieb insgesamt knapp zwölf Monate pausierte, wurden 6149 Partien ausgetragen, die von 192 Schiedsrichtern geleitet wurden. In diesen 24 Monaten besetzten die Schiedsrichter beider Unterland-Gruppen im Schnitt 32 Spiele pro Jahr. "Die Mehrbelastung von bis zu zehn Ansetzungen pro Schiedsrichter ist mit der Pandemie geschuldet, da weniger Mitglieder zur Verfügung standen", sagt Lorenz Gleißner.

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Aktuelle Belastung:

In der aktuellen Saison 2021/22 wurden bis Stand Mitte März 2337 Spiele von der Gruppe Heilbronn und rund 1558 von Kocher/Jagst besetzt. Die Heilbronner Schiris leiteten im Schnitt rund 17 Spiele. In der Spitze wurde die Hälfte aller bisherigen Spiele von nur 20 Prozent (27) der Mitglieder besetzt. Diese 27 Unparteiischen leiteten somit im Schnitt 44 Partien, circa zehn sind es für die restlichen 80 Prozent gewesen. "Das Phänomen, dass eine kleine Gruppe deutlich überdurchschnittlich viele Spiele leitet, ist nicht ungewöhnlich und notwendig, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten", berichtet Gleißner, diese 20 Prozent sind bis zu viermal pro Woche im Einsatz. Zur SRG Kocher/Jagst gibt es keine genauen Daten, im Trend seien sie aber mit der Statistik der SRG Heilbronn vergleichbar.

Entlastung:

Um die kleinen und viel zu beanspruchten Unterland-Gruppen zu entlasten, würden bereits zehn Neulings-Schiedsrichter ausreichen, die bereit sind, mehrfach pro Woche zu pfeifen. 20 zusätzliche Kräfte in der Gruppe Heilbronn würden genügen die Situation merklich aufzulockern. 30 bis 40 neue Unparteiische mit 15 Spielleitungen pro Runde, das wäre nahezu der Idealzustand.

Abspringer und nicht zur Verfügung stehende Neulinge: Problematisch ist die Verweildauer von Neulingen in den beiden Unterland-Gruppen. Jeder vierte erfolgreiche Absolvent springt bereits innerhalb der ersten drei Jahre wieder aus dem Kreis der aktiven Schiedsrichter ab. Zudem steht nicht jeder Neu-Schiedsrichter für Spielleitungen zur Verfügung, da die Kurse vor allem von Übungsleitern besucht werden, die diese Ausbildung für die nächsthöhere Trainerlizenz benötigen, für die SRG jedoch faktisch nicht aktiv sind.

Probleme:

Eine Vielzahl der momentan aktiven Schiedsrichter kann aus verschiedenen Gründen nicht immer und nicht alle Spielaufträge annehmen. "Es gibt Mitglieder, die nur an bestimmten Wochentagen, nicht für alle Altersklassen oder nur für bestimmte Spielklassen zur Verfügung stehen", macht Gleißner deutlich, mit welchen Problemen die Einteiler beider Unterland-Gruppen zu kämpfen haben. Zudem gibt es wenige Schiedsrichter, die sich als Linienrichter oder Nachwuchscoach (Betreuung von Jungschiedsrichtern an Spieltagen) zur Verfügung stellen.

Anrechenbar:

Um für einen Verein als anrechenbar zu gelten, muss ein Schiedsrichter mindestens 15 Spiele geleitet und vier Schulungen pro Saison besucht haben. Sechs Einsätze und zwei Schulungen sind für Neulinge erforderlich. 16 von 101 Vereinen im Bezirk Unterland stellen die Hälfte aller anrechenbarer Unparteiischen. Von den insgesamt 241 aktiven Schiris im Unterland leiten lediglich 106 die erforderliche Gesamtzahl an Spielen, um in die Kategorie anrechenbar eingestuft zu werden. 42 Vereine verfügen über keinen anrechenbaren Schiri.

Erforderliche Sollzahl:

Wie viele Schiedsrichter ein Verein als Sollzahl zu stellen hat, ist abhängig von den jeweiligen Mannschafts-Meldungen. Zur Berechnung zählen die 1. und 2. Herrenmannschaft, Reserven, Frauen, Ü32 sowie die Nachwuchsklassen A, B und C. Nicht mit eingerechnet werden Teams der Juniorinnen. Pro Team muss ein anrechenbarer Schiedsrichter gestellt werden.

Strafen für Vereine:

Pro fehlendem anrechenbaren Schiedsrichter im Herrenbereich müssen die Vereine 100 Euro Strafe zahlen, bei den Frauen und der Jugend sind es 50 Euro. Dieser Betrag verdoppelt oder verdreifacht sich, wenn ein Verein nur einen oder keinen Schiedsrichter stellt. Bei Vereinen, deren 1. Herrenmannschaft oberhalb der Bezirksliga spielt, wird der Betrag im letzten Schritt nochmals verdoppelt. "Es gibt einen Verein, der 1350 Euro an Strafe zahlen muss", nennt Lorenz Gleißner die größte Summe, die ein Club aus dem Unterland bezahlen muss. Stellt ein Verein mehr Unparteiische als erforderlich, erhält er vom Württembergischen Fußballverband eine Prämie.

Schiedsrichter-Bezahlung:

Für einen Einsatz in den Spielklassen Kreisliga A oder B erhält ein Schiedsrichter 35 Euro Antrittsgeld, 40 sind es in der Bezirks- und 52 in der Landesliga (26 Euro für Linienrichter). Im Jugendbereich sind es 24 (A-Junioren), 20 (B) und 17 (C) Euro. Hinzu kommen 30 Cent je gefahrenen Kilometer.

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