Rüdiger Rehm ist von Arminia Bielefeld überzeugt

Fußball  Der Unterländer Trainer verlässt die SG Sonnenhof Großaspach in Richtung 2. Liga. Die Nachfolgesuche läuft: Kommt jetzt Jürgen Kramny?

Von unserem Redakteur Florian Huber

Rüdiger Rehm ist von Arminia Bielefeld überzeugt

Super-Cup-Sieger mit dem VfR Heilbronn 1996: Der 17-jährige Rehm als Kapitän nach dem Erfolg über den A-Jugend Meister Borussia Dortmund.

Foto: Archiv/Krüger

 

Eine Alm, die gibt es auch in Großaspach. Die Vereinsgaststätte der SG Sonnenhof heißt nämlich Fautenhau Alm. Trainer Rüdiger Rehm zieht es nun auf eine größere Alm, auf die in Bielefeld. So wird das Stadion des Zweitligisten Arminia Bielefeld genannt. Es ist Rüdiger Rehms neuer Arbeitsplatz. "Noch kenne ich die Alm in Aspach besser", sagt Rehm − und lacht. Am Mittwoch hat der 37-Jährige aus Flein einen Zwei-Jahres-Vertrag bei seinem neuen Arbeitgeber in Ostwestfalen unterschrieben. Auch Zweitligarivale 1. FC Kaiserslautern war interessiert.

"Von Bielefeld war ich zu 100 Prozent überzeugt und habe gespürt, dass man auch von mir zu 100 Prozent überzeugt ist", sagt Rüdiger Rehm zu seiner Entscheidung. Beim FCK wäre die Erwartungshaltung wesentlich größer gewesen als in Bielefeld, zudem müssen sich nach dem Abgang des allmächtigen Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz die Pfälzer Führungsstrukturen noch finden.

Geld

Früher kosteten nur Fußballspieler eine Ablösesumme, mittlerweile fließen stattliche Beträge auch bei Trainerwechseln. Schalke 04 zahlte drei Millionen Euro für Markus Weinzierl, Augsburg dann schon deutlich weniger für Dirk Schuster aus Darmstadt, die 400.000 Euro für Norbert Meier nach Bielefeld überwiesen. Rund 150.000 Euro muss Bielefeld nun davon nach Großaspach weiterreichen. Indirekt stammt das Geld aus Schalke. "Ich wäre nicht gegangen, wenn Aspach nicht finanziell entschädigt worden wäre", sagt Rehm, der dem Sonnenhof dankbar dafür ist, die Chance 2. Liga wahrnehmen zu können.

Die SG ist nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer Sprungbrett. Vor vier Jahren wechselte Rehms Vorgänger Alexander Zorniger (jetzt Bröndby Kopenhagen) kurz vorm Trainingsstart zum damaligen Regionalligisten RB Leipzig. Aus dem Co-Trainer Rehm, der als Oberligaspieler in Großaspach vor acht Jahren begann, wurde binnen Stunden der Regionalliga-Cheftrainer. Es folgten vier erfolgreiche Jahre, in denen es fast nur bergauf ging − bis an die Drittligaspitze. Erneut oben mitzuspielen, das wäre sehr schwer geworden. So ist es nun ein Abschied auf dem Höhepunkt.

In Großaspach sind unterdessen schon jede Menge Trainer-Bewerbungen eingetrudelt. So sieht das Aspacher Anforderungsprofil an den Rehm-Nachfolger aus: "Er braucht die Fußballlehrerlizenz, das ist ja Vorschrift in der 3. Liga", sagt Sportdirektor Joannis Koukoutrigas: "Ideal wäre natürlich einer aus der Region, der unseren Verein kennt. Es muss kein Neuling sein, es kann auch ein 45-Jähriger sein." Allen Anforderungen wird beispielsweise Jürgen Kramny gerecht, der vor wenigen Wochen mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen ist und den Verein danach verlassen hat. Kramny ist 44 Jahre alt, kommt aus Ludwigsburg und kennt die 3. Liga, dort hat er die U23 des VfB Stuttgart lange Zeit verantwortet. Traditionell sind die Verbindungen von Aspach zum VfB sehr eng. "Wir kommentieren keine Namen", sagt der Sportdirektor. Denkbar wäre auch ein junger Trainer ohne Drittligaerfahrung, eventuell aus dem Nachwuchsbereich. Eine interne Lösung wird es nicht geben.

Rüdiger Rehm ist von Arminia Bielefeld überzeugt
Rüdiger Rehm mit Gattin Nicole und Tochter Lana. Sohn Louis wollte beim HSt-Leserfest lieber seine Schussstärke messen, anstatt mit aufs Familienfoto. Foto: Veigel

Zeitdruck

Am Montag startet der Sonnenhof in die Vorbereitung auf die neue Drittligaspielzeit. "Optimal wäre natürlich, wenn wir bis dahin eine Lösung gefunden hätten. Aber wenn es Mittwoch oder Donnerstag wird, dann ist das auch nicht schlimm", sagt der Sportdirektor. Rehm möchte unbedingt seinen Co-Trainer Mike Krannich mit nach Ostwestfalen nehmen. "Er weiß wie ich ticke, ist meine Bezugsperson", sagt Rehm über Krannich, der eine 50-Prozent-Stelle als Polizist hat. Bielefeld wird zudem keine Spieler aus Großaspach verpflichten. "Das ist so ausgemacht, ich will dem Verein nicht noch mehr weh tun", sagt Rüdiger Rehm.

Trennungsschmerz anderer Natur gibt es für Ehefrau und die beiden Kinder. Sie bleiben auf jeden Fall erst einmal in der Heimat Unterland. Tochter Lana geht bereits zur Schule, Sohn Louis wird im September eingeschult. Einen Ausstand in Großaspach für seine Ex-Spieler soll es noch zeitnah geben. Rehm will alle rund ums Team zum Essen einladen. Wo? Natürlich in der Fautenhau Alm.