Bloß kein Abstiegskampf: „Jagdsaison“ beim VfB Stuttgart

Stuttgart  Nach zwei Fastabstiegen sehnt der VfB Stuttgart eine sorgenfreie Bundesligasaison herbei. Viel haben die Schwaben verändert. Auch auf dem Trainerposten. Es besteht aber akute Stolpergefahr.

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Alexander Zorniger (VfB Stuttgart)
Stuttgarts Trainer Zorniger ist gespannt auf die Bundesliga-Ergebnisse. Foto: Axel Heimken/Archiv

Tempo, Tempo, Tempo! Der VfB Stuttgart will eine neue Zeitrechnung einläuten. Nicht nur auf dem Rasen möchten sich die Schwaben keine Zeit lassen. Die Umbaumaßnahmen sollen schnell greifen. Das ist neu bei dem Fußball-Traditionsverein vor dem Bundesligastart am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Köln:

Der Trainer

1. FC Normannia Gmünd, SG Sonnenhof Großaspach, RB Leipzig - die Stationen von Alexander Zorniger als Chef haben keinen großen Klang. Der Mann aus Mutlangen will in seiner Premierensaison in der deutschen Eliteklasse dennoch für Furore sorgen. Der 47-Jährige gibt sich hemdsärmelig und direkt. Seine Ansagen sind klar, sein Selbstbewusstsein beachtlich.

„Wir wollen zur eigenen Identität zurückzufinden“, begründete Sportvorstand Robin Dutt die Verpflichtung Zornigers bis 2018. Der Abstiegskampf soll künftig tabu sein, dank Zorniger der Verein umgekrempelt werden. „Irgendwann haben wir vergessen, den Nachwuchs mitzunehmen. Es gibt hier kein gelebtes Spielkonzept, es ist keine Handschrift zu erkennen“, kritisierte Dutt schon bei der Verkündung der Trainerpersonalie Ende Mai.

Die Mannschaft

An dem furiosen 4:2 in der Vorbereitung gegen den englischen Vizemeister Manchester City wird sie künftig gemessen. „Das wart ihr schon mal zu leisten imstande, alles andere wäre nicht professionell“, könne er seiner Truppe künftig vorhalten, kündigte Zorniger an. Dutt bemühte sich in dieser Transferperiode, Altlasten loszuwerden. So gingen unter anderen Konstantin Rausch und Mohammed Abdellaoue.

Mitch Langerak
Neuer Torhüter beim VfB: Mitchell Langerak. Foto: Daniel Naupold

Dafür kam zum Beispiel in Mitchell Langerak und Przemyslaw Tyton ein neues Torhütergespann. Bei Youngstern wie Jan Kliment oder Philip Heise muss man die Entwicklung abwarten. Große Namen fehlen auf der Einkaufsliste der klammen Schwaben. Im Kader stehen immer noch viele Akteure, die dazu beigetragen haben, dass die Stuttgarter zuletzt als launische und vorschnell selbstzufriedene Truppe wahrgeworden wurden.

Das System

Zorniger will dem Spiel der Schwaben wieder eine Identität verleihen. „Wir werden eine Menge mit Geschwindigkeit arbeiten. Es wird wild sein, es wird da draußen zur Sache gehen“, kündigte Zorniger schon bei seiner Vorstellung selbstbewusst an. Der VfB soll nicht mehr abwarten, sondern attackieren. Vom „Schwarmverhalten“ spricht Zorniger gerne. „Physisch und psychisch“ verlangt dieser Tempofußball seiner Mannschaft eine Menge ab. Martin Harnik & Co. „müssen den Gegner jagen, wo immer er ist“, beschreibt Zorniger.

Schnelle Balleroberung, rasches Spiel in die Spitze - mit dieser Marschroute soll es beim VfB wieder aufwärtsgehen. Gegen Teams, die mitspielen wollen, funktionierte diese Strategie in der Vorbereitung. Beim 2:1 im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel wurde die Lücken im System aber deutlich. Die spielerisch beschränkten Norddeutschen schlugen die Bälle einfach weit nach vorne, und hebelten damit ein ums andere Mal das Pressing der Schwaben aus.

Die Euphorie

So ganz neu ist sie nicht. Beim VfB herrscht Euphorie - mal wieder. Nach zwei katastrophalen Jahren mit Rettung auf den letzten Drücker soll dank Zorniger und Dutt eine neue Zeitrechnung anbrechen. Der frühere Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes hatte nun immerhin mehr als ein halbes Jahr Zeit, den Verein kennenzulernen und Umbaumaßnahmen einzuleiten.

Fans und Umfeld sind freudig gespannt - aber auch skeptisch. Der Auftakt im DFB-Pokal glückte, das nimmt schon mal Druck von den Beteiligten. Entscheidend ist jedoch der Ligastart. Köln, Hamburg und Frankfurt sind vor der Länderspielpause unangenehme Auftaktgegner. Sie werden ein Wegweiser. 


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