Ein Aufsteiger, zwei Absteiger
Die Heilbronn Reds sind so erfolgreich wie nie, in Weinsberg und Neckarsulm hingegen steckt die Sportart in der Krise

Wer in der Region professionellen Basketball sehen will, muss mitunter weit fahren − zu den MHP Riesen Ludwigsburg oder den Crailsheim Merlins. Im Landkreis Heilbronn ist nach vielen Querelen in den Clubs die Landesliga das Höchste der Gefühle.
Bei der TSG Heilbronn versucht man diesem Trend zu trotzen − mit Erfolg. "Wir haben zwei Spieler aus Stuttgart und einen aus Frankfurt im Team", sagt Matthias Götz von den Heilbronn Reds. Die Heilbronn Reds sind die Basketballabteilung der TSG Heilbronn und aktuell das beste Team der Region. Verantwortlich dafür ist auch der neue Trainer der Reds, Goran Mijic. "Die Entwicklung der letzten Jahre wäre ohne Goran nicht möglich gewesen", betont Matthias Götz, der bis vor zwei Jahren selbst das TSG-Team coachte und jetzt, wie er es selbst nennt, als "Ältestenrat" die erste Mannschaft begleitet.
Im Aufwind Seitdem Mijic, der früher in Serbiens erster Liga auf dem Feld stand, die Reds betreut, stieg das Team von der Kreisliga in die Landesliga auf. Dort schlägt es sich als aktueller Tabellendritter gut. Mijic ist ein Basketball-Verrückter, der gerne seine Freizeit für den Sport opfert, obwohl auch er ehrenamtlich arbeitet. Sein Erfolgsrezept: Er gibt allen Spielern Einsatzzeit und baut auf den mannschaftlichen Zusammenhalt. Außerdem hat die TSG ihre Nachwuchsarbeit stark ausgebaut. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile auch eigene Spieler nachkommen.
Anders lief es bei der Neckarsulmer Sport-Union. Jahrelang spielte das Team in der Oberliga, doch dann kam der Einbruch. Verantwortliche sprangen ab. "Da war niemand Vernünftiges mehr da, der die Abteilung geleitet hat", beschreibt Vereinsvorsitzender Rolf Härdtner die Entwicklung. In den vergangenen beiden Jahren spielte das Team ohne wirklichen Trainer, viele Spiele gingen knapp verloren. Über die Landesliga rutschte das Männer-Team in die Bezirksliga ab.
Als im Sommer auch zwei Nachwuchstrainerinnen absprangen, drohte der Abteilung das Aus. Teile der zweiten Männermannschaft gingen zum TSV Neuenstadt und spielen dort nun in der Kreisliga B. "Das Ganze ruhte auf zu wenigen Schultern, das hat auch zur Überlastung geführt", sagt Martin Bangel. Er und andere Motivierte versuchten zu retten, was zu retten war. Doch noch immer sind längst nicht alle Posten vergeben.
Bangel ist Sportlicher Leiter der NSU Lions, fungiert kommissarisch aber auch als Abteilungsleiter. Nur eine Jugendmannschaft ist aktuell gemeldet. Die Männer stehen im Bezirksliga-Mittelfeld. Die Abteilung sei im Neuaufbau, sagt Härdtner, doch bei der ehemals vorbildlichen Jugendarbeit hat die NSU klar an Boden verloren.
Noch schlechter erging es dem TSV Weinsberg. Wer die Homepage der Weinsberg Eagles besucht, findet unter "Spiele" eine Begegnung der Weinsberger gegen Neckarsulm, die 41:72 verloren ging. Allerdings stammt dieser Eintrag vom 26. September 2012. Seitdem herrscht nicht nur online Funkstille bei den Weinsberger Basketballern.
Aufgelöst Die Eagles mussten ihr Männerteam komplett vom Spielbetrieb abmelden, die Abteilung wurde aufgelöst. Für das ehemalige Landesligateam spielten viele Studenten; als die der Arbeit wegen wegzogen, brach das Team auseinander. Auch die Jugendarbeit ging damit unter, es gab keine Trainer mehr. Einige Spieler orientierten sich nach Heilbronn.
So bleiben die Heilbronn Reds der einzige Landesligist in der Region. Bis zu 150 Zuschauer kommen in die Heilbronner Mörike-Halle, und für Spielertrainer Mijic kann es durchaus noch weiter nach oben gehen: "In zwei, drei Jahren Oberliga, warum nicht?" Doch die Heilbronner sind durch die Nachbarn aus Neckarsulm gewarnt, sich nicht nur auf Einzelpersonen zu verlassen. "Wir wollen die Nummer eins im Basketball in Heilbronn und Umgebung sein", gibt sich Matthias Götz trotzdem selbstbewusst. Das haben die Heilbronn Reds längst geschafft − auch durch die unfreiwillige Mithilfe der Konkurrenz.
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