Kämpferinnen im Court, Freunde außerhalb
Ü-40-Weltmeisterin Simone Korell und Newcomerin Nina Kästner über Aufregung, Zickereien und Geldsorgen in ihrem Sport

Wenn man einmal mit dem Squashbazillus infiziert ist, dann wird man ihn nicht mehr los", sagt Simone Korell und Nina Kästner nickt begeistert. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein: Hier Korell, die zweifache Welt- und vierfache Europameisterin der Senioren, der es bei den Heilbronn Squash Open im Neckarsulmer Happy Match hauptsächlich um den Spaß am Spielen geht. Und dort Kästner, die ehrgeizige 15-Jährige, die vor einem Jahr zum ersten Mal einen Squashschläger in den Händen hielt und soeben ihr erstes Spiel bei den Frauen hinter sich gebracht hat − mit einer Niederlage. Aber wenn sie mit quietschenden Turnschuhen im Court stehen und auf dem Gang die anderen Spieler abklatschen, dann ist beiden die gleiche Begeisterung für"ihren" Sport anzusehen. Man kennt sich in den Neckarsulmer Hallen − auch weil die deutsche Squashszene längst nicht mehr so groß ist wie noch vor Jahren.
Goldene Zeiten Korell hat sie miterlebt, die goldenen Zeiten des Squash in den 80er Jahren. "Damals musste man morgens um acht anrufen, um abends einen Court zu bekommen, und das in Anlagen mit 25 Courts", sagt sie. Heute gibt es davon in Deutschland viel weniger, von den Feldern wie von den Spielern. Dafür macht Korell auch die Anlagenbetreiber verantwortlich. "Die wollen Geld verdienen und wandeln die Courts in Fitnessflächen um."
Kästner hat durch ihren Vater vor einem Jahr trotzdem zum Squash gefunden − und dafür gerne das Segeln und die Rhythmische Sportgymnastik aufgegeben. "Bei der Rhythmischen Sportgymnastik sind lauter Mädels, die sich anzicken", sagt sie. "Hier beim Squash ist die Atmosphäre total cool, man fightet im Court, aber draußen ist man wieder Freunde." Korell schaut skeptisch. Zickereien kennt sie aus ihrer Squash-Karriere schon. "Ab 35 bei den Senioren war es dann komplett anders, viel entspannter und ich hatte viel mehr Spaß daran." Spaß hat Kästner auch in der Jugend, aber sie hat auch der Ehrgeiz gepackt: Neun Mal die Woche trainiert die 15-Jährige, nicht nur im Court. Morgens um fünf klingelt dreimal die Woche ihr Wecker, vor dem Unterricht in der Realschule Weinsberg geht es für die Erlenbacherin mit dem Moped zum Training ins Fitnessstudio. "Die Mädels in meinem Alter spielen meistens schon fünf bis sechs Jahre, da hab ich einiges aufzuholen", sagt Kästner. Jetzt gilt es, in den Kader der Nationalmannschaft zu kommen. "Ich bin im Förderkader. Wenn ich so weitertrainiere, kann es sein, dass ich mich nächstes Jahr in den Kader hochspiele."
Bundesliga Zu spät ist es dafür keineswegs: "Ich habe auch erst mit 15 angefangen", sagt Senioren-Weltmeisterin Korell. Trotz ihrer Begeisterung für Squash, den Erfolgen bei internationalen Turnieren und Jahren in der Bundesliga ist ihr eine gewisse Resignation anzumerken. Selbst für Weltmeisterschaften müssen die Squashspieler Flüge und Übernachtungen aus eigener Tasche bezahlen − wenn sie es können. "Nach der EM letztes Jahr habe ich 150 Euro für meinen Sieg bekommen", sagt Korell, die als Physiotherapeutin arbeitet. "Ich respektiere das, das war das erste Mal. Aber auf der anderen Seite ist es auch arm." 50 DM bekam sie für ihren ersten Bundesligaeinsatz 1989. "War ‘ne schöne Zeit", sagt sie und schaut fast ein wenig wehmütig. "Damals haben Turniere donnerstags angefangen und gingen bis Sonntag."
Mittlerweile gehen Turniere meist nur noch zwei Tage, auch in Neckarsulm. Aufgeregt ist Neuling Kästner trotzdem. "Die Aufregung lässt mit der Zeit nach", sagt Korell grinsend. Vier Jahre war sie nicht nur Spielerin, sondern auch Vizepräsidentin des Landesverbandes NRW, aber das war einmal. "Alle beratungsresistent, da ist mir meine Zeit zu schade. Da geh ich lieber ins Stadion" − zum BVB, ihrer zweiten großen Liebe. Sie wirft einen kritischen Blick auf die Uhr. "Um halb sieben müssen wir hier fertig sein, dann spielt Dortmund." Aber bis dahin bleiben noch ein paar Stunden mit dem Schläger in der Hand.
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