Die Einsamkeit des Langstreckenläufers
Heilbronn - Franziska Feinäugle liebt den Heilbronner Trollinger-Marathon. Für die Stimme-Redakteurin ist der Start Pflicht, eine Art Heimspiel. Sie hat alle elf bisherigen Trollis absolviert – und zwar jedes Mal die vollen 42 Kilometer. Klar ist sie auch das 12. Mal am 6. Mai wieder dabei.

Heilbronn - Franziska Feinäugle liebt den Heilbronner Trollinger-Marathon. Für die Stimme-Redakteurin ist der Start Pflicht, eine Art Heimspiel. Sie hat alle elf bisherigen Trollis absolviert − und zwar jedes Mal die vollen 42 Kilometer. Klar ist sie auch das 12. Mal am 6. Mai wieder dabei. Allerdings halten längst nicht alle Marathoniken dem Trolli so die Stange wie die 36-Jährige. Dass die Reihen der Läufer sich bei den jüngsten Starts gelichtet haben, macht Franziska Feinäugle nichts aus. "Ich mag es nicht so drängelig", sagt sie. Und in den Dörfern auf der Strecke sei nach wie vor "gute Stimmung. Dieser Kontrast ist für mich eine geniale Mischung." Doch die Marathon-Veranstalter machen sich Sorgen, dass die Mischung durch den Schwund der Marathoniken irgendwann doch nicht mehr stimmt − und die Einsamkeit des Langstreckenläufers zu groß wird.
Schmerzgrenze
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. "Die Leute möchten sich nicht mehr so quälen", bedauert Bernhard Winkler, Cheforganisator von der Heilbronn Marketing Gesellschaft. Im Vergleich zum ersten Trolli 2001 wollten sich 2011 nur noch die Hälfte der echten Marathoniken die ganze Distanz zumuten. Im gleichen Zeitraum haben sich dagegen die Starterzahlen für den Halbmarathon verdreifacht. Der Trollinger-Marathon entwickelt sich so mehr und mehr zum Volkslauf. Wo ist die Schmerzgrenze erreicht, unter der sich der Einsatz und der Organisationsaufwand für die Marathonstrecke noch lohnen? Winkler antwortet: "Wenn wir noch mal 20 Prozent der Marathonläufer verlieren."
Doch so weit wollen es Winkler und sein Team nicht kommen lassen. Sie werben darum um die Langstreckler. "Denn ich bin mir sicher, es wären bei uns mehr Läufer in der Lage, die 42-Kilometer-Distanz zu packen − wenn sie nur ihren inneren Schweinehund überwinden würden." Deshalb wollen die Trolli-Ausrichter bei der 13. Auflage am 6. Mai erstmals einen Staffelmarathon zulassen: drei Teilnehmer laufen drei unterschiedliche Abschnitte auf der Marathondistanz.
Eventsuche
Beim Bottwartal-Marathon gibt es diese Staffeln längst. Sogar acht Läufer können sich die 42 Kilometer teilen. In diesem Jahr soll zudem der Start verlegt werden, damit die Marathoniken wenigstens auf der Hälfte der Strecke ein wenig Gesellschaft durch die Halbmarathonläufer bekommen. Gerhard Petermann und sein Orga-Team vom Bottwartal-Marathon wollen alles unternehmen, damit der Marathon nicht mehr nur ein Wort ist. "Ich denke, ehrenamtliche Veranstaltungen werden mehr und mehr Probleme haben, Helfer zu finden", prophezeit Petermann. Denn der Organisationsaufwand für die lange Strecke ist viel größer als für die halbe. Für ihn steckt hinter den sinkenden Marathoniken-Zahlen "auch ein gesellschaftliches Problem". Der Stress in Familie und Beruf wird immer größer. Es bleibe nicht mehr die Zeit, die nötig ist, auf einen Marathon zu trainieren. Außerdem würden die Läufer immer mehr das Event suchen, das Drumherum, das sie beispielsweise bei den Großen auf dem Marathonmarkt in Berlin oder Frankfurt finden. Petermann: "Die kleineren Veranstalter können dieses Programm aufgrund ihres Budgets nicht stemmen."
Familienfest
Die sinkenden Marathoniken-Starter sind dagegen beim EBM-Papst-Marathon in Hohenlohe kaum ein Problem. Zwar kamen 2011 nur 152 42-Kilometer-Läufer ins Ziel. "Doch für uns gibt es keine Schmerzgrenze", sagt Pressesprecher Hauke Hannig. Denn der EBM-Papst-Marathon sei ein Familienereignis, da solle für jeden etwas dabei sein. Tatsächlich bieten die Hohenloher sehr viele Disziplinen an − auch für Inliner und Rollis. So haben sie ihre Teilnehmerzahlen insgesamt gesteigert und sind sehr zufrieden damit.
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