Schnelle Kenianer versorgen Familien mit Preisgeld

Heilbronn - Er kam, sah und siegte. Evans Kipkorir Taiget hat den 13. Trollinger-Marathon in Heilbronn in Rekordzeit gewonnen. Nach dem Rennen verschwand der Kenianer wieder fast so schnell wie er gelaufen war. Doch wer ist dieser Mann? Eine Spurensuche.

Von Helmut Buchholz

 

 
 
Heilbronn - Er kam, sah und siegte. Evans Kipkorir Taiget hat den 13. Trollinger-Marathon in Heilbronn in Rekordzeit gewonnen. Er nahm das Preisgeld von 750 Euro mit, erhielt auch noch 100 Euro Prämie für den Streckenrekord und sein Gewicht – rund 60 Kilogramm – in Wein aufgewogen.
 
Nach dem Rennen verschwand der Kenianer, der kein Wort Deutsch sprach, wieder fast so schnell wie er gelaufen war. Doch wer ist dieser Mann? Eine Spurensuche.
 
Betreuer
 
Dass Evans Kipkorir Taiget überhaupt an den Start ging, hat er seiner Betreuerin Ulrike Timmerberg-Schutt zu verdanken. Die Pfarrerin aus Offenbach sucht für schnelle kenianische Läufer schon seit rund zwei Jahren Rennen in Deutschland heraus, an denen sie teilnehmen können – des Preisgeldes wegen.
 
„Diese Athleten versorgen mit dem Geld, das sie gewinnen, ihre Familien in Kenia, denn dort gibt es keine andere Arbeit“, sagt Ulrike Timmerberg-Schutt. Evans Kipkorir Taiget sei verheiratet, habe zwei Töchter, fünf und sechs Jahre alt, und sei das jüngste von neun Kindern. In Kenia sei es üblich, dass das jüngste Kind die Eltern zu versorgen habe.
 
 
 
 
Das tue der 28-Jährige mit seinem Lauftalent. Die Betreuerin besorgte das Visum für den Afrikaner, der vor Heilbronn bei Rennen in Würzburg, Paderborn und Polen angetreten war. Weil Ulrike Timmerberg-Schutt schon im vergangenen Jahr einen ihrer kenianischen Schützlinge den Start beim Trollinger-Marathon vermittelt hatte, der dann den Halbmarathon gewann, erhielt sie vom Veranstalter, der Heilbronn-Marketing (HMG), einen Freistart. Die Nachmeldegebühr hätte rund 50 Euro betragen.
 
Ulrike Timmerberg-Schutt bekommt „einige Prozente“ von den Preisgeldern ab. Sie mache aber bisher mit der Betreuung Minus, „würde es aber gerne ins Plus drehen“.
 
Vor Jahren war sie selbst in dem afrikanischen Wunderläuferland in einem Trainingscamp, so kam der Kontakt zu den Läufern zustande. Es gebe etwa sechs bis sieben Vermittler in Deutschland, die wie sie kenianischen Läufern in ganz Deutschland den Start bei Wettrennen vermitteln.
 
Die Betreuerin habe auch schon den Vorwurf gehört, „dass ich als Pfarrerin modernen Sklavenhandel betreibe“. Sie sieht es aber anders: „Mit dem Geld, das die Läufer verdienen, leben ihre Familien zu Hause.“ Ihre Dienste seien eine Art Entwicklungshilfe. Weder die Heilbronner Polizei noch das Stuttgarter Landeskriminalamt hat Erkenntnisse, dass es im Zusammenhang mit den kenianischen Läufern nicht mit rechten Dingen zugehe.
 
Zweite Garde
 
Trolli-Veranstalter HMG hat sich schon seit Jahren an die kenianischen Nachmelder gewöhnt. Das schmälert den Spaß für die Masse bei dem Topereignis kaum. Außerdem gibt es ja noch die Regionalwertung. Sportchef Gustav Jenne würde sich sogar noch mehr Kenianer beim Trolli wünschen, „dann wäre es spannender“. Größere Veranstalter würden hohe Antrittsgelder zahlen, um die Veranstaltung sportlich aufzuwerten.
 
Jenne: „Selbst die zweite Garde der Kenianer ist viel schneller als die deutsche Spitze.“ Wer bei der Langstrecke in der Weltelite dabei sein wolle, müsse eben viel trainieren – zu zeitintensiv für Nachwuchssportler aus Deutschland, konstatiert Jenne.
 
 
 

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