Preisgeldkonzept wird überdacht

Region  In die vielen Lobeshymnen zur 14. Trolli-Auflage mit einer Rekordläuferzahl mischen sich auch kritisch-nachdenkliche Töne. Die Macher des Marathons wollen keine Dauerdominanz von Profiläufern. Sind Sachpreise eine Lösung?

Von Carsten Friese

 

 

Drei der vier Hauptdisziplinen haben kenianische Sportler am Sonntag für sich entschieden – eine derartige Dominanz gab es beim Trolli bisher nicht. Süddeutsche Spitzenläufer wie Marco Diehl (Frankfurt) und Veronica Pohl (TSG Heilbronn) äußern Bedenken angesichts der Dauerdominanz von Profiläufern aus Kenia, die kurz vor Meldeschluss samt Management anreisen. 

Bedenklich

„Natürlich verstehe ich, dass sie hier Geld verdienen wollen. Ich gönne es ihnen auch“, sagt die Halbmarathon-Zweite Veronica Pohl (28). Aber: Für sie und andere Einheimische, die sich lange auf diesen Lauf vorbereiten, sei diese Entwicklung „schon bedenklich“. Denn: „Uns bedeutet der Lauf etwas, uns geht es auch um die Gemeinschaft.“

Die Identität des Trolli könnte Risse bekommen, wenn künftig nur noch afrikanische Profis den Siegerthron besteigen. Die Motivation für heimische Läufer, die einem Beruf nachgehen, sinkt. Sachpreise statt Geldprämien ist eine Idee, die Marco Diehl (44) ins Spiel bringt. Er wurde am Sonntag beim Marathon Dritter – und sah vom Ersten bald nur noch die Hacken.

Zehn Minuten Vorsprung hatte der Kenianer Geoffrey Toroitich im Ziel auf den Zweitplatzierten – oder umgerechnet mehr als zwei Kilometer. „Das sind Profis, die nichts anderes machen“, sagt Diehl. Es sei „schade“, dass sie immer dort liefen, wo es Geldpreise gibt. Sie nähmen engagierten Hobbyläufern „schon die Chance weg“, auch mal ganz oben zu stehen.

750 Euro

Diehl verweist auf Veranstalter, die inzwischen keine Geldprämien mehr ausloben. Auch Veronica Pohl befürwortet Sachgeschenke oder Gutscheine. Man überlege sich als deutscher Läufer schon, ob man an „Veranstaltungen mit Preisgeld“ teilnimmt.

Reichtümer gibt es für Trolli-Sieger nicht. Dennoch scheinen Prämien von 750 Euro (Marathon) und 300 Euro (Halbmarathon) für kenianische Sportler Anreiz genug. Trolli-Siegerin Daisy Kimeli lief nach Angaben ihrer Managerin in Deutschland drei Rennen, erntete drei Siege und flog gestern nach Kenia zurück.

Man habe sich mit dem Thema „schon mehrfach beschäftigt“, räumt Heilbronn-Marketing-Chef Bernhard Winkler ein. Man wolle nicht die Liste mit Dauer-Siegen von Kenianern so fortsetzen, „dass andere gar keine Chance mehr haben“. Man werde sich „auf alle Fälle Gedanken machen“, kündigt er an. Nur: Sachpreise könne man auch wieder verkaufen, schränkt er ein.

Was bleibt ist für Winkler ein faszinierender Trolli 2014, mit erneut fantastischer Stimmung und begeisterten Läufern. Und dies sei eine „tolle Gemeinschaftsleistung von vielen ehrenamtlichen Kräften“. 
 

Blick auf 2015

Für Hauptorganisator Holger Braun hat der 14. Trollinger-Marathon „reibungslos geklappt“. Die Berichte der Helfer werde man noch auswerten. Rückmeldungen von Sportlern seien sehr positiv gewesen. Lob für die Stimmung, die Organisation habe man viel erhalten. Auch Sponsoren haben bereits für 2015 zugesagt. Gestern war das Organisationsteam noch mit dem Abbau beschäftigt. Die Auswertung der Läufer-Fragebögen dauert noch. „Es ist schon noch was zu tun.“
Der nächste Trolli-Termin steht bereits: Sonntag, 17. Mai 2015. 

 

 

 

 


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