Der große Tag des Heimkehrers

Fußball - Vor 20 Jahren fand zwischen dem KSC und Hannover 96 das einzige Erstliga-Spiel im Heilbronner Frankenstadion statt. Jochen Heisig, ehemalige Stürmer des Karlsruher SC, erinnert sich.

Von Florian Huber

Der große Tag des Heimkehrers
Das jungfräuliche Frankenstadion bei einer seiner ersten großen Bewährungsproben. 14 000 Zuschauer waren am 18. Februar 1989 Zeugen eines 2:0-Sieges des Karlsruher SC gegen Hannover 96.

Fußball - Die Erinnerungen an diesen Tag, sie sind leicht verblasst. Wie bei einem Fotoalbum, auf dessen Bilder sich ein grauer Schleier gelegt hat. Spontan fällt Jochen Heisig nur eines zu diesem 18. Februar 1989 ein. „Es war kalt und hat die ganze Zeit geregnet“, erinnert sich der ehemalige Stürmer des Karlsruher SC. Dabei war es sein großer Tag. Heisigs Verein musste damals aufgrund einer Stadionsperre das Karlsruher Wildparkstadion gegen das jungfräulichen Heilbronner Frankenstadion eintauschen. Für genau ein Bundesliga-Spiel.

„Und Winnie Schäfer wollte unbedingt nach Heilbronn.“ Also spielte der KSC im Heilbronner Exil gegen Hannover 96 um Bundesliga-Punkte. „Für mich ist das natürlich eine besondere Begegnung gewesen. Mit reichlich Magenkribbeln“, sagt Jochen Heisig. Schließlich war der damals 23-Jährige zwei Jahre zuvor vom VfR Heilbronn zum KSC gewechselt, dort allerdings nicht über den Status eines Berufspendlers zwischen Tribüne, Ersatzbank und Spielfeld herausgekommen.

Der Lokalheld darf ran

Der große Tag des Heimkehrers
Jochen Heisig (links) erzielt in dieser Szene das 1:0 für den KSC. Es blieb in jener Saison das einzige Bundesliga-Tor für den Stürmer.Fotos: Klaus Krüger

Der Tag damals fing nicht gut an. „Ich musste nach Karlsruhe fahren, um mit dem Mannschaftsbus dann nach Heilbronn zu reisen“, erinnert sich Heisig. Dabei wohnte er immer noch in Heilbronn. Wenigstens durfte der der Lokalheld erstmals in dieser Saison von Anfang an ran. Und prompt machte der Mann mit der Nummer neun auf dem Trikot dann auch noch mit einem Drehschuss aus neun Meter das 1:0. „Das 2:0 hätte ich auch schießen müssen“, stattdessen drückte jedoch Mannschaftskamerad Daniel Simmes den Ball über die Linie. Heisig aber war der Held des Tages. Heute wäre eine Tour d'Honeur angesagt. Medialer Trubel: Premiere, Sportschau, DSF. „Das war damals eine andere Zeit. Die ARD war mit zwei Kameras vor Ort und hat einen kurzen Bericht gemacht. Das war's dann“, sagt Heisig: „Am meisten hat mich damals gefreut, dass mein querschnittsgelähmter Onkel eine Freikarte bekommen hat und dabei sein konnte.“

„Heimkehrer Heisig war ein Glücksgriff“, titelte die Heilbronner Stimme übrigens am Montag danach. Lohn der Arbeit: „Ich musste nicht mit dem Mannschaftsbus zurück nach Karlsruhe.“ Stattdessen stand ein Abendessen in der Stadiongaststätte des VfR Heilbronn auf dem Programm. Was es gab? Natürlich das Heilbronner Leibgericht.

Erster Kontakt

Auch aus einem anderen Grund war Heisigs Rückkehr damals erfolgreich. Sie stellte die Weichen für den weiteren Karriereverlauf. Der 18. Februar als Wendepunkt. „Nach dem Spiel haben mich die Funktionäre von Hannover 96 angesprochen“, erzählt Heisig. In der Saison darauf trug er prompt das 96er-Trikot. In zwei Zweitliga-Jahren gelangen ihm 32 Tore.

Heute hat der Diplom-Betriebswirt mit dem großen Fußball abgeschlossen. Kontakt zu den alten Kameraden gibt es kaum noch. „Beim KSC war ich bestimmt schon seit fünf Jahren nicht mehr“, sagt Heisig. Neulich jedoch hat er einen virtuellen Ausflug unternommen, in dem er den eigenen Namen in eine Suchmaschine eintippte. „Unglaublich was man da so alles finden kann. Mit wem ich mal auf dem Platz stand.“ Klinsmann, Augenthaler oder Matthäus. Von denen war damals, an diesem regnerischen Februartag, allerdings keiner dabei.

Karlsruher SC: Alexander Famulla, Srecko Bogdan, Lars Schmidt, Oliver Kreuzer, Thomas Süss, Gunther Metz, Wolfgang Trapp, Milorad Pilipovic (57. Daniel Simmes), Michael Harforth (24. Michael Spies), Jochen Heisig, Helmut Hermann.

Hannover 96: Ralf Raps, Bastian Hellberg, Frank Pagelsdorf, Mathias Kuhlmey, Günter Drews (66. Gregor Grillemeier), Detlev Dammeier, Jürgen Prange, Andrzej Palasz, Karsten Surmann, Dieter Schatzschneider, Siegfried Reich.

Tore: 1:0 Jochen Heisig, 2:0 Daniel Simmes.

Zuschauer: 14 000.