Ein Leben für das runde Leder
Fußball - Vereinstreue und Kameradschaft sind die Charaktereigenschaften, die Manfred Hutt schätzt. Am heutigen Donnerstag feiert "Manne" seinen 70. Geburtstag bei bester Gesundheit. "Zahlen sind mir nicht wichtig, es zählt, dass man fit ist", sagt der Jubilar.

Fußball - Vereinstreue und Kameradschaft sind die Charaktereigenschaften, die Manfred Hutt schätzt. Am heutigen Donnerstag feiert "Manne" seinen 70. Geburtstag bei bester Gesundheit. "Zahlen sind mir nicht wichtig, es zählt, dass man fit ist", sagt der Jubilar. Mehr als 700 Spiele hat Hutt in 17 aktiven Jahren für den SV Schluchtern absolviert, bei dem er schon als Jugendlicher auf Punktejagd ging.
Es hätten einige Begegnungen mehr sein können, doch sah er zu oft die Rote Karte. "Ich war ein aggressiver Spieler und bin sieben oder acht Mal vom Platz geflogen", gesteht Hutt ein. Ein Umstand, der ihn selbst Schiedsrichter werden ließ. 23 Jahre lang wirkte er mit der Pfeife. Der ehemalige Sachbearbeiter bei der Firma Telefunken war auf dem Rasen vielseitig einsetzbar und vom Torhüter bis zum Mittelstürmer auf allen Positionen zu Hause.
"Ich hatte das Glück nie verletzt gewesen zu sein und Vereinstreue, die hatte früher noch einen hohen Stellenwert. Kameradschaft war wichtiger, als eine oder zwei Klassen weiter oben zu spielen." Anfragen anderer Vereine gab es immer wieder, doch entweder lehnte er selbst ab, oder sein Vater stellt sich quer. Die Vereinstreue wurde ihm anerzogen.
Als B-Junioren-Auswahlspieler versuchte Alfred Finkbeiner ihn zum SV Großgartach (heute SV Leingarten) zu locken. "Als der damalige Jugendleiter Hartmann den Pass abholen wollte, hat ihn mein Vater vom Hof gejagt", erinnert sich Hutt. Anfang der 60er Jahre platzte ein in Erwägung gezogener Wechsel zum VfB Eppingen. Der Vater drohte den jungen Manfred aus dem Haus zu werfen.
Trainerlizenz In der Sportschule Hennef erwarb Hutt zusammen mit dem früheren Nationalspieler Karl-Heinz Schnellinger die DFB-Trainerlizenz. Als Übungsleiter war er bei der SV Neckarsulm, TG Böckingen, Heilbronner Spvgg, TSV Biberach, VfR Heilbronn und dem VfB Bad Rappenau tätig. Vor allem die Zeit bei der HSV − dort wirkte er acht Jahre − sind positiv im Gedächtnis haften geblieben. Hutt war es auch, der die Fusion zwischen der Heilbronner Spielvereinigung und dem VfR Heilbronn unterstützte. "Im Nachhinein bin ich von der Entwicklung maßlos enttäuscht und habe mir von der Fusion viel mehr versprochen. Ich bedauere, dass die HSV von der Bildfläche verschwunden ist", sagt Hutt heute und steht Vereinszusammenschlüssen nun eher skeptisch gegenüber.
Die geplante Fusion zwischen den Unterländer Traditionsvereinen FC Heilbronn und der Union Böckingen hält er bei aller Skepsis dennoch für sinnvoll. Auch für ihn ist es die letzte Chance die Geschichte des Heilbronner Fußballs neu aufleben zu lassen.
Vom runden Leder hat Manfred Hut nie genug bekommen. Das ist bis heute so geblieben. In den 90er Jahren kam er in Kontakt mit dem Karlsruher SC und fungierte unter deren Trainer Winfried Schäfer als Spielerbeobachter. Er vermittelte unter anderem Tomislav Maric und Aydin Cetin vom VfR Heilbronn zum KSC. Maric arbeitet seit seinem Karriereende als Scout beim VfB Stuttgart, während Cetin in der 2. türkischen Liga aktiv ist.
In Südamerika 1999 schloss sich Hutt der Spielervermittler-Agentur des Ex-Profis Klaus Funk in Bad Rappenau an. Es folgten Reisen nach Südamerika. In Brasilien beobachtete Hutt Franca, der später bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stand. Franca fiel ihm damals weniger auf, dafür aber ein gewisser 16-jähriger Kaka. Die Empfehlung bei Klaus Funk war letztlich vergeblich. Der AC Mailand schnappte den heutigen Weltstar von Real Madrid Funk vor der Nase weg. Ein Highlight für den Fußballfachmann war 2001 die Reise im Auftrag des DFB nach Indien. In drei Wochen stellte er dort aus über 40 Mädchen die U19-Nationalmannschaft Indiens zusammen.
Das Familienleben kam und kommt da mitunter zu kurz. "Meine Frau Heiderose hat sich damit abgefunden, aber sie hat es nicht einfach mit mir", sagt Hutt. Seinen runden Geburtstag feiert der Schluchterner erst am Samstag so richtig, "aber auch am Donnerstag wird die Bude voll sein", glaubt der Jubilar. Doch selbst an diesem Ehrentag kann Hutt nicht vom Fußball lassen. "Vermutlich bin ich abends auf dem Sportplatz." Da bestreitet sein SV Schluchtern in der Bezirksliga ein Nachholspiel gegen die Spvgg Möckmühl. Auch mit 70 Jahren ist ihm die Vereinstreue wichtig.
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