Aufruhr in der Spielhölle
Fussball - TSV Obergimpern schimpft nach dem 0:1 gegen Kirchardt über den Schiedsrichter

Fussball - Der Zorn des Publikums entlud sich nach dem Abpfiff erst so richtig heftig. "Pfui, pfui", schrien die Fans des TSV Obergimpern, als Schiedsrichter Stefan Faller den Weg in die Kabine antrat. Es gab "Schieber, Schieber"-Rufe, auch "Hoyzer, Hoyzer"-Beschimpfungen waren zu hören.
Dass das Kraichgau-Derby gegen die SG Kirchardt am Gründonnerstagabend mit 0:1 (0:1) verloren ging, lastete der Tabellenvorletzte der Fußball-Landesliga Rhein-Neckar dem Unparteiischen aus Karlsdorf-Neuthard an. Daniel Müller geriet regelrecht in Rage. Der Spielertrainer des TSV Obergimpern war dermaßen wütend und stinksauer, dass er vor nichts und niemandem mehr halt machte. "Wir hatten heute zwölf Mann zum Gegner", wetterte der Coach und meinte: "Ich versteh" nicht, wie man solche Luftpumpen zu so einem Spiel schicken kann. Mit einem anderen Schiedsrichtergespann wären wir nicht als Verlierer vom Platz gegangen."
Heißes Gefecht
In der Spielhölle von Gimpern hatte Stefan Faller einen schweren Stand. Hektisch und hitzig ging es zu, mit etlichen Fouls und Verletzungsunterbrechungen. Der Referee benötigte mehrere gelbe und eine gelb-rote Karte, die kurz vor Schluss Gimperns Kevin Kroiher sah (81.). Der TSV erzürnte sich vor allem an zwei Situationen. Stürmer Simon Lakos war nach einem Rempler im Strafraum zu Fall gekommen, doch statt Strafstoß gab es Gelb für Lakos − wegen einer angeblichen Schwalbe (18.). In der zweiten Halbzeit pfiff Faller ein Kopfballtor von Serdar Saritas ab − das Schiedsrichterteam hatte eine Abseitsstellung erkannt (65.).
Müller verstand die Welt nicht mehr. "Ich weiß nicht, wo das Abseits gewesen sein soll", schimpfte der Coach und verwies auf die Situation. Nach einer Ecke war der Ball von Dominic Roth verlängert worden und dann bei Saritas gelandet. Der köpfte ins Tor − über SG-Verteidiger Stefan Saam hinweg, der als letzter Mann auf der Torlinie stand. Abseits? Oder kein Abseits? Schiedsrichter Stefan Faller tat gut daran, nach dem Spiel Regelkunde zu leisten. Abseits sei dann, wenn der angreifende Spieler der Torlinie näher sei als der vorletzte Gegenspieler. "Dabei ist es egal, ob der letzte Gegenspieler ein Torwart oder ein Feldspieler ist. Viele wissen das nicht, aber es ist halt so." Da Stefan Saam der letzte Kirchardter Gegenspieler war, lag Faller mit seiner Entscheidung vollkommen richtig.
Selbstkritik
Was den TSV Obergimpern betrifft, so musste er sich an die eigene Nase fassen. Es gab Spieler, die es taten. "Wir haben die ersten 25 Minuten verpennt − auch ich", erklärte Serdar Saritas. Das frühe 0:1 (7.) durch Rudi Wall war selbstverschuldet, die wenigen zwingenden Chancen konnten nicht verwertet werden. Einen sehenswerten Kopfball von Mohamed Kadorah machte der starke SG-Torwart Sahin Özel mit einer Glanzparade zunichte (49.), auch gegen Serdar Saritas war Özel zur Stelle (54.).
"Die Mannschaft hat super gekämpft. Leider können wir uns dafür nichts kaufen", sagte Müller. Für dessen Team kommt es nun knüppeldick. Im Heimspiel am Ostermontag, 16.30 Uhr, gegen Tabellenführer SV Sandhausen II muss der TSV auf Erkan Tagun verzichten. Tagun zog sich gegen Kirchardt eine Bauchmuskel- und Aduktorenzerrung zu.
Immerhin: Schiedsrichter gegen Sandhausen wird Rini Iljazi aus Wurmberg sein − und nicht Stefan Faller. Dass Faller und seine Assistenten auch eine Dreiviertelstunde nach Spielschluss noch in der Kabine waren, konnte Daniel Müller gut verstehen: "Wenn die eine Fehlerbesprechung machen, kann das schon eine Weile dauern."
TSV Obergimpern: Rödler − Gabel (43. Kadorah), Tagun (30. C. Lakos), Faul − Dowail, Roth, Kroiher, Müller, Saritas − Richter, S. Lakos.
SG Kirchardt: Özel − A. Saam, S. Saam, K. Wall, Reinecke − R. Wall, Koukouliatas (64. Billich), Bjelic, Lehmann (90. Kuhn) − Dietz, Hillert (43. Yilmaz).
Tore: 0:1 (7.) R. Wall.
Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte für Kroiher (81./Obergimpern).
Schiedsrichter: Stefan Faller (Karlsdorf-Neuthard); Zuschauer: 350.


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