Tafelfreuden beim TSV Obergimpern, T-Fragen beim FVS Sulzfeld
Fussball - Früher, als Finanzminister des Vereins, hätte er nur ungern rote Zahlen geschrieben. Am Samstag jedoch war das Rote-Zahlen-Schreiben ein Genuss. Mit dem roten Filzstift verewigte Rainer Wolfschläger den ersten Sieg des TSV Obergimpern in der Fußball-Landesliga

Ergebnisorientiert
Früher, als Finanzminister des Vereins, hätte er nur ungern rote Zahlen geschrieben. Am Samstag jedoch war das Rote-Zahlen-Schreiben ein Genuss. Mit dem roten Filzstift verewigte Rainer Wolfschläger den ersten Sieg des TSV Obergimpern in der Fußball-Landesliga . „4:2“ – so lautete das Endergebnis, das der Stadionsprecher auf der Wandtafel im Clubhaus eintrug. „Das geht mir so etwas von locker von der Hand“, sagte der 52-Jährige nach dem aufregenden Spiel gegen den FC Bammental.
Wer sich genauer umsieht beim Verein, erkennt sofort: Der TSV hat seine Datenverwaltung auf den neuesten Stand gebracht. In den vergangenen Jahren benutzte er eine alt gediente Anzeigetafel für Resultate aus der Kreisklasse B, Kreisklasse A und Kreisliga. Nun, mit mit dem Aufstieg in die Landesliga, hat er sich ein zweites Ergebnistableau zugelegt.
Es ist aus besonderem Holz geschnitzt. Günter Steeb, ein Schreiner aus dem Ort, hat es in akkurater Fein- und Feilarbeit angefertigt. „Ich habe ihm das Original mitgebracht. Das hat mein Vater, Gustav Wolfschläger, gemacht, der auch ein Schreiner war“, erklärt Rainer Wolfschläger. Steeb arbeitete streng ergebnisorientiert. Pünktlich zum Saisonstart lieferte er die Ergebnistafel ab. Das Resultat kann sich sehen lassen: Schick ist sie und sieht fast so aus wie das Original – mit dem Unterschied, dass nicht mehr VfL Mühlbach und SV Gemmingen, sondern SG Kirchardt, VfB Eppingen und FC St. Ilgen draufsteht.
So hat der TSV Obergimpern jede Menge Tafelfreuden. Mit der Wandtafel im Clubhaus und mit der Videotext-Tafel 248 des SWR, wo er in der Landesliga-Tabelle auf Platz neun geführt wird. Ob das aber so bleiben wird? „Obergimpern wird es ähnlich schwer haben wie wir“, sagt Friedbert Ohlheiser, der Abteilungsleiter des FC Bammental, sieht aber den TSV als Vorbild: „Das Ländliche und die Euphorie, das gefällt mir. Das würde ich gerne auf uns runterkopieren. Bei uns in Bammental ist man aber zu sehr verwöhnt.“
Entschuldigung Der Übeltäter hatte ein schlechtes Gewissen. Einen Tag nach seinem schweren Foul rief Ilhan Demircan vom TSV Michelfeld seinen Gegenspieler Massimo di Mauro vom SV Treschklingen an. Er entschuldigte sich und erkundigte sich nach di Mauros Befinden. „Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Ich habe übers Ziel hinausgeschossen“, sagte Demircan.
Es war ein fairer Zug nach einer unfairen Attacke. In der zweiten Halbzeit des Fußball-Kreisliga-Spiels hatte Demircan di Mauro mit gestreckten Beinen im Mittelfeld umgemäht. Manfred Britsch kam sich vor wie bei Holzfällerarbeiten in der kanadischen Wildnis. „Ich habe schon viel erlebt in meiner Karriere: Aber das war das brutalste Foul, das ist je gesehen habe“, berichtet der Fördervereinsvorsitzende des SVT. Mit dem Krankenwagen musste der Spielmacher in die Vulpius-Klinik nach Bad Rappenau gebracht werden. Dort gab es Entwarnung. Der Anfangsverdacht „Schienbeinbruch“ bestätigte sich nicht. Starke Prellung, eine in Mitleidenschaft gezogene Kapsel am Knöchel – so lautete die erste Diagnose. Derzeit kann sich di Mauro nur wie ein Nordic Walker fortbewegen: auf Krücken.
„Jetzt hat er genug Zeit, um sich auszukurieren“, sagt SVT-Trainer Marcus Zehender. Bevor di Mauro abtransportiert wurde, hatte er sich noch zu einer Affekthandlung (Zehender) hinreißen lassen – und auf dem Boden liegend zu einem Kopfstoß auf einen Michelfelder Spieler angesetzt. Klar, dass es dafür „Rot“ gab. „Er hat ihn nicht getroffen. Aber der Versuch allein ist strafbar“, sagt Zehender. Wie lange die Nummer zehn ausfällt, wird die Spruchkammer entscheiden. Zehender hofft, dass es glimpflich ablaufen wird. Di Mauro sei ein dynamischer Spieler. „Er ist sehr wichtig für uns.“
Rücktritt Bälle hat Volker Gebhard jederzeit im Griff. Etwas anderes ist es mit den Nerven. Am vergangenen Mittwoch blieb dem Torwart-Trainer des FVS Sulzfeld nur die Flucht. Verärgert und frustriert stieg er in der Pause des Pokalspiels bei TürkGücü Sinsheim ins Auto und fuhr nach Hause. Wenige Tage später verkündete er seinen Rücktritt.
„Es hat keinen Knatsch gegeben. Es liegt nur an mir selbst. Ich bin zu ungehalten am Spielfeldrand“, sagt der 60-Jährige und meint: „Ich habe mir eine Selbsttherapie verordnet. Ich lasse mich eine Weile nicht sehen auf dem Sportplatz, dann komme ich als Zuschauer wieder. Ich bleibe selbstverständlich ein Sulzfeld-Fan.“
Der FVS respektiert die Entscheidung, gleichzeitig bedauert er sie: „Volker Gebhard hat hervorragende Arbeit abgeliefert. Unsere Torhüter haben sich sehr gut unter ihm entwickelt“, sagt Abteilungsleiter Michael Schuler. Genauso sieht es Dieter Gerweck. „Herr Gebhard hat mir sehr viel Arbeit abgenommen“, erklärt der FVS-Coach. Wer nun Gebhards Nachfolger wird? Die T-Frage ist ungeklärt: „Vorerst werde ich wohl das Torwart-Training übernehmen“, sagt Gerweck. Eric Schmidt

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