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Nachschlag: TSG Hoffenheim: Die große "Welt" im kleinen Dorf . . .

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Volker Keitel: Im Alter von 44 ein 4:4 mit dem SV Grombach . . .

Von Eric Schmidt

Es rauscht im deutschen Blätterwald: Die TSG Hoffenheim sorgt derzeit bundesweit für Schlagzeilen. Kaum ein Kiosk, in dem es nichts zu lesen gibt über den Fußball-Regionalligisten. Dabei spielt weniger die sportliche Situation eine Rolle. Vielmehr haben sich die Journalisten auf den angeblichen Wettskandal um Kapitän Matthias Örüm und die kühnen Zukunftspläne von Mäzen Dietmar Hopp eingeschossen.

Den Anfang machte Deutschlands dünnste Zeitung. Bild startete eine Attacke gegen Örüm und brachte ihn mit der "Wettmafia" in Verbindung. Andere Blätter griffen das Thema auf. Beim vergangenen Heimspiel, dem 1:0 gegen den 1. FC Eschborn, ließ sich die große Welt im kleinen Dorf blicken, auch die Süddeutsche Zeitung kam auf einen Sprung vorbei und berichtete ausführlich in ihrer Montagsausgabe.

Einen Tag schneller war die Sonntagszeitung der Frankfurter Allgemeine, die der Stadionidee Dietmar Hopps und der hektisch ausgetüfelten Spielgemeinschaft mit dem SV Sandhausen und dem FC Astoria Walldorf eine ganze Seite widmete.

Überhaupt ist der millionenschwere Visionär ein gefragter Mann. Dem Radio steht er ebenso Rede und Antwort wie dem Fernsehen. Einen längeren TV-Auftritt hatte der Mäzen beispielsweise am Sonntagabend bei "Sport im Dritten", wo er den "FC Kurpfalz Heidelberg" als möglichen Namen der Spielgemeinschaft ins Spiel brachte und auf Distanz zu Trainer Hansi Flick ging. Ob Flick auch der neue Coach des FC Kurpfalz Heidelberg sein werde? "Wenn er aufsteigt, ist er erste Wahl. Wenn nicht, wird es schwierig für ihn", sagte Hopp vor einem Millionenpublikum.

Es ist gar nicht so lange her, da hat Volker Keitel seinen 44. Geburtstag gefeiert. Am vergangen Sonntag jedoch, im Auswärtsspiel beim SV Reihen, ist der Trainer des SV Grombach in nur 90 Minuten um Jahre gealtert. 4:4 hieß es nach einem turbulenten Schlagabtausch in der Fußball-Kreisklasse B1 Sinsheim. "Das war schon irgendwie verrückt. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", sagt Keitel.

Sein Team hatte wie entfesselt angefangen. Durch Tore von Björn Hack und Stefan Müller lag der SVG bereits nach sieben Minuten mit 2:0 vorn _ und hatte in der Folge zwei weitere klare Chancen. "Dann hätten wir 3:0 oder 4:0 führen können, und das Spiel wäre gelaufen gewesen", so Keitel. Statt dessen kippte die Partie. Der SV Reihen verkürzte auf 1:2, glich auf 2:2 aus und schoss in der zweiten Hälfte eine 4:2-Führung heraus, die bis zur 84. Minute Bestand hatte. Doch so stark wie der SVG begonnen hatte, so stark hörte er auf. In einem furiosen Finish verkürzte Routinier Klaus Muth auf 3:4, zwei Minuten später fiel das 4:4.

Dennoch: Es ist nicht alles Keitel Sonnenschein in Grombach. Der SVG hatte vor Saisonbeginn Platz fünf im Visier, derzeit ist er nur 13. Ein Grund: die vielen Lücken im Kader zu Beginn dieser Runde. Markus Meny fiel ebenso aus wie Tobias Bohn und "Lazarus" Björn Hack, der sich innerhalb von einem Jahr sechs Verletzungen zuzog _ darunter einen Mittelfußbruch und einen Bänderriss. Neuzugang Markus Bauer (TSV Neckarbischofsheim) ist als Elektronik-Fachmann in der neuen Mannheimer SAP-Arena im Einsatz, Timo Poth kümmert sich um den Heimvorteil in eigener Sache. "Er baut ein Haus. Klar, dass er deshalb nicht mehr so oft trainieren kann", sagt Keitel und betont: "Poth hat in der vergangenen Saison eine Trainingsbeteiligung von 100 Prozent. Das geht jetzt nicht mehr."

Als graue Maus wollen die schwarz-gelben "Zebras" trotzdem nicht enden. Der Trainer hat immer noch die Top Ten im Visier. "Es wäre falsch, das Buch jetzt schon zuzuklappen. Dazu bin ich zu ehrgeizig. Ein einstelliger Tabellenplatz muss drin sein", so Keitel.

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