Stimme+
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

„Mein Entschluss steht, definitiv“

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Fußball - Die Doppelspitze tritt zurück: Bei der Mitgliederversammlung Ende Januar werden Achim Müller und Helmut Kleinlein ihre Ämter als Vorsitzender und 2. Vorsitzender der SG Kirchardt niederlegen. „Es gab keinen Streit, keinen Ärger. Ich habe beruflich einfach viel zu tun“, sagt Müller (50) in einem Gespräch mit Eric Schmidt.

„Der Stimme-Cup im vergangenen Jahr war etwas ganz Herausragendes.“
          Achim Müller
„Der Stimme-Cup im vergangenen Jahr war etwas ganz Herausragendes.“ Achim Müller

Fussball - Die Doppelspitze tritt zurück: Bei der Mitgliederversammlung Ende Januar werden Achim Müller und Helmut Kleinlein ihre Ämter als Vorsitzender und 2. Vorsitzender der SG Kirchardt niederlegen. „Es gab keinen Streit, keinen Ärger. Ich habe beruflich einfach viel zu tun“, sagt Müller (50) in einem Gespräch mit Eric Schmidt.

Herr Müller, haben Sie genug von der SG Kirchardt?

Achim Müller: Nein, nein, um Gottes Willen!

Warum treten Sie dann zurück?

Müller: Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt: „Ich mach' das noch zwei Jahre. Dann bin ich 50 und habe fast zehn Jahre 1. Vorsitzender gemacht und war nahezu 25 Jahre in der Vereinsarbeit aktiv.“ Ich habe auch vor einem Jahr und bei meinem runden Geburtstag im Sommer noch einmal betont, dass ich auf jeden Fall aufhören werde.

Trotzdem wird man versucht haben, Sie umzustimmen.

Müller: Natürlich haben Gespräche stattfgefunden. Das Einfachste für alle wäre, wenn ich weitermachen würde, ganz klar. Aber mein Entschluss steht, definitiv. Wenn ich jetzt nicht aufhöre, werde ich noch bis an mein Lebensende dranhängen. Ich werde auch nicht sagen: Ich mache noch ein bisschen 'was. Ein bisschen 'was, das kann ich nicht. Beruflich wird es auch nicht einfacher, wenn man sich die aktuelle Finanzkrise anschaut. Und auch mein Arzt sagt, ich soll kürzer treten.

Beruflich sind Sie weltweit unterwegs. Es war bestimmt nicht immer einfach, den Verein zu führen.

Müller: Doch, das konnte ich. Das war alles eine Sache der Absprache und des Teams, das dahinter steht. Ich könnte nicht eine Jugendmannschaft trainieren, auch wenn ich das vielleicht lieber machen würde. Ich kann nicht an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit hier sein, das geht beruflich nicht. Als Vorsitzender habe ich immer gute Unterstützung bekommen von Anja Mathis und Bernhard Kuhn. Sonst hätte es nicht funktioniert. Ich denke, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um einen Schnitt zu machen. Ich verlasse den Verein auch finanziell in geordneten Verhältnissen, sportlich sind wir gut aufgestellt.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als SG-Vorsitzender?

Müller: Als Einzelereginis war mit Sicherheit der Stimme-Cup in Kirchardt im vergangenen Jahr etwas ganz Herausragendes. Der hat auch bei den Machern des Stimme-Cup wie Uwe Ralf Heer Spuren hinterlassen. Für das Image des Vereins hat es viel gebracht. Es gab aber auch viele andere Dinge. Die Aufstiege. Die ganze Unterstützung, die ich im Verein erfahren habe - sowohl von den Mitgliedern als auch vom Vorstand und den Sponsoren. Unser relativ kleines Team hat gut funktioniert und einiges bewegen können. Das hat viel Spaß gemacht.

Muss man sich Sorgen machen, wenn der SG die Doppelspitze wegbricht?

Müller: Es gibt Leute, die das auch können, den Verein zu führen - da bin ich mir sicher. Ob aber welche da sind, die das wollen, kann ich so jetzt nicht beantworten. Ich hoffe, dass sich jemand findet. Es kann ja auch eine ganze Gruppe oder ein Gremium sein, damit es weitergeht. Ich hoffe, dass es eine Lösung gibt. Die Mitgliederversammlung ist auf Ende Januar angesetzt, vielleicht findet sie auch erst Ende Februar statt - um vier Wochen länger Zeit zu haben. Ich will nicht sagen, dass ich mir Sorgen mache. Wenn ich mir um etwas Sorgen mache, dann um den Amateurfußball im Allgemeinen.

Inwiefern?

Müller: Der Amateurfußball wird es in naher Zukunft immer schwieriger haben. Wir sehen es an den Heimspielen am Sonntag. Um halbsechs abends ist unser Clubhaus so gut wie leer. Dabei brauchen wir das Geld. Wir betreiben das Clubhaus in Eigenregie, und die Unterhaltung kostet etwas. Sicherlich spielt auch der Hoffenheim-Effekt eine Rolle, aber das ist für mich nicht das Entscheidende. Wenn sich der Trend fortsetzt, dass die Leute lieber vor der Glotze Fußball schauen, dass die Anstoßzeiten in der Bundesliga weiter aufgeweicht werden, dann weiß ich nicht, wo das noch hinführt. Klar, man kann schon sagen, die Amateure sollen auf einen anderen Tag ausweichen. Aber was macht man, wenn man an einem Montagabend im November ein Spiel austrägt? Dann haben sie Flutlichtkosten, und das war's dann. Da kommt doch - auf gut Deutsch - kein Schwein.

Am Sonntag haben Sie beim Kraichgau-Stimme-Cup den Pokal überreicht. Es war eine Ihrer letzten Amtshandlungen. Werden Sie nicht Wehmut verspüren, wenn Sie sagen: So, das war's jetzt.

Müller: Ne! Erleichterung. Es fällt eine Belastung ab. Das brauch' ich auch, das habe ich gerade in den letzten drei, vier Monaten gemerkt.

Aber Sie bleiben der SG treu?

Müller: Ich will nach wie vor da sein, wenn im Verein etwas passiert. Ich werde nicht nur sonntags auf den Sportplatz gehen. Ich kann ja auch mal helfen und Clubhaus-Dienst machen. Die SG Kirchardt ist Teil meines Lebens.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben