"Männer, ihr müsst schon aufpassen"
Die Ex-Profis Hans-Peter Makan und Karl-Heinz Bührer besuchten die Fußballschule Klaus Kaltwasser

So viele Zuschauer gibt's bei der Fußballschule von Klaus Kaltwasser selten. Drei Dutzend Neugierige kiebitzen auf den Rängen des Kraichgaustadions, ein paar jugendliche Autogrammjäger inklusive.
Mittendrin: ein hagerer Mittvierziger mit schütterem Haar. Hans-Peter Makan ist so schlank wie eh und je. Dass der Deutsche Meister von 1984 das runde Leder noch immer minutenlang auf Kopf und Rücken jonglieren kann, findet Philip Börsch aus Obergimpern "cool". "Och", schmunzelt Makan, "das könnt' ich auch Stunden. Aber irgendwann wird's langweilig." Das darf natürlich nicht sein. Heute steht der Spaß im Vordergrund. Makan flachst, klatscht ab und hat wertvolle Tipps. "Kopf hoch!" Oder: "Den Ball enger führen." Es gibt Einzel- und Partnerübungen und Jonathan Menner (7) vom SV Massenbachhausen hat besonderes Glück: Er darf den Ex-Profi abschießen.
Durch einen Pylonenparcours müssen sie mit ihrem Ball flitzen. Makan drückt die Stoppuhr - und hin und wieder auch ein Auge zu. "Tolle Ballführung, Silas. Aber leider nur acht Sekunden." Trotz seiner 44 Jahre ist er doppelt so schnell und viel, viel wendiger.
"Ein feiner Techniker war er früher auch", schmunzelt Karl-Heinz Bührer. Mitte der 80er Jahre spielten sie gegeneinander. Makan, der Libero vom VfB. Und Bührer, der schlitzohrige Stürmer der Waldhof-Buben. "Der Kalle war schon immer ein Sauhund", meint Makan. "Der wusste, wie man sich wehrt."
182 Bundesligaspiele von 1983 bis 1990 hat Bührer absolviert. Makans Karriere dauerte nicht ganz so lange. Sportinvalide wurde er mit 26 und betreibt heute eine Toto-Lotto-Annahmestelle in Schriesheim.
Bührer ist dem Fußball treu geblieben: Mit seiner Familie lebt der Versicherungskaufmann in Mannheim und betreut die A-Junioren des SV Waldhof. Ob er wegen des Geldes lieber heute Kicker wäre? "Ich hatte trotzdem eine schöne Zeit." Heutzutage ist der Druck größer", sagt Hans-Peter Makan. "Da geht viel Kreativität verloren." Kicken tut er nur noch hin und wieder in der VfB-Traditionself, "auch wenn sich die andere da bloß noch übers Golfen unterhalten".
Auch von Karl-Heinz Bührer können die Nachwuchskicker eine Menge lernen. Wie man den Ball nur mit der Fußspitze führt, ihn mit der Brust stoppt oder beim Hochwerfen noch schnell seinen Colt zieht. Sehr spielerisch, aber zwischendurch auch immer wieder bierernst. Dann schaut er besonders grimmig zu Luca, Achmed und Paul: "Männer, ihr müsst schon aufpassen, wenn der Trainer was sagt."
Ein paar Meter weiter hat Jochen Janicek einen Parcours aus Hürden und Hütchen errichtet. Mal müssen die Kinder auf einem Bein hüpfen, dann den Ball dribbeln und aufs Tor schießen. "Wir wollen ihre Koordination testen", sagt der Diplom-Sportlehrer aus Bad Wimpfen. Künftig will er Kaltwassers Schüler jedes Jahr zum Test bitten, um ihre Fortschritte zu dokumentieren.
Mit einem Freundschaftsspiel klingt das Training aus. "Wie ist es ausgegangen?", fragt Karl-Heinz Bührer. 5:3? 7:4? Achmed Kucuck (7) zuckt mit den Schultern: "Gut." Das ist ja sowieso das wichtigste.

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