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Jede Woche ein Hollenbach-Film

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Fußball - Wenn Patrick Tittl will, läuft die ganze Mannschaft des FSV Hollenbach für ihn rückwärts. Wenn er mag, rennen dann alle Spieler wieder mit vierfacher Geschwindigkeit nach vorne. Oder noch schneller.

Von unserem Redaktions- mitglied Daniel Stahl

Patrick Tittl an seinem Arbeitsplatz. Hier sieht er sich Videos der Gegner des FSV an, um Stärken und Schwächen der Mannschaften zu studieren.Foto: Daniel Stahl
Patrick Tittl an seinem Arbeitsplatz. Hier sieht er sich Videos der Gegner des FSV an, um Stärken und Schwächen der Mannschaften zu studieren.Foto: Daniel Stahl

Fußball - Wenn Patrick Tittl will, läuft die ganze Mannschaft des FSV Hollenbach für ihn rückwärts. Wenn er mag, rennen dann alle Spieler wieder mit vierfacher Geschwindigkeit nach vorne. Oder noch schneller. Patrick Tittl spult Videos der Spiele des FSV auf seinem Computer hin und her, wenn er eine Videoanalyse erstellt.

Seit etwa einem Jahr arbeitet Patrick Tittl für den FSV Hollenbach. Mit seiner Sport-Agentur hilft der 27-Jährige den Trainern des Hohenloher Oberligisten bei der Vorbereitung auf die nächsten Gegner. Er tut dafür vor allem eines: Er sieht Videos an. Viele Videos. Die lädt er im Internet vom Portal "Die Ligen" herunter. Dann geht es für Patrick Tittl an die Arbeit.

Von Montag bis Mittwoch arbeitet Tittl an einer Analyse. Die letzten drei oder vier Spiele des nächsten Hollenbacher Gegners sieht er sich dann genauer an. "Und vor allem das letzte, das ist ausschlaggebend", sagt Tittl. Das Video dieser Partie lässt er bis zu drei Mal auf seinem PC laufen. Zuerst schreibt er sich auf, was ihm zur Taktik des Gegners auffällt. Im zweiten Durchgang achtet er besonders auf Standardsituationen und andere Schlüsselszenen. Alle Eindrücke fasst Tittl in seiner Spielanalyse als Text und mit Statistiken zusammen.

Jugendtrainer

Das Handwerkszeug dafür hat er bei seinem Sportmanagement-Studium in Düsseldorf erhalten. Bei Eurosport und bei einem Spielerberater hat er seine ersten Erfahrungen gesammelt. Einiges hat er sich aber auch selbst beigebracht − wie das Schneiden von Videos. Im Fußball in der Region kennt Tittl sich gut aus. Er hat lange beim SV Wachbach Fußball gespielt. Bis zur vergangenen Saison hat er mit Vater Alois Tittl die Hollenbacher A-Jugend trainiert.

So entstand auch die Zusammenarbeit bei der Videoanalyse. Zwei dicke Ordner voller Papier füllen Tittls Ausarbeitungen über gegnerische Teams inzwischen. Dazu kommen viele Videos auf DVD.

Wichtiger Baustein

"Meine Analyse belege ich mit Szenen, die ich dem Trainer als Film zusammenschneide", sagt Patrick Tittl. Alle Tore, wichtige Freistöße oder entscheidende Spielszenen kommen auf eine DVD. Die Videos und die schriftliche Analyse bekommt FSV-Coach Ralf Stehle dann mittwochabends. "Das ist schon ein wichtiger Baustein", sagt Stehle.

Wenn der Hollenbacher Trainer das Video über den nächsten Gegner FC Astoria Walldorf schon angesehen hat, weiß er jetzt einiges über die Stärken und Schwächen der Mannschaft. "Das ist eine taktisch und technisch gut ausgebildete Mannschaft", hat Tittl analysiert. Vor allem Claudio Bellanare mit der Nummer neun sei "brutal stark, gerade im Dribbling". Einige Schwächen hat Patrick Tittl auch ausgemacht. Der Keeper des nächsten Hollenbacher Gegners habe beispielsweise oft Probleme bei Flanken und Standards.

"Analysieren muss ich das noch selbst, aber das gibt ein Gefühl, dass wir gut vorbereitet sind", sagt Ralf Stehle. Er sieht sich auch selbst das letzte Spiel des nächsten Gegners 90 Minuten lang auf Video an. Doch die Statistiken und Zusammenschnitte von Patrick Tittl brauche er zusätzlich. "Das ist schon sehr hilfreich und vor allem sind alle Stärken und Schwächen gut komprimiert."

Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Sie sieht Videos an. "Ich glaube, das machen relativ viele", sagt Ralf Stehle. Zumindest die Videos des vergangenen Spiels jedes Gegners sehen sich fast alle Trainer an, vermutet er. "Die großen Vereine machen es vor", sagt Patrick Tittl. "Wenn man das Niveau halten will, helfen Analysen."

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