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Die Achse der Guten

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Fussball - Beim Bezirksligisten TSV Sindringen bilden die Brüder Manuel, Christian und Thilo Baier das Herzstück

Von Andreas Eberle
„Es kommt immer wieder vor, dass wir drei Brüder uns im Spiel gegenseitig anmotzen.“
          Christian Baier
„Es kommt immer wieder vor, dass wir drei Brüder uns im Spiel gegenseitig anmotzen.“ Christian Baier

Fussball - Schmunzeln oder gar lachen - das ist oft die Reaktion eines Schiedsrichters, wenn er beim TSV Sindringen vor einem Bezirksliga-Spiel die Passkontrolle macht. Nicht, dass die Namen der Kicker besonders ulkig sind. Die ungewöhnliche Häufung eines Familiennamens ist es, die beim Vorlesen der Mannschaftsaufstellung zum Lächeln anregt. Drei Mal muss der Unparteiische einen „Baier“ aufrufen. Denn mit Manuel (19), Christian (21) und Thilo (23) mischen bei der Spielgemeinschaft aus Sindringen und Ernsbach gleich drei Fußballer mit diesem Namen mit.

Laut und rau Die drei Brüder bilden beim Bezirksliga-Aufsteiger das Herzstück und gleichzeitig eine „Achse der Guten“: Thilo Baier ist Abwehrchef, Innenverteidiger und Kapitän; Youngster Manuel stopft auf der Sechserposition vor der Viererkette die Löcher; und vorne sorgt Christian aus dem zentralen Mittelfeld heraus für Schwung, Vorlagen und jede Menge Tore. Wenn die drei Leistungsträger gemeinsam auf dem Rasen stehen, geht es schon mal rauer und lauter zu als bei anderen Teams. „Es kommt immer wieder vor, dass wir drei uns im Spiel gegenseitig anmotzen. Einen richtigen Krach hat es bisher aber noch nie gegeben“, erzählt Christian Baier. Der Haussegen hängt nach solchen Zwistigkeiten dennoch nicht lange schief, wie die Brüder beteuern: „Da ist keiner nachtragend. Nach dem Spiel ist alles wieder vergessen.“

Die Partien des TSV und generell der Fußball sind im Hause Baier stets Thema Nummer eins. Noch tagelang wird im elterlichen Haus in Ernsbach darüber diskutiert, wer wann wo und warum einen Fehler gemacht hat. Bei den Diskussionen mischt auch Vater Wolfgang immer munter mit. Der frühere Mittelfeldstratege hält mit 539 Einsätzen den Rekord beim SSV Ernsbach, was die Anzahl der Pflichtspiele anbelangt.

Eltern und Verwandte nehmen bis heute regen Anteil am Fußballer-Dasein der drei Brüder. Die Auftritte von Manuel, Christian und Thilo waren und sind Pflicht. Sogar Geburtstagsfeiern werden bei Terminkollisionen plötzlich zur Nebensache. „Wir sind eben eine totale Fußball-Familie“, sagt Thilo Baier, dessen Cousin Justus und zwei Cousinen ebenfalls im Verein kicken.

Schon von Kindesbeinen an haben die drei Baier-Brüder in der Freizeit gemeinsam gegen den Ball getreten, ob auf dem Hartplatz im Ort oder im eigenen Hobbyraum, in dem die Jungs damals sogar Tore an die Wand gemalt haben. „Selbst beim Fernsehen sind wir in den Werbepausen zum Kicken in den Hobbyraum gegangen“, erinnert sich Thilo Baier. Er und seine beiden jüngeren Brüder haben das Fußball-Abc einst von ihrem Opa Wilhelm Schuster beigebracht bekommen. Dieser hat seine drei Enkel in der E-Jugend auch nacheinander trainiert.

Hohe Identifikation Mit Erfolg. Mittlerweile sind Manuel, Christian und Thilo Baier nicht mehr aus der Bezirksliga-Elf des TSV Sindringen wegzudenken. Ein anderer Club, das betonen sie immer wieder, komme für sie nicht in Frage - trotz der einen oder anderen Anfrage in der Vergangenheit. „Wir identifizieren uns voll mit dem Verein“, sagt Thilo Baier. „Wir wollen nicht wechseln, denn die ganze Mannschaft kickt schon von klein auf zusammen“, ergänzt Christian.

In den ersten Bezirksliga-Duellen nach der Winterpause ist das Bruder-Trio allerdings gesprengt: Am heutigen Donnerstag muss sich Christian Baier in Wiesbaden einer Darmoperation unterziehen, morgen ist Manuel in Pforzheim mit einer Meniskus-OP dran. Beide fallen mehrere Wochen aus. „Das ist das Schlimmste, was uns passieren konnte. Ihre individuelle Klasse wird uns fehlen“, sagt Thilo Baier. Zumindest die Schiedsrichter haben es nun leichter: Sie werden bis auf Weiteres nicht mehr durcheinanderkommen, wenn sie den Sindringer Spielberichtsbogen vorlesen.

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