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Großes Interesse an Fußball-WM in Sinsheim

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Sinsheim - Die Sinsheimer Macher der Frauen-Fußball-WM sind zufrieden. 58.000 Eintrittskarten für das Großereignis vom 26. Juni bis zum 17. Juli sind bereits verkauft. Morgen startet die vierte Verkaufsphase im Internet.

Von Florian Huber

Sinsheim - Rolf Geinert könnte es sich einfach machen. Er könnte sich auf Smalltalk mit den vielen politischen Größen im Stuttgarter Neuen Schloss verlegen. Er könnte diesen Neujahrsempfang der Landesregierung von Baden-Württemberg als Gast genießen. Entspannt, in aller Ruhe. Das ist aber nicht so sein Ding.

Der Oberbürgermeister der Stadt Sinsheim entscheidet sich anders. Immer wieder bückt sich Geinert und kramt in den großen Kartons hinterm Tresen des Werbestands. Der SPD-Mann zaubert mit einem Lächeln Pins, Kugelschreiber, Aufkleber hervor. Werbung für die Fifa-Frauen-WM in diesem Jahr will er machen. "Das Stadion soll ja auch schön gefüllt sein", sagt Geinert. Eine drei Meter große Tipp-Kick-Figur mit langen dunklen Haaren und weiblichen Rundungen steht dem Sinsheimer Werbestand gegenüber. Das Signal ist klar: Fußball im Jahr 2011 ist weiblich.

Der Andrang ist groß am Sinsheimer Stand, Geinert verteilt Flyer mit Spielterminen und Kartenpreisen. Werbezettel um Werbezettel geht über den Tresen.

Die Fußball-Welt wird vom 26. Juni bis zum 17. Juli auf Deutschland schauen. In der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena steigen vier Partien. Nigeria - Frankreich (26. Juni, 15 Uhr), USA - Kolumbien (2. Juli, 18 Uhr), Neuseeland - Mexiko (5. Juli, 18.15 Uhr) und das Spiel um Platz drei (16. Juli, 17.30 Uhr) werden im Kraichgau über die Bühne gehen.

Koordination

Bernd Luithle kann die Termine schon im Schlaf aufsagen. Seit Anfang Januar leitet der 43-Jährige das lokale WM-Büro in Sinsheim. Luithle spricht von einer Koordinationsstelle. Im technischen Rathaus hat das Sinsheimer-WM-Team ein Stockwerk bezogen. "Allerdings ist das nicht für den Publikumsverkehr gedacht", sagt Sandra Aisenpreis, die für die Stadt Sinsheim mit im Boot sitzt und sich um das kulturelle WM-Rahmenprogramm kümmert. Auch ein Public Viewing wird es geben.


WM-Macher unter sich − von links: Bernd Luithle (Leiter des Sinsheimer WM-Büros), Ronny Zimmermann (Präsident des Badischen Fußballverbands) und Rolf Geinert, der Sinsheimer Oberbürgermeister.


Noch sind sie zu dritt in ihrem Stockwerk im Sinsheimer Rathaus. "Bei der WM sind wir dann 15 Leute", sagt Luithle. Natürlich könnte die WM sofort beginnen. "Aber es soll ja ein Turnier werden, das Maßstäbe setzt", sagt der Leiter des WM-Büros. Der Braunschweiger war zuvor für den Sportrechtevermarkter Sportfive in der Schweiz tätig. Zum Beispiel half er mit, die EM 2008 in Szene zu setzen. Ganz fremd ist Luthle die Region um Sinsheim übrigens nicht. Sein Vater stammt aus Heilbronn: "Als Kinder sind wir hier durch die Weinberge getollt."

Noch ist Luithle entspannt. Der Weltverband Fifa hat ein telefonbuchdickes Anforderungsbuch geschickt. Mit den hohen Herren des internationalen Fußballs steht Luithle im ständigen Austausch. "Noch komme ich mit einer 40-Stunden-Woche aus", sagt er. Das wird sich ändern. Je näher das Turnier rückt, desto länger werden zwangsläufig die Arbeitstage, die gefüllt sind mit Meetings, Telefonkonferenzen. "Und jede Menge Absprachen", wie Luithle es ausdrückt.

Die Mannschaften, die in Sinsheim spielen, möchten sich außerdem die Stadien anschauen. Bislang gab es nur Lob, sagt Luithle. Was Wunder. Schließlich steht direkt an der Autobahn 6 eine erst zwei Jahre alte Bundesliga-Arena. "Der französische Nationaltrainer hat von einem Sieben-Sterne Stadion gesprochen", erzählt der Sinsheimer WM-Macher. Nur eine kleine Bitte habe dieser vorgebracht. "Er möchte eine Trennwand in der Mannschaftskabine, damit sich die Spielerinnen ungestört umziehen können", sagt Luithle und lächelt. Wenn es weiter nichts ist. Die sonstigen baulichen Maßnahmen halten sich in Grenzen. Der Medienbereich muss erweitert werden, schließlich strömen Journalisten aus der ganzen Welt nach Sinsheim.

Noch vor dem eigentlichen Eröffnungsspiel Deutschland gegen Kanada am 26. Juni rollt in der Sinsheimer WM-Arena der Ball, wenn Frankreich auf Nigeria trifft. Warum denn eigentlich? "Das liegt am Fernsehen", erklärt Bernd Luithle. Frauen-Fußball zur Prime-Time, abends um 20.45 Uhr: Das funktioniert in Frankreich nicht. Als wird schon um 15 Uhr gespielt.

Gute Zahlen

Schon jetzt ist klar: Die WM-Spiele in Sinsheim werden in einer gut gefüllten Arena stattfinden. 58.000 von 100.000 Tickets sind schon verkauft. "Ich rechne ganz fest damit, dass drei Spiele am Ende ausverkauft sein werden", sagt Ronny Zimmermann, der Präsident des Badischen Fußballverbands: "Mit unseren Zahlen liegen wir auf Rang zwei oder drei im Vergleich mit den anderen Austragungsorten." Auch weil attraktive Mannschaft, wie die USA, im Badischen gastieren. Die Teams werden vor den Spielen in Heidelberg übernachten. Feste Hotels, wie bei der Männer-WM 2006, als die Australier in Öhringen gastierten, die gibt es dieses Mal nicht.

WM-Ticketverkauf

Am Donnerstag um 9 Uhr startet die vierte Verkaufsphase für WM-Eintrittskarten. Dann werden über die offizielle Internetseite www.fifa.com/deutschland2011 wieder Tickets für alle Spiele des Turniers angeboten, darunter die Begegnungen der deutschen Mannschaft sowie das Endspiel in Frankfurt. Insgesamt sind bereits mehr als 400. 000 Eintrittskarten verkauft worden. Einzeltickets für die vier Sinsheimer Spiele kosten zwischen 20 und 50 Euro (ermäßigt 10 bis 35 Euro).

 

WM-Macher unter sich − von links: Bernd Luithle (Leiter des Sinsheimer WM-Büros), Ronny Zimmermann (Präsident des Badischen Fußballverbands) und Rolf Geinert, der Sinsheimer Oberbürgermeister.Foto: Florian Huber
WM-Macher unter sich − von links: Bernd Luithle (Leiter des Sinsheimer WM-Büros), Ronny Zimmermann (Präsident des Badischen Fußballverbands) und Rolf Geinert, der Sinsheimer Oberbürgermeister.Foto: Florian Huber
Austragungsort von vier Spielen der Fifa-Frauen WM 2011: die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Unter anderem werden hier die USA und auch Frankreich jeweils ein Gruppenspiel austragen.Foto: 1899 Hoffenheim
Austragungsort von vier Spielen der Fifa-Frauen WM 2011: die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Unter anderem werden hier die USA und auch Frankreich jeweils ein Gruppenspiel austragen.Foto: 1899 Hoffenheim
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