Die blaue Wand von 1899 Hoffenheim

Sinsheim - Nur noch zehn Tage, dann wird in Sinsheim die Rhein-Neckar-Arena eröffnet. Dann beginnt im Kraichgau eine neue Zeitrechnung. Die Handwerker haben alles im Griff, sie geben dem Bauwerk an der A 6 den letzten Schliff - vor allem im Innenbereich. Grund zur Sorge besteht nicht. Zu 90 Prozent sei alles fertig, erklärt Rotthaus. Dass der Geschäftsführer den Platz im Stadion so gerne mag, liegt am Panorama. Der Blick geht rüber zu den Tribünen, die wie blaue Mauern nach oben ragen. Die Welt ist blau.

Von Eric Schmidt

Sinsheim - Wenn er mal Zeit zum Innehalten hat, geht Jochen A. Rotthaus gerne nach draußen. Dort, auf der Haupttribüne, ist einer seiner Lieblingsplätze im neuen Stadion. „Ist es nicht schön hier? Das ist doch herrlich“, schwärmt der Geschäftsführer von 1899 Hoffenheim und kommt sich vor, als habe der liebe Gott Lego gespielt: „Dieses Stadion ist ein Geschenk. Ein Geschenk des Himmels.“

Endspurt

Nur noch zehn Tage, dann wird in Sinsheim die Rhein-Neckar-Arena eröffnet. Dann beginnt im Kraichgau eine neue Zeitrechnung. Die Handwerker haben alles im Griff, sie geben dem Bauwerk an der A 6 den letzten Schliff - vor allem im Innenbereich. Grund zur Sorge besteht nicht. Zu 90 Prozent sei alles fertig, erklärt Rotthaus.

Dass der Geschäftsführer den Platz im Stadion so gerne mag, liegt am Panorama. Der Blick geht rüber zu den Tribünen, die wie blaue Mauern nach oben ragen. Die Welt ist blau. „Hoffe“-blau. Auf der Osttribüne sind vereinzelt weiße Sitze eingebaut, deren Muster ein Zauberwort ergibt: 1899 Hoffenheim.

40 Reihen ist die Arena hoch, und selbst wer ganz oben sitzt, ist ganz nah dran. Das liegt am Neigungswinkel der Tribünen. Es geht steil aufwärts bei „Hoffe“. „Wir haben steil gebaut. So steil, wie es erlaubt ist“, sagt Rotthaus. Was bei Borussia Dortmund die gelbe Wand ist, wird in Sinsheim die blaue Wand sein. Eine Festung.

Insgesamt bietet das Stadion 30 000 Schaulustigen Platz. Es gibt rund 23 000 Sitz- und knapp 7000 Stehplätze. Die Medien sorgen auf mehr als 80 Plätzen für Schlagzeilen. Wer zu „Hoffe“ steht, jubelt in der Südkurve schräg hinterm Tor, wo Raum für 5000 Anhänger ist. Spielt der Verein international, ist man flexibel. Dann werden die 5000 Stehplätze mit Variositzen in 2500 Sitzplätze umgewandelt.



Auch die Gästefans können sich nicht beklagen. Sie haben es ebenfalls bequem. „Da hat Herr Hopp extra noch Geld freigegeben. Unsere Gäste sollen sagen können: Mensch, wir haben hier zwar verloren, aber ihr habt eine gute Wurst und ein schönes Stadion“, sagt Rotthaus. Heiße Spiele dürfen vor allem die Vips vorm Logeneingang erleben. Ihre Stühle sind beheizt.

Vorerst wird Fullhouse herrschen in der Arena. „Hoffe“-Tickets sind so begehrt wie Tannenbäume zur Weihnachtszeit. Wenn am 31. Januar die Rückrunde beginnt, wird der Herbstmeister der Fußball-Bundesliga 20 000 Dauerkarten verkauft haben. „Das ist Wahnsinn“, findet Rotthaus. „Das hat noch kein Aufsteiger geschafft. Es ist ja nicht so, dass wir seit 20 Jahren ein Liga-Elefant sind, wir sind ein Rookie.“ Klar, man hätte noch mehr Dauerkarten verkaufen können, aber man wollte nicht. „Wir wollen keine Inzucht betreiben. Wir wollen auch frisches Blut bei uns haben.“

Ausbaubar ist sie nicht, die neue Arena. Muss sie auch nicht sein. „Man muss auch demütig sein“, erklärt Rotthaus. „Ich will nicht sagen, dass Fußball ein Glücksspiel unter freiem Himmel ist. Aber es ist ein schmaler Grat. Es kommen wieder andere Zeiten. Man kann nicht jeden Tag auf Wolke sieben schweben.“


Serie: Der Countdown

Wie sieht sie aus, die Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen – und stellen in unserer Serie „Countdown“ das neue Stadion von 1899 Hoffenheim vor. Wir entführen Sie in den nächsten Tagen in den Business-Bereich und nehmen Sie mit in die Loge von Mäzen Dietmar Hopp. In der nächsten Folge geht es in die Kabine des Fußball-Bundesligisten.





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