Dach schwebt wie eine Wolke über der Rhein-Neckar-Arena

Sinsheim - Wer das neue Stadion mal von oben sehen möchte, muss nur zur Burg Steinsberg hoch. Dort, auf der mittelalterlichen Festung in Sinsheim-Weiler, hat man einen herrlichen Blick auf die Rhein-Neckar-Arena. Was sofort ins Auge sticht, ist das Dach. Eigentlich wirkt es gar nicht wie ein Dach. Wie eine Wolke liegt es über dem Stadion, das so leicht scheint, als hebe es gleich ab.

Von Eric Schmidt

„Schwebender Charakter": Das Dach der Rhein-Neckar-Arena gilt als einzigartig in der deutschen Stadionlandschaft. Foto: Veigel

Sinsheim - Wer das neue Stadion mal von oben sehen möchte, muss nur zur Burg Steinsberg hoch. Dort, auf der mittelalterlichen Festung in Sinsheim-Weiler, hat man einen herrlichen Blick auf die Rhein-Neckar-Arena an der A 6. Vedad Ibisevic hat dieses Panorama schon vor Monaten genossen, als er für das Vereinsmagazin posierte. Der Stürmer des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim war beeindruckt von seiner neuen Heimat. „Das sieht schon klasse aus“, sagte er.

Markenzeichen

Was sofort ins Auge sticht, ist das Dach. Eigentlich wirkt es gar nicht wie ein Dach. Wie eine Wolke liegt es über dem Stadion, das so leicht scheint, als hebe es gleich ab. Architektonisch ist das so gewollt. „Bei vielen Stadien hat man den Eindruck, dass da einfach nur ein Deckel drauf ist. Hier hat das Dach einen schwebenden Charakter“, sagt Ingo Wellenbrock und ist überzeugt: „Diese Dachkonstruktion ist einzigartig. Wir haben das geilste Stadion Deutschlands.“

Dass er von dem Bauwerk so begeistert ist, liegt in der Natur der Sache. Wellenbrock ist Bauleiter des Planungsbüros AGN, das die Arena entworfen hat. Das 3400 Tonnen schwere Dach war das aufwändigste und mit das teuerste Element. Problematisch wurde es im Frühjahr 2008, als die Stahlbau-firma Donges aus Darmstadt Insolvenz anmeldete. „Wir hätten acht Monate verlieren können“, sagt 1899-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. „Das ist zum Glück nicht passiert. Auch weil Dietmar Hopp geholfen hat.“

Die Brechstange mussten die Bauarbeiter nicht auspacken. Man bekam es noch, das Dach überm Kopf. Ende August war die Stahlkonstruktion fertig, Ende November die Obermembran montiert. Dabei wurden Polycarbonat-Platten mit hoher Lichtdurchlässigkeit verwendet, die den Rasen mit der nötigen Helligkeit versorgen sollen. Wer auf der Tribüne sitzt, staunt: Keine blöden Balken, keine lästigen Säulen, die die Sicht zum Tor behindern. Fast unsichtbar wird das Dach gestützt. „Das sind Zahnstocher, die das Dach tragen“, sagt Jochen A. Rotthaus.

Streckmetall

Was weiter auffällt? Die Außenfassade. Mit 5800 Quadratmetern Streckmetall ist die Arena verkleidet - ein ungewöhnliches Material für ein Fußballstadion. Die Bonrath Metallbau GmbH, die den Part übernahm, hat Streckmetall bislang nur für Parkhäuser, für Bahnhöfe und für die Jahrhunderthalle in Bochum eingesetzt. „Ich glaube, Sinsheim ist das einzige Stadion mit Streckmetall“, sagt Geschäftsführer Marcus Bonrath. Dass 1899 Hoffenheim darauf zurückgegriffen hat, kann er gut verstehen. Das Material sei dreidimensional und erzeuge Licht- und Schattenspiele. Wenn abends der 52 Meter lange Schriftzug „Rhein-Neckar-Arena“ leuchtet und das ganze Stadion strahlt, „sieht das bestimmt gut aus.“

Nein, eine Festung wie die benachbarte Burg Steinsberg ist das Stadion nicht. Es ist eher Kunst- denn Bollwerk. „Es soll auch kein Bollwerk sein“, sagt Ingo Wellenbrock. Der Bauleiter der AGN ist sich sicher, dass die Leichtigkeit zur spielerischen Leichtigkeit von 1899 Hoffenheim passt. Zu diesen Künstlern am Ball. Zu diesen Himmelsstürmern unterm Wolkendach.