Hoffenheimer Akustik-Attacke beschäftigt jetzt DFB

Sinsheim - 1899 Hoffenheim droht wegen der eigenmächtigen Akustik-Attacke eines Mitarbeiters ein juristisches Nachspiel beim Deutschen Fußball-Bund. "Es werde geprüft, ob vom Kontrollausschuss ein Verfahren eingeleitet wird«, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker auf Anfrage.

Von Stephan Sonntag und lsw
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Sinsheim - Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim droht wegen der eigenmächtigen Akustik-Attacke eines Mitarbeiters ein juristisches Nachspiel beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Im Moment laufen Vorermittlungen, um den genauen Sachverhalt zu klären. Danach wird entschieden, ob vom Kontrollausschuss ein Verfahren eingeleitet wird“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker auf Anfrage am Dienstag. Beim 1:0-Sieg der Kraichgauer am Samstag gegen Borussia Dortmund waren von dem 1899-Mitarbeiter Hochfrequenztöne eingesetzt worden, um Schmähgesänge der BVB-Fans gegen 1899-Mäzen Dietmar Hopp zu übertönen.

Schriller Ton

 Es war ein schriller, hoher Ton, der am Samstag immer wieder im Dortmunder Fanblock zu hören war. „Das war super unangenehm. Erst dachte ich, dass sei ein Fehler in den Stadion-Beschallung. Aber dann habe ich gemerkt, dass der Ton immer losging, wenn Rufe gegen Dietmar Hopp oder Hoffenheim laut wurden“, sagte Marco Blumberg, Abteilungsleiter der BVB-Fanabteilung, der Heilbronner Stimme.

Seit dem Bundesligaaufstieg der Kraichgauer war es von Seiten der BVB-Fans immer wieder zu Entgleisungen gegenüber dem Hoffenheimer Mäzen gekommen. Dem wollte ein Mitarbeiter des Clubs am Samstag einen Riegel vorschieben.

Geständnis

„Er hat sich dazu bekannt, während des Spiels gegen Borussia Dortmund eine entsprechende Apparatur eigenmächtig zum Einsatz gebracht zu haben“, teilte 1899 am Montagabend schriftlich mit. Dazu hatte er eine Holzapparatur mit zwei Lautsprechern im Tunnel vor dem Gästeblock aufgestellt. „Der Mitarbeiter hat eingeräumt, dass er sich der Tragweite seiner Handlung nicht bewusst war und die Aktion auch einen eher scherzhaften Charakter haben sollte“, hieß es von Clubseite weiter. Gegen den Mitarbeiter seien arbeitsrechtliche und disziplinarische Schritte eingeleitet worden.

Die BVB-Fans fanden die Aktion nämlich überhaupt nicht lustig. In den Fan-Foren wurde seit Samstag intensiv über die möglichen Hintergründe diskutiert. Ein BVB-Anhänger aus Pforzheim hat Anzeige gegen unbekannt wegen Körperverletzung bei der Heidelberger Polizei erstattet, wie Sprecher Harald Kurzer am Montag bestätigte.

Zunächst hatte 1899 Hoffenheim alle Vorwürfe dementiert, sich dann aber distanziert. „Der Club wurde von dem Vorfall völlig überrascht, die Verantwortlichen wussten von nichts. Wir distanzieren uns in aller Schärfe davon und werden sofort die Öffentlichkeit informieren, wenn wir den Vorfall aufgeklärt haben“, hieß es am späten Sonntagabend. Auf Hoffenheimer Seite wurde gemutmaßt, dass sich Einzelpersonen oder eine kleine Gruppe Zugang zu dem abgesperrten Bereich verschafft haben könnten.

Medienlawine

„Entweder hat 1899 Hoffenheim ein echtes Sicherheitsproblem, wenn sich unbekannte Dritte Zugang zu einem abgesperrten Bereich verschaffen können, oder es wird versucht, etwas zu vertuschen“, lautete der Vorwurf auf der Homepage von Borussen-TV. Deren Chef Stephan Schubert hatte die Medienlawine am Sonntagabend losgetreten. „Mir gegenüber hat der Club zunächst dementiert und behauptet, dass ein Fan eine lautstarke Fanfare eingesetzt habe“, sagte Schubert. Erst nachdem eindeutige Bild- und Tondokumente aufgetaucht seien, habe man mit der Untersuchung des Vorfalls begonnen.

Auch Blumberg hatte die Aussagen der Hoffenheimer zunächst skeptisch bewertet: „Zwei Ordner haben permanent daneben gestanden und das Geräusch zweifellos auch gehört. Passiert ist aber nichts. “ Wie auf einem Foto zu sehen ist, trägt eine Person in unmittelbarer Nähe des Geräts sogar einen Gehörschutz. Den Vorwurf der Körperverletzung will Blumberg aber nicht erheben: „Gesundheitsgefährdend war das Geräusch nicht.“

Allerdings sind inzwischen Fotos vom 16. April 2011 aufgetaucht, auf denen ebenfalls die Apparatur im Tunnel zu sehen ist. An diesem Tag spielte 1899 Hoffenheim gegen Frankfurt. Es bleibt zu klären, ob sie bereits an diesem oder weiteren Tagen zum Einsatz gekommen ist.

Fanforscher Pilz: Akustik-Attacke „einmalig“

Fanforscher Gunter A. Pilz hat die Akustik-Attacke scharf verurteilt, geht aber nicht von Nachahmern aus. „Das ist mit Sicherheit einmalig und wird einmalig bleiben. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass das vom DFB, der DFL oder den Clubs toleriert wird“, sagte der Honorarprofessor vom Institut für Sportwissenschaft der Leibniz-Universität in Hannover der Nachrichtenagentur dpa.

Hintergrund: Keine Auswärtsspiele für Hopp

Zu Auswärtsspielen von 1899 Hoffenheim fährt Dietmar Hopp schon lange nicht mehr. Der Mäzen und Milliardär will sich nicht pausenlos beschimpfen lassen. Doch auch in der von ihm finanzierten Rhein-Neckar-Arena ist der Hausherr davor nicht sicher. >>Weiterlesen

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