Mit Herberger-Taktik zum Klassenerhalt
An diesem Samstag (15 Uhr) beginnt das Abenteuer erste Bundesliga für die Neckarsulmer Sport-Union.

Der Ton im Training kann schon mal rau werden. "So könnt ihr vielleicht im Freibad vom Dreier springen, aber einen Gegner kriegt ihr so nicht auf den Boden", klärt Mark Kuhlmann seine Spieler lautstark darüber auf, wie ein richtiger Tackle auszusehen hat.
Mehr als einmal wird der Ton bei der Trainingseinheit in der vergangenen Woche rauer. "Mir gefällt es, wenn der Coach brüllt. Er ist ein cooler Typ", sagt Gonzalo Carrizo.
Der mit reichlich Langmut ausgestattete 19-jährige Argentinier soll einer der Garanten für den Klassenerhalt des Aufsteigers werden. An diesem Samstag (15 Uhr) beginnt das Abenteuer erste Bundesliga für die Neckarsulmer Sport-Union. Erster Gegner auf dem Sportplatz am Rossmarkt ist der SC Frankfurt 1880, der am vergangenen Wochenende bereits ein Vorbereitungsturnier im niederländischen Den Haag gewonnen hat.
Probleme in der Vorbereitung

Spiele haben die Neckarsulmer in der Vorbereitung keine absolviert. Selbst Trainingseinheiten mit dem kompletten Kader gab es praktisch nicht. Ein Grund dafür sind die späten Sommerferien in Baden Württemberg. Ein anderer, dass einige Neuzugänge erst in dieser Woche zum Team gestoßen sind. Der Nordire Lee Bicker zum Beispiel. Der 19-Jährige soll auf der vielseitigen Nummer-Acht-Position spielen und zusammen mit Daniel Tully als Co-Trainer fungieren. "Dadurch habe ich die Möglichkeit, im Training mehr zu beobachten", sagt Kuhlmann.
Ebenfalls erst kurzfristig zum Team gestoßen ist der Deutsch-Südafrikaner Mark Hans Fairhurst. "Die Verpflichtung ist in Kooperation mit der Wild-Rugby-Akademie in Heidelberg möglich geworden", erklärt Kuhlmann. Das erst 19-jährige Talent wird die erste Sturmreihe vervollständigen.
Konkurrenten im Abstiegskampf
"Natürlich wird es am Anfang Abstimmungsschwierigkeiten geben", räumt Kuhlmann ein. Dabei sind für den 48-Jährigen gerade die ersten Partien ausschlaggebend für den weiteren Saisonverlauf, denn sowohl Frankfurt als auch Heusenstamm und Neuenheim dürften direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt sein.

Schon länger im Training dabei sind Slava Vozyk und Maximilian Kopp. Beide sind aus Hannover gewechselt und wohnen gemeinsam in einer WG in Heilbronn. Der 27-jährige Vozyk hat zuletzt bei Kuhlmanns Heimatverein DRC Hannover gespielt. "Mark ist eine Legende im Verein. Beim Siebener-Turnier in Obereisesheim haben wir über einen Wechsel gesprochen. Neben der sportlichen Perspektive sind auch die Jobaussichten hier besser", sagt der studierte Transport- und Logistikmanager.
Kopp kommt zwar vom DRC-Konkurrenzverein Hannover 78, ist aber mit Kuhlmann verwandt. "Mark ist der Cousin meiner Mutter", klärt der 22-Jährige auf. Der Sohn des 30-maligen Nationalspielers Dietmar Kopp ist von kleinauf mit dem Sport groß geworden. "Seit ich denken kann, habe ich einen Rugbyball in der Hand", sagt der Sonderpädagogik- und Sportstudent.
Schon seit Ende der vergangenen Saison ist Ahmad Abu Alfeilat mit dabei. Seit sechs Monaten studiert der Jordanier an der Hochschule Heilbronn. "Ich kann schnell rennen, da hat mich ein Freund zum Rugby mitgenommen. In Deutschland wollte ich unbedingt weiterspielen, so bin ich in Neckarsulm gelandet", sagt der 22-Jährige.
Wunder von Neckarsulm?

"Wir müssen wohl auf die alte Sepp-Herberger-Taktik setzen", sagt Kuhlmann. Will heißen: Gegen die übermächtigen Gegner im Zweifel eine Niederlage hinnehmen, um Reserven für die Duelle auf Augenhöhe zu bewahren. Der frühere Fußball-Bundestrainer Herberger hatte bei der WM 1954 mit einer B-Mannschaft in der Vorrunde eine 3:8-Niederlage gegen Ungarn hingenommen, um über ein Entscheidungsspiel gegen die Türkei in die nächste Runde einzuziehen. Der Auftakt zum "Wunder von Bern" − und zum Wunder von Neckarsulm?
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