Sommer-Universiade Taipeh: Selbstzahler und Vielflieger

Heilbronn/Taipeh  Fünf regionale Sportasse starten mit unterschiedlichen Voraussetzungen bei der Sommer-Universiade in Taipeh.

Von Alexander Bertok, Stephan Sonntag und Stefanie Wahl

Ein regionales Quintett startet bei der 29. Sommer-Universiade, die am Samstag in Taiwans Hauptstadt Taipeh eröffnet wird. "In anderen Ländern hat die Universiade einen viel höheren Stellenwert", sagt Schwimmerin Nadine Laemmler von der Neckarsulmer Sport-Union, "dort steht sie sportlich knapp unterhalb einer WM."

Über Selbstzahler und Vielflieger Die regionalen Asse starten mit unterschiedlichen Voraussetzungen nach Taipeh

Speedskaterin Katharina Rumpus hat nach Sponsoren gesucht.

Foto: privat

 

 

Katharina Rumpus (SSF Heilbronn/Speedskating): Die 24-Jährige aus Flein ist im sechsköpfigen Team Mädchen für alles: Delegationsleiterin, Trainerin und Athletin auf allen längeren Strecken. "Megacool, dass Speedskaten mal im Programm ist. Ich wollte unbedingt dabei sein, das ist eine einmalige Chance und mein Saisonhöhepunkt", sagt die Lehramtsstudentin an der Uni Heidelberg, für die im Oktober das erste Staatsexamen in Mathe und Sport ansteht. Überrascht war Rumpus nur, dass die Rollersportler einen Eigenanteil von 2300 Euro leisten müssen.

"Wir bekommen vom Bundesinnenministerium nur ein begrenztes Budget, mit dem wir rund 100 Sportlern die Teilnahme kostenfrei ermöglichen", sagt Thorsten Hütsch, Sportdirektor des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands. Bevorzugt behandelt werden Sportarten, die fix im Universiade-Programm verankert sind. Der Veranstalter darf zusätzliche Sportarten bestimmen - in Taiwan ist das dort populäre Speedskating dabei. "Ich habe bestimmt 40 Organisationen um Unterstützung gebeten", sagt Katharina Rumpus. Mit Erfolg. Die Stiftung Olympia-Nachwuchs Baden-Württemberg übernimmt die Kosten. So muss die weltbeste Marathon-Inlinerin nicht auch noch bezahlen, dass sie ihr Land repräsentiert. Sie sagt: "Ab jetzt geht es um Ruhm und Ehre."

 

Nadine Laemmler (Neckarsulmer Sport-Union/Schwimmen): Die Neu-Neckarsulmerin hat beim Weltcup in Berlin vor zwei Wochen mit Bestzeiten und einem dritten Platz über 200 Meter Rücken überzeugt. "Ich weiß nicht genau, welche Topathleten starten, aber ich rechne mit starker Konkurrenz", sagt die 23-Jährige. "Selbst wenn die USA nur ihre zweite Garde schickt, sind die immer noch top." Laemmler startet in Taiwan über 50, 100 und 200 Meter Rücken. Der Zeitunterschied von sechs Stunden bereitet ihr keine Probleme. Ihr Körper ist darauf eingestellt, da sie in den vergangenen Jahren studienhalber zwischen Deutschland und Amerika gependelt ist. Ihr Ziel: Bestzeiten. "Ich bin gut drauf und will in jeder Disziplin ins Finale, dort ist alles möglich", sagt Nadine Laemmler.

 

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Fabian Schwingenschlögl und seine Freundin Nadine Laemmler schwimmen für die Neckarsulmer Sport-Union und haben klare Ziele für Taipeh.

Foto: Alexander Bertok

 

Fabian Schwingenschlögl (Neckarsulmer Sport-Union/Schwimmen): "Mit meinen zuletzt geschwommen Zeiten sollte ich vorne dabei sein", sagt der Lebensgefährte von Nadine Laemmler. Der 26-Jährige ist über 50, 100 und 200 Meter Brust gemeldet, eventuell startet er auch in der Lagenstaffel. Schwingenschlögl hofft auf die beiden kürzeren Distanzen. "Da sehe ich gute Chancen. Ob es zu einer Medaille reicht, hängt von der Tagesform und der Konkurrenz ab. Das Potenzial dazu habe ich. Gold wäre das absolute Sahnehäubchen." Die Universiade ist Abschluss und Höhepunkt der Saison. Auf die Eröffnungsfeier verzichtet Schwingenschlögl wie seine Freundin, da sie schon am Tag danach erstmals ins Becken springen.

 

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Hat sich während ihres dreimonatigen Heimaturlaubs fit für Taiwan gemacht: Turn-Ass Antonia Alicke fliegt nach der Universiade weiter nach Chicago.

Foto: Andreas Veigel

 

Antonia Alicke (TG Böckingen und University of Illinois Chicago/Turnen): Drei Monate ist die 18-Jährige zuletzt auf Heimaturlaub gewesen, ehe sie über Taipeh zurück nach Chicago fliegt, wo für die Stipendiatin am 28. August ihr Psychologiestudium weitergeht. "Das Programm steht, und ich kann alle Übungen voll durchturnen. Warten wir ab, was herausspringt. Schließlich zählt auch der olympische Gedanke", sagt die Turnerin aus Talheim. Auf den Umweg über Taiwan freut sich Antonia Alicke ungemein. Noch einmal für Deutschland zu starten, löst Glücksgefühle aus. Und dann noch "mit einem Team, bei dem mir alle sehr am Herzen liegen. Wir kennen uns schon lange und ich bin mir sicher, dass es ein unfassbares Erlebnis wird - egal wie es sportlich läuft", sagt Alicke, "wir sind eine coole Gruppe mit der es einfach nur Spaß machen kann."

 

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Hat das Weitsprung-Finale als Ziel: Anna Bühler aus Hohenlohe.

Foto: Mario Berger

 

Anna Bühler (ULG/TG Forchtenberg/Leichtathletik): Nach ihrer Silbermedaille bei der U 23-Europameisterschaft in Polen hat die Weitspringerin aus Hohenlohe erst einmal eine Woche frei gemacht, ehe sie wieder in das Training bei Tamas Kiss eingestiegen ist. Das Ziel: fit bleiben für Taipeh. Gestern ist die 20-Jährige abgeflogen, die erste Aufgabe in Taiwan wird es sein, sich zu akklimatisieren. Am Mittwoch ist die Qualifikation, tags darauf das Finale. "Vom Teilnehmerfeld und der Stärke der Konkurrentinnen weiß ich gar nichts, ich muss mich überraschen lasen - das hatte ich auch noch nicht", sagt die Sportsoldatin bei der Bundeswehr. Aber ihr Anspruch ist es, im Finale dabei zu sein. Motiviert hat sie auch die WM in London. Täglich hat die Studentin geschaut, "weil ich viele kenne und auch mal bei einer Weltmeisterschaft dabei sein möchte."

 

Weitere Infos unter www.2017.taipei/home