Kienle siegt mit Riesenvorsprung im Kraichgau

Triathlon  Das Ass des Schwaigerner Tri-Teams Heuchelberg gewinnt den Ironman 70.3 im Kraichgau souverän. Teamkollege Markus Rolli landet auf Platz zwei.

Von Andreas Öhlschläger

Spaß sieht anders aus. Sebastian Kienle erhält Informationen von seiner Frau Christine.  

Nein, einen Duden hatte Sebastian Kienle gerade nicht zur Hand. Er war ja erst wenige Minuten zuvor durchs Ziel gekommen beim Ironman 70.3 im Kraichgau. Aber Kienle wusste auch so, was Sache ist. Vom Zweiten war noch nichts zu sehen, da sprach der souveräne Sieger schon mal über seinen sportlichen Arbeitstag.

Triumph mit Riesenvorsprung? Hat wohl Spaß gemacht. "Na ja." Ein Spaß-Ding, so wollte Sebastian Kienle, der Hawaii-Zweite des Vorjahres und Ironman-Weltmeister von 2014, den Erfolg bei seinem Heimrennen nicht bewertet sehen. "Spaß ist im Duden ein bisschen anders definiert", sagte der 32-Jährige, dessen Stammverein das Schwaigerner Tri-Team Heuchelberg ist. Ein Wettkampf über die halbe Ironman-Distanz ist schon auch richtig anstrengend, zumal wenn die Sonne derart intensiv vom Himmel brennt wie am Sonntagmittag. Doch Kienle fühlte sich getragen von den Zuschauern in Bad Schönborn und drumherum. "Dann macht es Spaß, auch wenn es weh tut."

Über 11 Minuten Vorsprung

Riesenvorsprung für Kienle

Hat eine hochklassige Vorbereitungseinheit für die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt absolviert: Sebastian Kienle, der am 9. Juli seinen Titel erfolgreich verteidigen will. Foto: Andreas Öhlschläger

Nach drei Stunden und exakt 56 Minuten war der Favorit mit der Startnummer eins als Erster im Ziel. Weit, sehr weit vor der Konkurrenz. Markus Rolli wurde mit 11:04 Minuten Rückstand Zweiter, nur drei Sekunden später kam Marc Dülsen über die Linie. Das eigentlich vorgesehene Duell zwischen Kienle und Patrick Lange, dem Hawaii-Dritten 2016, gab es nicht. Lange musste wegen einer Fußverletzung absagen.

Dem vollkommen ausgepumpten Kollegen Rolli brachte Sebastian Kienle schnell die nötige Erfrischung. Ein absoluter Weltklassemann als Wasserträger, warum auch nicht? Die beiden kennen sich gut, waren im Frühjahr zusammen auf Fuerteventura zur letzten Saisonvorbereitungsphase. Damals, es war am 10. April, schrieb Kienle bei Facebook über den Triathleten vom TV Forst: "Mit Markus Rolli hatte ich einen super Trainingspartner, von dem man in Zukunft sicher noch hören wird."

Markus Rolli schwimmt am schnellsten

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Hoch die Humpen: Kienle zwischen dem Zweiten Markus Rolli (links) und dem Dritten Marc Dülsen.  

Im Kraichgau zum Beispiel. "Das war ein megageiles Rennen", jubilierte Rolli. "Verdammt hart und am Ende auch verdammt knapp. 100 Meter mehr, dann hätte der mich noch gehabt." Marc Dülsen schaffte es nur beinahe. Sebastian Kienle hält in zweierlei Hinsicht viel von Markus Rolli, der klar der beste Schwimmer war, aber auf dem Rad schnell von der Nummer eins eingeholt und distanziert wurde. "Der hat nicht nur Talent, der hat auch Köpfchen."

Während der halbe Ironman-Wettkampf im Kraichgau für Rolli ein Höhepunkt war, hat Sebastian Kienle eine hochklassige Vorbereitungseinheit für die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt absolviert. Dort will er am 9. Juli seinen Titel verteidigen. Um das zu schaffen, muss der Star des Tri-Teams Heuchelberg "noch eine Schippe drauflegen". Ein kleines Trainingslager nahe der Heimat wird es vorher geben. Und dann möglichst den Sieg bei der Ironman-EM. Das würde Sebastian Kienle Spaß machen − aber nicht so, wie Spaß im Duden definiert wird.