Freude und Frust in Fernost

Region  Nach den Olympischen Spielen ist die Universiade das größte Multi-Sportereignis der Welt. Fünf Athleten aus der Region haben immerhin zwei Medaillen aus Taiwan mitgebracht - aber auch viel Frust erlebt.

Von Alexander Bertok und Stephan Sonntag

Rund 13.000 Sportler aus 141 Nationen wetteiferten vom 19. bis 30. August um Medaillen. Das 127-köpfige deutsche Team nahm 24 Mal Edelmetall mit nach Hause (sieben mal Gold, sechs mal Silber, elf mal Bronze). Im Medaillenspiegel bedeutete das den zwölften Rang.

Die Top-Nationen kamen allesamt aus Asien: Japan gewann vor Südkorea und Gastgeber Taiwan. Hauptgrund für dieses ungewöhnliche Ergebnis war natürlich, dass mit Badminton, Bogenschießen, Speedskating und Taekwondo Sportarten ins Programm aufgenommen wurden, in denen die asiatischen Sportler Weltklasse sind. Das Quintett aus der Region holte zwei Mal Edelmetall und einige undankbare vierte Plätze. Hier der Überblick:

 

Freude und Frust in Fernost

Anna Bühler flog auch in Taipeh aufs Siegerpodest. Mit 6,38 Metern holte die Weitspringerin aus Forchtenberg die Bronzemedaille. Nach Silber bei den U?23-Europameisterschaften der zweite internationale Erfolg für die 20-Jährige. Foto: dpa

 

Anna Bühler (ULG/TG Forchtenberg/Leichtathletik): Nach der Silbermedaille bei der U?23-Europameisterschaft gelang der 20-Jährigen auch bei den Weltspielen der Studierenden der Sprung aufs Podest. In ihrem sechsten und letzten Versuch flog die Lehramts-Studentin der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg auf 6,38 Meter. Nach einem ungültigen ersten Sprung hatte sich das in Taipeh von Günter Eisinger betreute Top-Talent von 6,20 Meter an kontinuierlich gesteigert. Zur rumänischen Siegerin Alina Rotaru fehlten 17 Zentimeter. Silber ging an Nektaria Panayi aus Zypern mit 6,42 Metern.

 

Freude und Frust in Fernost

Fabian Schwingenschlögl freute sich über die Bronzemedaille.

 

Fabian Schwingenschlögl (Neckarsulmer Sport-Union/Schwimmen): Der Neckarsulmer Vereinstrainer Christian Hirschmann fasste das Abschneiden des 26-Jährigen mit "Licht und Schatten" zusammen. "Herausragend war natürlich die Bronzemedaille über 50 Meter Brust", sagt Hirschmann. Im Vorlauf und Halbfinale schwamm der gebürtige Nürnberger jeweils eine Zeit von 27,62 Sekunden. Im Endlauf schlug er nach 27,63 Sekunden an, ebenfalls eine Topzeit. Zum weißrussischen Sieger Ilia Schimanowitsch fehlten 24 Hundertstel. Enttäuschend waren dagegen die Platzierungen 27 und 25 über 100 und 200 Meter Brust. "Um ehrlich zu sein, haben wir uns da etwas mehr erhofft", gibt Hirschmann zu.

 

Freude und Frust in Fernost

Katharina Rumpus musste sich zwei Mal mit Rang vier begnügen. Foto: privat

 

Katharina Rumpus (SSF Heilbronn/Speedskating): Haarscharf hat die 24-jährige Fleinerin das große Medaillenziel verpasst. Über 1000 Meter auf der Bahn und in ihrer Spezialdisziplin Marathon wurde die Lehramtsstudentin an der Universität Heidelberg jeweils Vierte. Platz fünf belegte Rumpus auf der 500-Meter-Strecke. Auch die übrigen deutschen Rollersportler schrammten an den Podestplätzen vorbei. "Im ersten Moment ist man enttäuscht, aber wenn wir uns anschauen, gegen wen wir hier gefahren sind, sind unsere Platzierungen wirklich Hammer-Ergebnisse", sagte Rumpus, die nicht nur Teilnehmerin, sondern auch gleichzeitig Leiterin des Speedskating-Teams war.

"Die Zeit hier war wirklich einmalig und wir freuen uns, dass wir die Chance hatten, dabei sein zu dürfen", überwog bei der Sportlerin des SSF Heilbronn die Freude über die erstmalige und wahrscheinlich einmalige Teilnahme an einer Universiade. Ihr nächstes großes Ziel ist der Sieg beim Berlin-Marathon am 24. September.

 

Antonia Alicke (TG Böckingen Turnen): Zusammen mit Kim Bui, Leah Griesser und Pauline Tratz turnte die 18-Jährige im Team auf den vierten Platz. Russland, Kanada und Japan holten sich die Medaillen. In ein Gerätefinale schaffte es die gebürtige Talheimerin nicht. Ihr bestes Resultat war der 21. Platz am Boden. Nach den Wettkämpfen flog Alicke direkt zurück nach Chicago, um dort ihr Psychologie-Studium fortzusetzen. Wie alle im Team freute sie sich riesig über die Silbermedaille der Stuttgarterin Kim Bui am Stufenbarren.

 

Nadine Laemmler (Neckarsulmer Sport-Union, Schwimmen): Heimtrainer Christian Hirschmann bescheinigt der 23-Jährigen "eine gute Universiade". Zumindest über 200 Meter Rücken. "Mit Platz elf im Halbfinale hat sie da die Erwartungen erfüllt", sagt Hirschmann. Über 100 Meter schied Laemmler als 21. ebenso im Vorlauf aus wie über 50 Meter. In der 100-Meter-Lagenstaffel wurde Laemmler mit dem deutschen Team Siebte. Wie ihr Freund Fabian Schwingenschlögl ist auch Laemmler bereits zurück an der Columbia-Universität im US-Bundesstaat Missouri. Das Duo fliegt von dort direkt zu den Kurzbahn-Europameisterschaften im Dezember nach Kopenhagen.