Bundesliga: Hohe Gehälter bringen nicht immer Erfolg

Fußball  Warum RB Leipzig und der SC Freiburg die Gewinner der bisherigen Bundesliga-Saison sind, erklärt sich, wenn man die sportliche Tabelle in Relation zur Gehaltstabelle setzt.

Von Florian Huber
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Eine ziemlich beliebte Internetseite heißt wahretabelle.de. Dort gibt es die Bundesliga-Tabelle ohne Schiedsrichter-Fehler, sie sind einfach herausgerechnet. Eine andere Form einer "wahren" Tabelle setzt die Bundesliga-Spielergehälter der Saison 2016/17 in Relation zum sportlichen Erfolg. Gewinner der Saison sind demnach die beiden Aufsteiger aus Leipzig und Freiburg, die sportlich jeweils acht Plätze besser dastehen als in der Gehalts-Tabelle.

Das Problem daran: Damit RB Leipzig seine vielen jungen Talente halten kann, muss man die Gehälter anheben. "Unsere interne Gehaltsobergrenze gilt nicht für die nächsten fünf Jahre", hat Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick schon Ende des vergangenen Jahres angekündigt. Sie lag bislang bei drei Millionen Euro.

Die größten Verlierer nach 25 von 34 Spieltagen heißen VfL Wolfsburg und Hamburger SV. "Wir sind im Lizenzspieler-Etat Siebter und tabellarisch 16., das ist Fakt. Das müssen wir in die Waage bringen", sagt Heribert Bruchhagen, Vorstandschef des Hamburger SV: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Wir steigern die Einnahmen oder wir sparen und schauen auf die Gehaltsstruktur", legt sich der ehemalige Frankfurt-Boss fest.

Welche Plätze stimmen überein?

Überraschenderweise sind nur die Plätze eins, 17 und 18 der beiden Tabellen deckungsgleich. Ein Profi des SV Darmstadt erhält für seine Dienste im Jahr im Schnitt 360.000 Euro. Bei den Bayern ist es das Vierzehnfache. Von Chancengleichheit kann man da nicht sprechen. Während Thomas Müller nach Schätzungen rund 15 Millionen Euro im Jahr von den Bayern überwiesen bekommt, dürften es bei Ersatztorwart Tom Starke oder Talent Niklas Dorsch nur Bruchteile dieser Summe sein. Das erklärt den Durchschnittswert von 5,06 Millionen Euro pro Bayern-Spieler.

Den Spielergehältern nach dürfte sich die TSG Hoffenheim eigentlich nicht für den Europapokal qualifizieren. Weil aber Teams wie Wolfsburg, Schalke, Leverkusen oder Gladbach in dieser Saison schwächeln, winkt den Kraichgauern sogar der Einzug in die Champions League. Der Gehalts-Achte aus dem Kraichgau ist aktuell Vierter. "Dauerhaft da oben zu bleiben, das ist sehr, sehr schwer. Mit unseren Ausgaben wäre das völlig vermessen. Bei unserem Spiel in München haben die Bayern Douglas Costa, Thomas Müller und David Alaba eingewechselt. Das Jahresgehalt der drei dürfte zusammen so hoch sein wie bei uns das Gesamtbudget", hat Hoffenheims Julian Nagelsmann vor ein paar Wochen im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt.

Wie kommt es zu den Gehaltszahlen?

Mal abgesehen von den Bayern stehen die Top sieben der Gehaltstabelle sportlich schlechter da als die Ausgaben für Spielergehälter vermuten lassen. Die Gehaltszahlen stammen von englischen Sportjournalisten (Sportingintelligence). Als Quellen für die in verschiedenen Sport-Ligen erhobenen Zahlen nennen die Macher Spieler-Gewerkschaften, zum Teil die Vereine selbst, Ligen, Behörden und Spielerberater. Nicht berücksichtigt in der Studie sind Prämien oder ähnliche Sonderzahlungen.

Am besten verdienen weltweit übrigens die Basketballer der Cleveland Cavaliers (7,95 Millionen Euro pro Akteur) und die Baseballer der New York Yankees (7,06 Millionen Euro). Wobei der Kader der Yankees mit 25 Spielern größer ist als jener der Basketballer mit 15 Spielern. Deshalb ist auch die NBA die Liga mit der im Schnitt besten Bezahlung. Überraschenderweise liegt im Ligenvergleich die indische Cricket-Liga vor allen Fußball-Ligen. Die 128 Spieler der Cricket-Liga kommen auf ein Jahresgehalt von durchschnittlich 3,56 Millionen Euro. Die Fußball-Liga mit den höchsten Gehältern ist die englische Premier League. Hier verdient ein Profi in dieser Saison im Schnitt 2,77 Millionen Euro im Jahr.

Vergleich Deutschland/England macht nachdenklich

Beim Blick auf den internationalen Geld-Vergleich fällt auf: In der englischen Premier League gibt es keine so große Schere zwischen Arm und Reich. Hier verdient ein Spieler von Manchester United nur das Sechsfache des Geld-Kellerkindes FC Burnley. Die Spieler der Top-Teams wie Manchester United und City, Chelsea oder Arsenal verdienen im Schnitt auf ähnlichem Niveau. Dem sportlichen Wettbewerb scheint das nicht abträglich zu sein: In den vergangenen vier Spielzeiten gab es in England vier verschiedene Meister. In Deutschland hingegen nur einen: die Bayern.

Als sicher gilt: Vom neuen TV-Vertrag werden auch die Spieler profitieren. Mehr als eine Milliarde Euro pro Saison bekommen die 18 Bundesliga-Clubs ab der nächsten Saison überwiesen.

 

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