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Vom Stubenhocker zum Eisenmann

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Triathlon - Gerald Clausing aus Richen hat eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Bei den Triathlon-Europameisterschaften in Roth bei Nürnberg hat der Richener die Langdistanz über 226 Kilometer erfolgreich absolviert.

Von Sönke Brenner

Früher bewegte sich Gerald Clausing nur vom Bett zum Büro, vom Büro zur Couch, von der Couch zum Bett. Nun ist er ein ehrgeiziger Triathlet.Foto: privat
Früher bewegte sich Gerald Clausing nur vom Bett zum Büro, vom Büro zur Couch, von der Couch zum Bett. Nun ist er ein ehrgeiziger Triathlet.Foto: privat

Triathlon - "In der Schule war ich im Sportunterricht nie einer der Besten", erzählt Gerald Clausing aus Richen mit einem Schmunzeln im Gesicht. "Ich war zwar nicht unsportlich, aber auch keine Sportskanone." Doch im vergangenen Jahr hat der 54-Jährige etwas geschafft, was nur ganz wenigen gelingt. Bei den Triathlon-Europameisterschaften in Roth bei Nürnberg hat der Richener die Langdistanz über 226 Kilometer erfolgreich absolviert. "Mit zwölf Stunden hatte ich auf meiner ersten Ironman-Distanz sogar eine unerwartet gute Zeit", sagt Clausing.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und anschließend noch ein Marathonlauf über 42 Kilometer. Wie kann man sich so etwas freiwillig antun? "Eigentlich war ich 20 Jahre lang ein typischer Couchpotato mit zunehmender Unlust an jeglicher sportlicher Betätigung", blickt der Richener zurück. Seine Bewegung reichte vom Bett zum Büro, vom Büro zur Couch, von der Couch zum Bett. Das war alles. "Irgendwann musste einmal Schluss sein mit dem immer DickerWerden, doch so einen richtigen Punkt zum Anfangen habe ich nie gefunden, bis ich eines Tages im SWR vom Programm ,Von Null auf 42’ hörte", sagt Clausing.

Viel unterwegs

Fortan zog er sich die Laufschuhe an und machte die Feldwege unsicher. Zwar sehr, sehr langsam, aber er lief und lief und lief − und war sehr viel unterwegs. 2004 nahm er am ersten Adelshofener Volkslauf über 6,7 Kilometer teil und wurde in 44 Minuten Vorletzter. Es folgte einen Monat später der Triathlon der Richener TB-Fußballer zur Saisonvorbereitung. Der Gemminger Parklauf und im Sommerurlaub ein Kurztriathlon auf Föhr waren die nächsten Stationen, wo er sich mit dem Triathlon-Virus infizierte. Und im Oktober wagte sich Clausing an seinen ersten Halbmarathon im Bottwartal, den er in zwei Stunden absolvierte.

Exakt ein Jahr nach dem ersten Trainingstag schaffte Clausing den ersten Marathon in Mainz in 4:52 Stunden "Doch vom Gedanken an eine Teilnahme bei einem Ironman war ich mehr als weit entfernt", sagt der Richener. Dennoch: Es folgten Marathonläufe in Zürich, Karlsruhe und Heilbronn und auch die Distanzen bei den Volkstriathlons wurden immer größer. 2008 verschrieb sich Clausing mehr und mehr dem sportlichen Dreikampf und wurde Mitglied beim Tri-Team Heuchelberg in Schwaigern. Die erste olympische Distanz über 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen bewältigte er beim Kraichgau-Triathlon unter drei Stunden. 2009 dann in Rapperswil in der Schweiz die erste Halbdistanz in 6:41 Stunden. "Auf einer sehr harten Radstrecke mit 600 Höhenmetern und der Laufstrecke mit der berüchtigten ‘stairway to heaven‘ habe ich beim Schwimmen sogar meine Brille verloren", erinnert sich Clausing an diesen Härtetest.

Zielgerichtet

Dennoch verlor er sein Ziel nicht aus den Augen und erfüllte sich im Juni 2010 einen Traum. Beim kleinen Bruder des Ironman in Hawaii schaffte er 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen als 662. von 1269 Finishern (28. von 68 der AK M50). 2011 verbesserte er bei seiner dritten Mitteldistanz in Köln die eigene Bestzeit auf 5:25 Stunden. 2012 stand dann ganz im Zeichen der ersten Langdistanz: 310 Trainingsstunden in acht Monaten inklusive einer Woche Höhen-Trainingslager in der Schweiz. 150 Kilometer Schwimmen, 2000 Kilometer auf dem Rad und 700 Kilometer per pedes bedeuteten 110 000 verbrauchte Kilokalorien. Die Generalprobe beim City-Triathlon in Heilbronn unter vier Stunden verhieß Hoffnungsvolles. Zwei Wochen später ging es über die erste Ironman-Distanz in Roth mit einer unerwartet guten Zeit.

"Beim Zieleinlauf nach zwölf Stunden hatte ich ein richtiges Gänsehaut-Gefühl", sagt Clausing. Und quasi zum Auslaufen lief er den EBM-papst-Marathon in Niedernhall sechs Wochen danach unter vier Stunden und unterbot damit seine Bestzeit aus München um 15 Minuten. Die Ziele für 2013 sind, in Frankfurt ein echter Ironman zu werden und in Köln die Langdistanz unter zwölf Stunden zu finishen. "Der Traum bleibt aber die Rückkehr nach Hawaii, dann zur Ironman-Weltmeisterschaft", sagt der Richener Triathlet.

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