Von Gemmingen aus in die weite Welt

Tennis - Oliver Strecker gehört zu den besten 40 Junioren in Deutschland

Von Florian Huber

„Ich war noch nie so lange weg von der Heimat, meine kleine Schwester hat mir gefehlt.“

Oliver Strecker

Tennis - Das erste Merci geht an Turnierleiter Willi Schulz. „Danke für die Schmerztablette“, ruft Oliver Strecker vom Tennisplatz hinauf zur Turnierleitung nach seinem Erstrundensieg beim Bad Rappenauer Jugendturnier. Eine dicke Schnittwunde ziert den Mittelfinger der rechten Schlaghand des Tennistalents aus Gemmingen. „Ausgerechnet bei meinem Heimturnier muss mir so etwas passieren“, sagt er. Beim Verstellen eines Autositzes am Vortag hatte er sich die Verletzung zugezogen. „Was es nicht alles gibt, gell?“

Trotzdem reicht es für den 18-Jährigen zum souveränen Turniersieg, keinen Satz musste er in seinen vier Spielen abgeben. Ein Triumph, mit dem er irgendwie wieder Zuhause angekommen ist. Fünf Wochen am Stück war der Schüler des Eppinger Hartmanni-Gymnasiums zuvor auf internationalen Turnieren in Irland und Portugal unterwegs. „Ich war noch nie so lange weg von der Heimat, meine kleine Schwester hat mir richtig gefehlt“, sagt Oliver Strecker, der in seiner Altersklasse in Deutschland zu den 40 besten Spielern zählt. „Und auf 399 in der Weltrangliste steht“, wie er anfügt.

Globetrotter

In den Sommerferien durfte der Spieler des TC Schwaigern in die Welt der zukünftigen Tennisprofis eintauchen, die als schlägerschwingende kosmopolitische Globetrotter unterwegs sind. Sponsoren machten den Trip möglich. Erlebt hat er dabei so allerhand. Zum Beispiel Erfolge, mit zwei Halbfinalteilnahmen. „Auf Gras zu spielen, wie in Irland, das liegt mir total.“ Aber auch Misserfolg. „Leider haben meine Ergebnisse nicht gereicht, mich für die US Open der Junioren zu qualifizieren.“ Wertvolle Lebenserfahrungen hat Strecker von seinem Trip als Einzelkämpfer mitgebracht. Selbstständiger sei er geworden, Trainer Robert Brzozowski und Vater Detlef waren schließlich nicht mit von der Partie.

Die Konkurrenz, zu der auch schon Mal Söhne russischer Öl-Milliardäre gehören, kann oft genug mit einer Entourage um den Globus reisen wie bei einem Scheich. Strecker hingegen reiste als Einzelkämpfer von Turnier zu Turnier. Andere Spieler verzweifeln schnell ob des Nomadendaseins. „Ich nicht, ich finde immer schnell Anschluss“, sagt Oliver Strecker. Was fehlt dann noch zum großen Durchbruch, zu den Top 100 in der Welt? „Ganz klar die Konstanz“, sagt Oliver Strecker, der Ende des Jahres dem Jugendbereich entwächst.

Erstmal Abi

Der Anspruch für die nächste Zeit ist deshalb auch erst einmal ein anderer. „Ein gutes Abi – und dann ein Jahr auf die Karte Tennis setzen“, sagt er. Zwei Stunden täglich trainiert Strecker für den großen Traum vom kleinen Tennisglück. Ein Spagat, der angesichts der nahenden Abi-Prüfungen immer schwieriger zu bewerkstelligen ist.

Solange es zu Siegen in der Heimat wie am vergangenen Wochenende reicht, ist das Ziel nicht gänzlich aus den Augen verloren. „Mit 50 will ich als Millionär die Welt bereisen“, sagt er. Dann hoffentlich ohne Schnittverletzungen von Autositzen und Schmerztabletten.