Schwanitz verlässt Neckarsulm

Leichtathletik - Kugelstoßerin Christina Schwanitz verlässt die Neckarsulmer Sport-Union und wechselt zum LV 90 Thum, wo sie künftig von Sven Lang trainiert wird.

Von Stefanie Wahl

Schwanitz verlässt Neckarsulm
Ihr Traum: Christina Schwanitz, hier noch im alten Neckarsulmer-Trikot, möchte bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Doha/Katar starten.Foto: Karl-Heinz Leitz

Leichtathletik - In der Stimme von Rolf Härdtner schwingt Enttäuschung mit. "Wir waren uns am Montagabend im Prinzip einig, aber Christina hat nach unserem Vier-Augen-Gespräch nochmals um Bedenkzeit gebeten", sagt der Erste Vorsitzende der Neckarsulmer Sport-Union.

Seit 2002 war die Kugelstoßerin Christina Schwanitz Mitglied und Aushängeschild des Vereins zugleich, doch seit gestern Mittag ist klar, dass die 23-Jährige die Region und den Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV) verlässt. Um zum LV 90 Thum nach Sachsen zu wechseln. "Ich bin ganz klar an unsere Grenzen gegangen. Wir sind alle überrascht und enttäuscht", sagt Rolf Härdtner, der die WM-Zwölfte von Berlin auch während ihrer zweijährigen Verletzungszeit mit zahlreichen Operationen 2006 und 2007 finanziell und moralisch unterstützt hatte.

"Meine Beweggründe sind rein praktischer Natur", meint Christina Schwanitz, "ich muss leider weg." Seit der Trennung von ihrem langjährigen Trainer Hans-Peter Ogiolda vor zwei Monaten war die Sportsoldatin ohne Betreuung. Nach einem Gespräch in Chemnitz Ende Oktober hat sich die gebürtigeDresdnerin für Sven Lang als künftigen Betreuer entschieden.

"Wir sind auf einer Welle", meint Schwanitz über den sächsischen Landestrainer, zu dessen Gruppe auch der Kugelstoß-Juniorenweltrekordhalter David Storl und Sophie Kleeberg zählen. Mit Christina Schwanitz hat er in Jugendjahren bereits Kontakt gehabt, als sie einmal die Woche mit ihrem damaligen Heimtrainer Jörg Hüsken von Freiberg nach Chemnitz gefahren ist, um sich dort weiter zu entwickeln. Hüsken hatte auch die Verbindung zu Lang hergestellt.

Enttäuschungen

"Mit der Entscheidung werde ich sicher einige enttäuschen, aber ich habe alles fair und offen gemacht", sagt Christina Schwanitz. "Ich habe niemanden belogen. Die Leute sollen fühlen, dass ich sportlich die beste Entscheidung getroffen habe und nicht jemanden verletzen möchte." Ihr Traum ist es, bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Doha/Katar zu starten. Der Höhepunkt der Freiluftsaison sind die Europameisterschaften in Barcelona. Nach überstandener Grippe wird die Dritte der deutschen Meisterschaften bereits am Montag in Chemnitz trainieren. Der Wechsel zum Sächsischen Leichtathletik-Verband ist bereits am Laufen, gleiches gilt für die Umzugsplanungen. Vorerst zieht Christina Schwanitz ins Internat des Olympiastützpunktes Chemnitz, ehe sie auf Wohnungssuche geht.

Charaktersache

Über die finanzielle Seite des Wechsels mag die von der Sporthilfe Unterland e.V. Heilbronn-Hohenlohe geförderte Athletin nicht sprechen. "Die Angebote der Vereine waren ungefähr gleich", meint Christina Schwanitz, "das ist kein ausschlaggebender Punkt. Wer nur ans Geld denkt, hat keinen Charakter." Indizien sprechen jedoch dafür, dass finanzielle Rahmenbedingungen durchaus eine Rolle gespielt haben können. "Ich vermute, dass da mehr Dinge gelaufen sind als ich weiß", sagt Rolf Härdtner.

Die Kugelstoßerin betont, emotional sei sie hin und her gerissen, schließlich bleibt ihre Familie in der Region, zudem hat sie sich hier einen Freundeskreis aufgebaut. "Aber an irgendwas muss ich mich ja festkrallen", sagt Schwanitz. Derzeit ist es der Sport, der Priorität hat.

LV 90 Thum

Die Bergstadt in Sachsen mit dem Leichtathletik-Verein 90 Thum gilt als Talent-Stützpunkt im Erzgebirge und ist in Leichtathletik-Kreisen national durch ihren Werfertag bekannt geworden. Den Kugelstoß-Wettbewerb des Meetings haben Ende August Vizeweltmeister Ralf Bartels und die Weltmeisterin Valerie Vili gewonnen. Zu den sportiven Aushängeschildern gehört auch die Kugelstoßerin Sophie Kleeberg, Dritte der Junioren-EM 2009.