Heinz-Harald Frentzen ist zurück

Motorsport - Als wäre es die Geburt eines Babys: Heinz-Harald Frentzen schaut neugierig-zufrieden, zückt sein Handy und macht ein Foto. Das neue Baby des dreifachen Familienvaters kann ordentlich Brüllen - es hat mehr als 500 PS.

Von Lars Müller-Appenzeller

Heinz-Harald Frentzen ist zurück

"Das Ziel ist, mit viel Ernst viel Spaß zu haben."

Heinz-Harald Frentzen

Motorsport - Als wäre es die Geburt eines Babys: Heinz-Harald Frentzen schaut neugierig-zufrieden, zückt sein Handy und macht ein Foto. Das neue Baby des dreifachen Familienvaters kann ordentlich Brüllen − es hat mehr als 500 PS. Der neue Papa schüttelt den Kopf. Nein, bei dem Schnappschuss in der Werkstatt von Callaway in Leingarten sei es nicht um Emotionen gegangen, hat der 43-Jährige neben der rassigen Corvette am Dienstag gesagt. Heinz-Harald Frentzen kann beim emotionalen Thema Motorsport unheimlich rational sein: "Ich habe ein Foto vom Cockpit gemacht, damit ich mir zu Hause alles einprägen kann." Seit gestern ist es offiziell: "HHF" gibt im Motorsport sein Comeback. Der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 fährt mit Sven Hannawald im ADAC GT Masters.

Handgreiflich

Es ist ein Autoteil auf einem Regal, das Heinz-Harald Frentzen verrät. "Ist das ein Differenzial?", fragt er Teamchef Ernst Wöhr. Frentzen hat früher gerne selber an Motoren herum geschraubt. In einer Werkstatt fühlt er sich zu Hause: "Diese Gerüche: Benzin, Öl, Gummi − das erinnert mich an früher, ein meine Jugend." Der Mann aus Mönchengladbach ist stark motorsportabhängig. Seit einigen Monaten lebt er auf Entzug. "Ich vermisse es, bei mir zu Hause in Monaco eine Garage zu haben und handgreiflich werden zu können." Jetzt ist Frentzen zurück. "Nein", sagt er mit seinem trockenen Humor, "ich bin nicht hier, weil ich pleite bin."

Axel Watter weiß noch genau, wann er das erste Mal an eine Verpflichtung von Heinz-Harald Frentzen gedacht hat. "Es war am 3. Oktober", sagt der Manager von Sven Hannawald. Am 3. Oktober war klar geworden, dass Thomas Jäger, Hannawalds Lehrmeister, einen Job bei Mercedes annimmt und 2011 nicht mehr das Cockpit mit dem Quereinsteiger aus dem Skisport wird teilen können. Frentzen musste nicht lange von Watter überzeugt werden, der sagt: "Dieses Jahr sind wir ganz vorne dabei: medial und hoffentlich sportlich." Auf jeden Fall finanziell. Drei Sponsoren tragen das Engagement des Promi-Doppels.

Heinz-Harald Frentzen fühlt sich geehrt. Es sei Anerkennung und Herausforderung, Sven Hannawald in der Corvette noch schneller zu machen. HHF wird dabei seine Schatztruhe öffnen: "Es ist neu für mich, Tipps zu geben. Denn normal behältst du dein Wissen für dich." Geheimniskrämerei Motorsport − dein Teamkollege ist der erste Gegner.

Leitung im Po

Teamchef Ernst Wöhr ist ganz aus dem Häuschen: "Wir erhoffen uns viel vom Heinz. Weil er technisch so gut ist. Und weil er eine Leitung im Po hat, er spürt alles, was das Auto macht." Der erste Härtetest für Frentzens Allerwertesten steht am 23. März in Hockenheim an − Testfahrten.

Hannawald und Frentzen kennen sich. Sie hatten denselben Manager, Werner Heinz. Auf dessen Party zum 60. Geburtstag im September auf Ibiza kamen sie ins Gespräch. "Wir haben über Motorsport und Fahrstile gesprochen." Jetzt sind sie Teamkollegen, mit einem gemeinsamen Baby. Das gemeinsame Ziel ist, so Heinz-Harald Frentzen, "mit viel Ernst viel Spaß zu haben".


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