Die Ladykracher

Volleyball - Eigentlich müsste der SV Sinsheim nicht SVS, sondern JVS heißen − Jule-Verein Sinsheim. Wenn Hallensprecher Frank Schuhmacher zum Saisonauftakt morgen Abend, 19.30 Uhr, gegen den Dresdner SC die Mannschaftsaufstellung verkündet, wird er auffallend oft die Vornamen "Jule" und "Julia" in den Mund nehmen.

Von Eric Schmidt

Die Ladykracher

"Es ist ein Programm für Profis. Doch wir sind mit zwei Ausnahmen nur Amateure."

Rudi Sonnenbichler

Volleyball - Eigentlich müsste der SV Sinsheim nicht SVS, sondern JVS heißen − Jule-Verein Sinsheim. Wenn Hallensprecher Frank Schuhmacher zum Saisonauftakt morgen Abend, 19.30 Uhr, gegen den Dresdner SC die Mannschaftsaufstellung verkündet, wird er auffallend oft die Vornamen "Jule" und "Julia" in den Mund nehmen. Neben Libera Jule Schneider und Spielführerin Julia Prus gibt es nun auch eine Jule Paul und eine Julia Osterloh beim Volleyball-Bundesligisten aus dem Kraichgau − was die Verständigung untereinander schwierig macht. "Deshalb haben wir uns Spitznamen überlegt", sagt Julia Prus. "Julia Osterloh beispielsweise ist Julo und Jule Paul Jupa."

Um Missverständnissen zu begegnen: Es ist nicht so, dass man Jule heißen muss, um beim SV Sinsheim aufschlagen zu dürfen. Die letzten beiden Neuzugänge, die der SVS verpflichtet hat, sind Tonya und Marisa − Tonya Mokelki und Marisa Field. Mit den beiden kanadischen Nationalspielerinnen, die erst vor zwei Wochen zum Kader stießen, sind die Damen zu richtigen Ladykrachern geworden. Wuchtige Schmetterbälle und eine knallharte Blockbildung am Netz verleihen dem Team jene Power, um bestehen zu können in der 1. Bundesliga − wie vor wenigen Tagen ein 3:2-Testspiel-Sieg gegen Aufsteiger Erfurt zeigte.

Faktor Zeit "Es sind die Verstärkungen, die wir gebraucht haben", sagt Trainer Rudi Sonnenbichler, will seine Neuen aber nicht allzu sehr unter Druck setzen: "Sie haben anstrengende Wochen und Monate hinter sich − nicht nur wegen der WM in Japan. Sie brauchen sicherlich noch ein bisschen Zeit."

Nach einer schwierigen Vorbereitung mit allerlei Tücken und Verletzungen hat der Trainerfuchs seine Mannschaft nun komplett. Gegenüber dem Vorjahr hat sich einiges getan. Alina Bondar hat den Verein verlassen, ebenso Franziska Bremer, die nun für Liga-Konkurrent Allianz Volley Stuttgart blockt und schmettert. Neu hinzu gekommen sind Jana Schumann vom VC Wiesbaden und Julia Osterloh vom TV Wetter. Katharina Stauß (Allianz Volley Stuttgart) und Jule Paul (Schweriner SC) ersetzen Brigitte Slack und Monica Moraru auf der sensiblen Zuspiel-Position. Sonnenbichler ist sich sicher: "Wir sind stärker geworden − vor allem im Zuspiel." Sowohl Katharina Stauß als auch Jule Paul haben ein feines Händchen und ein gutes Auge − und legen die Bälle schlagfertig auf.

Klassenkampf Eine Leistungssteigerung ist wichtig. Wer um Asyl kämpft im deutschen Oberhaus, braucht einen guten Kader. Drei Absteiger wird es geben, unter Umständen reicht nicht einmal der viertletzte Platz. Für den SV Sinsheim, letzte Saison als Aufsteiger Elfter geworden, gibt es deshalb nur ein Ziel: Klassenerhalt. "Wir wollen nicht absteigen und drin bleiben", sagt Julia Prus. "Es wird nicht nur schwer, es wird sehr schwer", bestätigt Sonnenbichler.

Seine Mannschaft hat alle Hände voll zu tun. Durch den WM-bedingten Spätstart im November geht es Schlag auf Schlag. Eine englische Wochen jagt die andere, insgesamt neun Mittwochabend-Spiele stehen auf dem Spielplan. "Es ist ein Programm für Profis. Doch wir sind bis auf zwei Aufnahmen halt nur Amateure", erklärt Sonnenbichler und verweist auf die Nebenjobs. Mittelblockerinnen Nora Götz wird zur Finanzassistentin ausgebildet, Jule Paul studiert Zahnmedizin.

Dass sie Biss haben, die Kraichgauerinnen, das haben sie in der Vorbereitung bewiesen. Ob Jule, Julo oder Jupa − eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind fleißige Lieschen. Und trainieren wie besessen.