Der bodenständige Himmelsstürmer

Karl-Heinz Loschs Rekord schaffte es sogar ins Guinness-Buch

Von Nicolas Dorn

Rollkunstlauf - Das Abitur steht vor der Tür. Und die Schüler fragen sich: "Woher soll ich die Zeit nehmen, den ganzen Stoff zu lernen?" Die Bald-Absolventen dürften großen Respekt vor Karl-Heinz "Karlo" Losch haben. Als der 1962 sein Abiturszeugnis in den Händen hielt, war er bereits dreifacher RollkunstlaufWeltmeister und hatte eine Japantournee hinter sich − alles parallel zur Schule. "Unter schweren Bedenken des Rektors", wie sich Losch heute erinnert. Dabei erhielt Karlo in jedem Jahr eine Auszeichnung für seine schulischen Leistungen. Von Lehrern und Mitschülern erntete er Anerkennung. "Die fanden das toll. Neid gab es nicht. Die wussten, was ich leisten musste."

Weltmeister Zarte 15 Lenze zählte Losch bei seinem ersten Weltmeistertitel in Bologna. Vier weitere sollten folgen und ihn zum erfolgreichsten Rollkunstläufer aller Zeiten machen. Ganz offiziell, wie ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde beweist. Von dem erfuhr Losch erst durch seine Söhne: "Die haben das Buch mal durchgeblättert und da war ich plötzlich. Sogar mit Bild." Ob er stolz auf den Eintrag war? "Nicht so sehr wie meine Söhne."

Allein nach Übersee Mit 18 erhielt der gebürtige Böckinger seine erste Einladung nach Japan. Ängstlich war er beileibe nicht. "Mutterseelenallein bin ich rüber geflogen. Ohne Eltern, ohne Betreuer." Er trat mit seinem Showprogramm in mehreren japanischen Fernsehshows auf und gab sogar Interviews − auf Englisch. Die Hemmungen legte Losch schnell ab. "Ich habe gemerkt, dass ich besser Englisch konnte als die Japaner."

Nach dem Abitur ging"s auf eine knapp zweimonatige Tour durch Neuseeland. Dort erlebte der heute 68-Jährige die größte Begeisterung für seinen Sport. In sieben Wochen besuchte er 35 Orte. Die neuseeländischen Meisterschaften gewann er nebenbei auch noch. Losch war ein internationaler Star. In den USA nannten sie ihn den "König aller Kunstläufer".

Während seines Architekturstudiums trat Losch in aller Welt auf: Amerika, erneut Japan und Neuseeland, aber auch Mosambik oder Angola.

Was während der Schulzeit noch so wunderbar funktionierte, wurde Losch im Laufe des Studiums zu viel. 1967, ein Jahr nach seinem letzten Weltmeistertitel, wurden die Rollschuhe an den Nagel gehängt. "Der letzte Titel war der schönste", stellt Losch heute fest. Die Wettkämpfe in Essen wurden live vom ZDF übertragen und von Dieter Kürten moderiert. Im Anschluss bekam Losch zu seinem 24. Geburtstag ein ganz spezielles Geschenk. Kürten übergab ihm seine Gold-Show auf 16 Millimetern mit Tonspur. Den Film schaut sich Losch heute noch gerne an.

Politik Dieses Jahr feiert der viermalige Unterländer Sportler des Jahres 40-jähriges Jubiläum als Heilbronner Stadtrat. Doch mit Politik kam Losch schon viel früher in Berührung. Mit 19 Jahren wurde ihm 1961 eine ganze besondere Ehre zuteil. Aus den Händen des damaligen Bundepräsidenten Heinrich Lübke erhielt er das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung, die ein Sportler in Deutschland bekommen kann. Losch hat in seinem Sportlerleben viele Ehrungen miterlebt. Aber diese war etwas Besonderes. "Es war ein sehr festlicher Rahmen. Da ist keiner in Turnschuhen gekommen."

Mit 25 Jahren hatte Karl-Heinz Losch die Welt bereist und alles erreicht, was es in seinem Sport zu erreichen gab. Trotzdem ist er nie abgehoben. Auf das Abitur folgte erst mal eine Schreinerlehre im elterlichen Betrieb. Und trotz Anfragen von Holiday on Ice war eine Karriere im Showgeschäft nie ein Thema für den Heilbronner. Er ist seiner Region treu geblieben.

Der bodenständige Himmelsstürmer
In den 60er und 70er Jahren wurde Losch auch der "Springer-König" genannt. Seine Technik war einmalig.Foto: Archiv HSt/Gaebele
Der bodenständige Himmelsstürmer
Der 15-jährige Karlo Losch wird 1962 nach seinem ersten Weltmeistertitel begeistert in der Heimat empfangen. Links Paar-Weltmeisterin Margot Ludolph.Foto: Archiv