Raul Spank schreibt Meeting-Geschichte
Erster erfolgreicher deutscher Titelverteidiger seit 20 Jahren, und das ohne Pizza

Leichtathletik - Eigentlich hätte Raul Spank gar nicht gewinnen können. Wie fast alle Sportler hat auch der 22-jährige Dresdner Rituale, die für die Wettkampfvorbereitung unerlässlich sind. Und das Entscheidende fehlte: "Im Hotel Rose war am Freitagabend keine Pizza zu bekommen. Die ist eigentlich unverzichtbar. Aber es hat ja zum Glück trotzdem geklappt." Und wie.
Bei 2,15 Metern startete Spank in den Wettkampf und wackelte sich über die Latte. "Als ich den Sprung auf Video gesehen habe, dachte ich, das wird heut" nix." Die fehlende Pizza kam ihm wieder in den Sinn.
Aberglaube
Doch dann besiegte er allen Aberglauben und meisterte im Gegensatz zur Konkurrenz 2,20, 2,24 und 2,27 Meter im ersten Versuch. So hoch war er in dieser Saison noch nicht gesprungen. "Das war die Höhe, mit der ich vorher geliebäugelt hatte", meinte Spanks Trainer Jörg Elbe. Dann lag die Latte auf den magischen 2,30 Metern. Bis zu diesem Zeitpunkt war noch keiner drüber. Weder der Europameister Alexandr Shustov, noch der Weltjahresbeste Ivan Ukhov oder Publikumsliebling Jesse Williams. Unter dem rhythmischen Klatschen der 1300 Zuschauer in der Arena lief Spank an, traf den Absprung perfekt und meisterte die Höhe beinahe spielend. "Sauber, sauber, sauber! Du bist der Held vom Erdbeerfeld", schrie Elbe seinem Schützling zu.
Allein der Russe Aleksey Dmitrik konnte Spank in diese Höhen folgen, hatte aber viele Fehlversuche auf dem Konto. Topfavorit Ukhov ließ für seine übrig gebliebenen zwei Versuche 2,33 Meter auflegen − scheiterte jedoch deutlich. "Ich bin nicht traurig, es hat heute Spaß gemacht", meinte der überragende Athlet dieser Saison. Shustov und Williams mussten sich ebenfalls mit 2,27 Metern zufrieden geben. "Es ist frustrierend, ich bin in dieser Saison auf diese Höhe gebucht. Dabei habe ich das Gefühl, viel höher springen zu können", sagte Williams, der auch 2009 mit dieser Höhe in Eberstadt Dritter geworden war. Alles wiederholt sich eben.

Zur Weltjahresbestleistung reichte es nicht ganz, aber 2,30 Meter ist in dieser Saison noch kein Deutscher gesprungen. Kein Wunder, dass Spank den Deutschen Leichtathletik-Verband dafür kritisierte, ihn nicht für die Europameisterschaften in Barcelona nominiert zu haben. "Das hat mich sehr beleidigt und war heute eine kleine Zusatzmotivation. Mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl beim Verband hätten wir eine Medaille mehr gewonnen." Dort hätten 2,30 Meter nämlich für Bronze gereicht.
Lieblingsschüler
In Eberstadt reichten sie zum Sieg, dem zweiten in Folge. Der letzte Deutsche, dem das gelang, war Carlo Thränhardt vor mehr als 20 Jahren. "Damit ist Raul in die Eberstadt-Historie eingegangen", freute sich Trainer Elbe. Sein Lieblingsschüler dachte da schon weiter: "2011 will ich den Titel-Hattrick." Das hat noch keiner geschafft, nicht mal Hochsprung-Legende Javier Sotomayor, der fünf Mal unter dem Eberfürst triumphierte. "Dann gibt"s vorher auch eine Pizza. Das ist doch das kleinste Problem", versprach Meeting-Direktor Peter Schramm.
Stimme.de
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