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Nur der Hund im Publikum langweilt sich

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Oberligist SG Sportschule Waldenburg überzeugt beim 3:0-Sieg gegen Eningen

Von Andreas Eberle
„So, wie wir heute gespielt haben, steigen wir nicht ab.“
          Wadim Darscht
„So, wie wir heute gespielt haben, steigen wir nicht ab.“ Wadim Darscht  Foto: Kurt Gesper

Volleyball - Lucky war gar nicht glücklich. Der Golden Retriever von Schiedsrichter Klaus Lander döste während des Oberliga-Spiels zwischen der SG Sportschule Waldenburg und dem TSV Eningen gelangweilt und mit geschlossenen Augen auf dem Hallenboden neben dem Zähltisch. Selbst das Dauertrommeln und die „Wabu, Wabu“-Rufe der SG-Fans ließen den Hund kalt. Wahrscheinlich fand Lucky das Duell zwischen den beiden Abstiegskandidaten einfach zu einseitig: In nur 66 Minuten fertigten Waldenburgs Volleyballer die Gäste mit 3:0 (25:19, 25:18, 25:21) ab und tauschten durch diesen Sieg den achten Tabellenrang, den Relegationsplatz, mit dem Gegner. „Lucky liegt immer so da. Ob ein Spiel über drei oder fünf Sätze geht, ist ihm egal“, sagte Lander über das Desinteresse seines Lieblings am Spiel.

Trotzreaktion Angetan waren dagegen die anderen 250 Zuschauer in der Horst-Maurer-Halle. Denn die Waldenburger zeigten die von Trainer Thomas Schultes geforderte Trotzreaktion nach dem enttäuschenden 1:3 bei der TG Nürtingen. Vom ersten Ball an trat die SG Sportschule in dem „Schicksalsspiel“ (Schultes) konzentriert und motiviert auf, erlaubte sich kaum Fehler und war jederzeit Herr in der eigenen Halle. Selbst aus den unmöglichsten Situationen erkämpfte sich der Aufsteiger noch Punkte.

Seltenes Trainer-Lob Vor allem aber hatten die Waldenburger einen Wadim Darscht in ihren Reihen. Ihm gelang in den drei Durchgängen fast alles. Der 22-jährige Außenangreifer überzeugte sowohl im Angriff als auch in der Annahme, was Schultes nach dem Spiel zu einer seltenen Maßnahme veranlasste. Der SG-Trainer, der mit Einzellob sonst eher geizt, machte ein Kompliment: „Wadim war der Spieler des Tages. Er ist heute aus der Mannschaft herausgestochen.“ Darscht selbst war das Lob fast schon ein bisschen unangenehm. „So eine Leistung müsste zur Gewohnheit werden. Erst dann wäre ich richtig zufrieden“, erklärte er.

Nach einem nervösen Beginn übernahm die SG Mitte des ersten Satzes das Kommando und entschied den Abschnitt nach einem 19:19-Zwischenstand durch einen Sixpack am Stück mit 21:19 für sich. Noch klarer war Durchgang zwei, den die Wabus mit 21:18 holten.

„Ab der Mitte des zweiten Satzes wusste ich, dass wir gewinnen. Danach war es ein entspannendes Gefühl, draußen zu stehen“, sagte Schultes, der die Dominanz seiner Mannschaft dazu nutzte, allen elf Akteuren Spielpraxis zu geben.

Das Lied vom Tod Nur weil die Wabus im dritten Satz etwas experimentierten, beendeten sie den letzten Satz mit nur vier Punkten Vorsprung. Die Eninger fügten sich derweil in ihr Schicksal und leisteten beim 21:25 kaum noch Widerstand – was den Hallen-DJ in der Schlussphase des einseitigen Duells zu einem Gag inspirierte: Er stimmte zwei Mal das Mundharmonika-Stück aus dem Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ an.

Für die Waldenburger dagegen war der zweite 3:0-Sieg in dieser Saison eine Art Wiederauferstehung nach dem schwachen Auftritt in Nürtingen. „So, wie wir heute gespielt haben, steigen wir nicht ab“, sagte Wadim Darscht nach dem Galaauftritt der Hohenloher.

Und selbst Lucky hatte am Ende noch seinen Spaß: Als die siegreichen SG-Volleyballer nach der Begegnung La Ola durch die Horst-Maurer-Halle schwappen ließen und die Cheerleader zur fetzigen Diskomusik eine letzte Einlage hinlegten, kam der Hund des Schiedsrichters aus dem Schwanzwedeln nicht mehr heraus.

SG Sportschule Waldenburg: Beisswenger, Damir Darscht, Wadim Darscht, Hein, Müller, Palmer, Peéry, Scholl, Schwiertz, Ulmer, Wolf.

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