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Nicht Feiertage, sondern -nächte sind vorbei

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Tennis - Peter Lundgren und Ivan Ivanisevic standen auf der Bühne, die Profis von heute eher am Rand

Von unserem Redakteur Lars Müller-Appenzeller

Da sie erst heute Abend dran sind, gönnten sie sich gestern Abend ein Bierchen (von links): Raven Klaasen, Johan Brunstrom und Bastian Knittel.Foto: Andreas Veigel
Da sie erst heute Abend dran sind, gönnten sie sich gestern Abend ein Bierchen (von links): Raven Klaasen, Johan Brunstrom und Bastian Knittel.Foto: Andreas Veigel

Tennis - Bastian Knittel war gestern Abend schon beim ersten Lied da. Matthias Bachinger, James Carretani aus den USA. Und ein paar andere Profis. Sie mischten beim Players Evening mit. Aber nicht mit Mischgetränken. Und nicht mitten auf der Tanzfläche. Sondern mehr am Rand.

Mit Gitarre

Die Tennis-Generationen zuvor drängte es auf die Bühne: Peter Lundgren brachte einst seine Gitarre mit, Goran Ivanisevic wollte unbedingt singen − früher waren die Spieler beim Players Evening mit Herz und Seele und bis zu den frühen Morgenstunden dabei. Das ist mittlerweile anders. War früher alles besser? "Die Spieler können es sich heute nicht mehr leisten so zu feiern", nickt Heilbronn-Open-Mitbegründer Peter Litterer. "Im Laufe der 30 Jahre ist die Luft so dünn geworden, von Platz 200 bis 30 in der Weltrangliste ist alles so eng, da musst du so professionell sein und bei der Party kürzer treten."

Sander Groen, der einst aus den Niederlanden zum Tennis spielen an den Rauhen Stich kam, hängen geblieben ist und nun in Flein lebt, sieht es ein bisschen anders. "Bei den großen Turnieren wird schon noch richtig gefeiert", sagt der 44-Jährige, der sich bei Feiern auskennt: Er war bei der jüngsten Hochzeit von Boris Becker in St. Moritz mit dabei. "Eine Band ist halt nicht jedermanns Sache." Gestern Abend spielten Gonzo ’n’ Friends mit gesanglicher Unterstützung von Lisa Schmierer aus Talheim − weil die Band vor einem Jahr beim Players Evening beim Publikum so gut angekommen war.

Benjamin Becker sieht das Thema ganz professionell − ganz Profi eben. "Ich weiß, wie es früher war", sagt der 31-Jährige. "Aber das Tennis hat sich verändert. Früher war das Spiel schneller, da konntest du dich mit deinem Aufschlag einigermaßen halten." Aber heute, im Zeitalter Tennis 2.0, kann am nächsten Tag im Match schon das entscheidende Quäntchen fehlen, "wenn du bis um 2 Uhr auf einer Party warst − ohne Alkohol getrunken zu haben, wohlgemerkt". Partys gebe es nicht bei jedem Turnier. Die Spieler sind frei, werden nicht gezwungen, bei der Veranstaltung zu erscheinen.

Miteinander

Peter Litterer erzählt von Turnieren, die ihre Party in einem abgesperrten Bereich einer Disko feiern. Das Motto der Heilbronn Open aber ist das Miteinander. Litterer: "Wir wollen alle beieinander haben, so wie immer: von den Sponsoren über die Linienrichter, die Spieler bis natürlich zu den Zuschauern." Angesprochen auf den Musiker Goran Ivanisevic sagt er noch: "Das war unglaublich. Goran ist musikalisch doch ziemlich unbeleckt, hatte aber einen Riesenspaß und war kaum von der Bühne zu bekommen." Schön war die Zeit. Für die Profis sind die Feiertage nicht vorbei. Aber die Feiernächte.

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