High Noon in Waldenburg
Schiessen - Die Schützengilde erreicht am letzten Wettkampftag noch den zweiten Tabellenplatz. Auf ihre Mannschaftsleistung sind die Waldenburger Schützen stolz.

Schiessen - Der schräge Klang der Mundharmonika tönt bedrohlich durch die Waldenburger Mehrzweckhalle. Die Westernmelodie zu "Spiel mir das Lied vom Tod" hat der Wettkampfmoderator ausgewählt, um den letzten Schuss im Stechen der Bundesligasaison einzuleiten. Dann gibt der Sprecher den Luftpistolen-Schützen die Anweisung zum Laden. "3 - 2 - 1- Start!" Beide treffen ins Schwarze: "Zehn Ringe." Ein zweiter Schuss muss nun folgen, Trommelwirbel untermalt die Vorbereitungsphase. Michael Heise behält die Nerven und trifft die Neun, sein Gegner Christian Schebesta die Acht. "Sieg!"
Damit ist die Schützengilde Waldenburg Zweiter der Bundesliga Süd. "Wir haben uns an diesem Wochenende vom vierten auf den zweiten Tabellenplatz verbessert", freut sich Teamchef Günter Wüstemeyer. "Das hat den Vorteil, dass wir nicht gleich auf den Ersten der Liga Nord treffen, als Vierter wäre das nämlich der Fall gewesen. Jetzt schießen wir am Anfang gegen Olympia Berlin, die konnten wir im vorigen Jahr schon besiegen."
Alles gegeben
Die Waldenburger Schützen haben beim letzten Wettkampf am vergangenen Wochenende alles gegeben: Sie gewannen jedes Duell und bezwangen die gegnerischen Mannschaften jeweils mit 5:0. Zuerst besiegten sie am Samstag den SV Altheim-Waldhausen mit 1892 Ringen und am Sonntag die Mannschaft aus Weil am Rhein mit 1895 Ringen. Der extra aus St. Petersburg eingeflogene Vladimir Gontcharov und der Karlsruher Abdullah Ustaoglu zeigten sich für Waldenburg wieder in Bestform. Sie entschieden ihre Kämpfe souverän mit Wertungen von bis zu 382 Ringen. Die Zwillingsbrüder Michael und Andreas Heise aus Kempten liefen für die SGI auch zu Höchstleistungen auf: Sie schossen jeweils zwischen 375 und 381 Ringe. Dass er den entscheidenden Schuss beim Stechen im Pistolenlauf haben würde, war Michael Heise gar nicht bewusst: "In dem Moment habe ich nur daran gedacht, meine eigene Siegesserie fortzusetzen. Dass wir damit noch einen Tabellenplatz aufsteigen, kam mir erst hinterher."
Der Augsburger Andreas Reger und der Waldenburger Lokalmatador Wolfgang Renner waren mit jeweils 376 Ringen ebenfalls in ihren Paarungen für die SGI erfolgreich. Renner kann im Moment nicht so trainieren, wie er will. Wegen einer Sehnenverletzung muss er in den nächsten Wochen noch kürzer treten.
Zusammengeschweißt
Auf ihre Mannschaftsleistung sind die Waldenburger Schützen stolz. Wie das geht, so weit auseinander zu wohnen und doch als Team aufzutreten? "Wir trainieren zwar jeder für sich an unseren Wohnorten, aber die Wettkampftage schweißen zusammen", erklärt Wolfgang Renner. "Zur Vorbereitung auf die deutsche Meisterschaft machen wir noch ein gemeinsames Trainingswochenende. Das bringt eine ganze Menge." Die Meisterschaft findet am 5. und 6. Februar im fränkischen Coburg statt. Dann wird sich zeigen, ob die Vorbereitung für den Titel gereicht hat. In den vergangenen fünf Jahren waren die Waldenburger Luftpistolenschützen dreimal deutscher Meister, einmal Vizemeister und einmal Dritter. Welche Platzierung sie sich dieses Mal vorstellen? Teamchef Günter Wüstemeyer bleibt gelassen: "Wir wollen auf jeden Fall in die Medaillenränge. Welches Edelmetall, darüber denken wir nicht nach."
Im Moment freuen sich die Waldenburger über das hervorragende Wettkampfergebnis. Und aus den Boxen in der Mehrzweckhalle ertönt mittlerweile viel entspanntere Musik: "Oh, wie ist das schön."
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