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„Herbert Weiß war ein Maßstab für uns“

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Mit 68 Jahren ist Gottlob Dietz ein alter Hase im Segelflug-Geschäft und der erfahrenste Bundesliga-Pilot der Flugsportgruppe Öhringen. Über den Abstieg des Teams, den Tod von Aushängeschild Herbert Weiß und seine Flüge in Namibia hat Andreas Eberle mit Dietz gesprochen.

„Der Abstieg hätte nicht sein müssen, wenn man sich die Qualität der Piloten anschaut.“
          Gottlob Dietz
„Der Abstieg hätte nicht sein müssen, wenn man sich die Qualität der Piloten anschaut.“ Gottlob Dietz

Mit 68 Jahren ist Gottlob Dietz ein alter Hase im Segelflug-Geschäft und der erfahrenste Bundesliga-Pilot der Flugsportgruppe Öhringen. Über den Abstieg des Teams, den Tod von Aushängeschild Herbert Weiß und seine Flüge in Namibia hat Andreas Eberle mit Dietz gesprochen.

Nur zwei Mal unter den besten 20, vorzeitiger Abstieg, Katerstimmung – warum haben Sie und Ihre Öhringer Fliegerkollegen in dieser Bundesliga-Saison so schlecht abgeschnitten?

Gottlob Dietz: Der Hauptgrund ist, dass uns Herbert Weiß nicht mehr zur Verfügung stand. Er war unser Spitzenpilot und hat auch immer die besten Schnitte geflogen. Unser zweitbester Pilot Michael Scheu war beruflich sehr eingespannt und darum nur bei fünf der bisher 18 Bundesliga-Runden aktiv dabei. Außerdem waren wir durch andere Dinge stark abgelenkt, zum Beispiel den Hallenbau auf dem Flugplatz.

Hat der Tod von Herbert Weiß die Gruppe gelähmt?

Dietz: Ja, schon etwas. Herbert Weiß war ein Maßstab für uns und hat alle anderen Piloten mitgezogen.

Wäre mit ihm der Klassenerhalt geglückt?

Dietz: Ich gehe davon aus, gerade wegen seiner Erfahrung und seines Könnens.

Wie oft denken Sie noch an Ihren verunglückten ehemaligen Kameraden?

Dietz: Sehr häufig. Wir reden erstaunlich wenig darüber, aber gedanklich sind wir schon oft mit ihm beschäftigt. Wir sind ja auch viele Flüge gemeinsam geflogen. Gerade wenn wir Überland- und Bundesliga-Flüge machen, wird man immer an ihn erinnert. Beim Fliegen hat man auch Zeit, darüber nachzudenken.

Sie fliegen seit 1960, haben gut 5000 Flugstunden absolviert und sind seit 42 Jahren Fluglehrer. Gibt es trotz dieser Erfahrung manchmal noch Situationen, in denen Sie Angst haben?

Dietz: Nein. Natürlich ist jede Außenlandung ein Erlebnis, und dabei muss man sich immer konzentrieren. Aber es kommt zu keinen Situationen, in denen es gefährlich wird.

Haben Sie noch nie einen kritischen Flug erlebt?

Dietz: Ich habe schon einmal ein Flugzeug beschädigt, bin aber dabei gottseidank nicht verletzt worden. Ich hatte mich bei einem Überlandflug zu spät zu einer Außenlandung entschlossen, und dann war da auch noch ein Zaun im Landefeld, den ich nicht gesehen hatte. Aber das ist schon mehr als 20 Jahre her.

Im Dezember fliegen Sie wieder in Namibia. Was macht dort den besonderen Kick aus?

Dietz: Das ist eine Verlängerung der Saison, denn in Namibia kann man in einer Jahreszeit fliegen, in der das in Deutschland nicht mehr möglich ist. Außerdem sind dort die thermischen Verhältnisse besser. Die Wolkenuntergrenzen sind bis zu 2000 Meter höher als bei uns. Da kann man viel schneller und viel weiter fliegen. In Deutschland war mein längster Flug 890 Kilometer und in Namibia 1070 Kilometer.

Und der Luftraum ist in Afrika sicher auch nicht so stark eingeschränkt wie hierzulande.

Dietz: Außerhalb von Windhuk gibt es keine Luftraumbeschränkungen. Wir von Öhringen aus sind behindert im Süden von Stuttgart, im Nordwesten von Frankfurt und im Nordosten von Nürnberg. Wir haben nicht die Freiheiten, die wir gerne hätten. Häufig ist es so, dass die guten thermischen Bedingungen in so ein Flugbeschränkungsgebiet hineinreichen, und da müssen wir uns einfach beherrschen, dass wir dort nicht reinfliegen.

Was muss passieren, dass die Öhringer Piloten eines Tages wieder erstklassig sind?

Dietz: Die Piloten, die wir noch haben, müssten sich mehr einsetzen. Der Abstieg hätte nicht sein müssen, wenn man sich die Qualität der Piloten anschaut. So schlecht sind wir nicht, dass wir nicht in der ersten Bundesliga mitfliegen könnten. Ich nehme aber nicht an, dass wir gleich wieder den Sprung zurück in die Bundesliga schaffen. Ich selbst weiß nicht, ob ich nächstes Jahr noch regelmäßig mitmachen will. Das ist ein Zeitproblem. In den drei Sommer-Monaten, in der die Saison läuft, kann man am Wochenende fast nie etwas anderes unternehmen.

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