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Gewonnen und doch verloren

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Der TC Bad Friedrichshall verpasst das Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga nur um zwei Matchpunkte. Vor rund 500 Zuschauern besiegten die Friedrichshaller zwar gestern den Tabellenführer TC SW Neckarau in hochklassigen, packenden Matches, konnten die Gäste aber nicht von Platz eins verdrängen – gewonnen und doch verloren.

Von Lars Müller-Appenzeller
Schlechte Mine zu nicht immer gutem Spiel: Timo Nieminen traf im Doppel mit seinem Landsmann Lauri Kiiski nicht so viel wie von den vielen Zuschauern erhofft.
Schlechte Mine zu nicht immer gutem Spiel: Timo Nieminen traf im Doppel mit seinem Landsmann Lauri Kiiski nicht so viel wie von den vielen Zuschauern erhofft.
Tennis - An der Wand des Turnierbüros des TC Bad Friedrichshall hängt ein kleiner Zettel hoch über dem Kopf von Sportwart Udo Graser. Auf dem Zettel steht ein Satz von Adolph Freiherr von Knigge: „Ohne Begeisterung, welche die Seele mit einer gesunden Wärme erfüllt, wird nie etwas Großes zustande gebracht.“ Mit Begeisterung übt Graser sein Amt aus, hat beispielsweise für das Heimspielwochenende eine Tribüne organisiert: „Wir haben zwei entscheidende Spiele um die Meisterschaft, da muss man den Zuschauern etwas bieten.“ Und was die Mannschaft geboten hat: Vor rund 500 Zuschauern besiegten die Friedrichshaller zwar gestern den Tabellenführer TC SW Neckarau in hochklassigen, packenden Matches, konnten die Gäste aber nicht von Platz eins verdrängen – gewonnen und doch verloren.

Kein Frust

Kurz nachdem das erste Doppel aus Neckarau den entscheidenden dritten Punkt gemacht hatte – Friedrichshall hätte für Platz eins einen 7:2-Sieg benötigt – stellten Ralph Knupfer und Patrick Rittenauer immerhin den Gesamtsieg für Bad Friedrichshall sicher. Trainer Dirk Schwarzer sagte: „Natürlich wären wir gerne Erster geworden. Es kribbelt, wenn man so etwas erreichen kann.“ Das war zu sehen, zu hören und zu spüren. „Aber es bleibt überhaupt kein Frust. Für uns und die Zuschauer bleibt in Erinnerung: Wir haben ein richtig tolles Wochenende mit hochklassigen Spielen und zwei Siegen gesehen.“

Der Gegner am Samstag, der SSV Ulm, war mit buchhalterischer Präzision 8:1 abgearbeitet worden. Timo Nieminen, der am Freitag noch ein Turnier in Tampere gespielt hatte, war erst am Mittag aus Finnland angekommen und konnte so nur im Doppel eingesetzt werden.

Faust auf Faust: Das dritte Doppel mit Ralph Knupfer (links) und Patrick Rittenauer hat gestern Abend den wichtigen fünften Punkt geholt.Fotos: Alexander Bertok
Faust auf Faust: Das dritte Doppel mit Ralph Knupfer (links) und Patrick Rittenauer hat gestern Abend den wichtigen fünften Punkt geholt.Fotos: Alexander Bertok
Win-win-Situation

Am Sonntag war die Ausgangslage aus Bad Friedrichshaller Sicht entspannt, schließlich war das primäre Ziel, der Klassenerhalt, längst erreicht. Neudeutsch ausgedrückt hatten Schwarzers Mannen eine Win-win-Situation: Es gab nichts zu verlieren. „Deshalb hat Timo in der Kabine das Motto ausgegeben: Party anyway.“ Freiherr von Knigge hätte es vielleicht so gesagt: Wer weiß, dass er so oder so Grund zum Feiern hat, kann Großes zustande bringen.

Augen zu und durch: Der kleine Tom Gotzig hat sich für die große Entscheidung den besten Platz ausgesucht. Er junge Mann hat immer den Überblick behalten.
Augen zu und durch: Der kleine Tom Gotzig hat sich für die große Entscheidung den besten Platz ausgesucht. Er junge Mann hat immer den Überblick behalten.
Groß waren die Einzel-Erfolge von Lauri Kiiski, Peter Mayer-Tischer, Christian Groh und vor allem Ralph Knupfer. Timo Nieminen hatte gegen den jungen Portugiesen Rui Machado keine Chance. Mit 4:2 ging es also in die Doppel. Dass die Friedrichshaller alle drei Doppel gewinnen können, hatten sie im ersten Saisonspiel in Wiesloch gezeigt. Dort war alles ins Laufen gekommen. Dass die finnische Paarung gegen Neckarau das erste Doppel verlor, war „sehr unerwartet“ (Schwarzer). „Deshalb bekommen unsere beiden Finnen heute Abend bei der Abschlussparty nur Wasser zu trinken“, kündigte Ralph Knupfer an, der nachschob: „Das war eine richtig starke Saison. Heute gehen wir steil.“ Bei Musik und einem Überraschungsfeuerwerk der Herren-55-Mannschaft wurde bis in die Nacht gefeiert.

Auch wenn sie das Spiel um den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpasst haben, gibt es dennoch einen achten Spieltag: Patrick Rittenauer heiratet am Wochenende. Die begeisternden Feiern des TC Bad Friedrichshall gehen weiter.


TC Bad Friedrichshall – TA SSV Ulm 1846 8:1


Lauri Kiiski - Xavier Audouy 2:6, 7:6, 5:7; Peter Mayer-Tischer - Michael Nüsslein 6:2, 6:0; Christian Groh - Markus Bartosch 6:2, 7:6; Ralph Knupfer - Philippe Stark 6:4, 6:2; Bastian Schütz - Christian Jäckle 6:2, 2:6, 6:0 (Aufgabe Jäckle beim Stand von 2:0); Patrick Rittenauer - Peter Kristen 6:0, 6:0. - Timo Nieminen/Kiiski - Audouy/Bartosch 6:3, 6:2; Mayer-Tischer/Groh - Nüsslein/Stark 6:3, 6:7, 7:6; Knupfer/Rittenauer - Jäckle/Kristen 6:0, 6:0 (Aufgabe Jäckle beim Stand von 2:0 im ersten Satz).

TC Bad Friedrichshall – TC SW Neckarau 5:4

Timo Nieminen - Rui Machado 2:6, 3:6; Lauri Kiiski - Matthias Wellermann 6:1, 6:1; Peter Mayer-Tischer - Philipp Gründler 6:1, 6:1; Christian Groh - Lennart Maack 6:1, 6:2; Ralph Knupfer - Florian Halb 3:6, 7:5, 6:2; Patrick Rittenauer - Daniel Steinbrenner 4:6, 2:6. - Nieminen/Kiiski - Gründler/Maack 5:7, 4:6; Mayer-Tischer/Groh - Machado/George Cosac 6:7, 4:6; Knupfer/Rittenauer - Wellermann/Steibrenner 6:4, 6:4.

 
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