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Er spielt, er spielt nicht

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Florian Mayers Absage sorgt bei den Turniermachern für Verstimmung

Von Florian Huber

Tennis - Es gab schon Entschuldigungsschreiben, die freundlicher formuliert waren. Eine dürre sechszeilige E-Mail landete am späten Freitagabend im Postfach der Heilbronner Turniermacher. Der Absender kam aus München, es war die Vermarktungsagentur von Florian Mayer. Darin heißt es: "Er hat ja noch Doppel in Melbourne gespielt. Ich wollte mich nur der Form halber noch einmal melden und Bescheid geben, dass Florian nicht nach Heilbronn kommen wird", ist da zu lesen. Mehr nicht.

Schlechte Nachricht

Uli Eimüllner und schlechte Laune, das passt eigentlich überhaupt nicht zusammen. Der Turniermacher von 27 Auflagen der Intersport Heilbronn Open powered by Wilson lächelt schlechte Nachrichten gerne weg. Im Büro des Turnierdirektors ist das Glas immer halbvoll, nie halbleer. Am Samstag war das zumindest kurzfristig anders. Denn Florian Mayer hat nicht zum ersten Mal abgesagt. Bereits im Vorjahr war der deutsche Daviscup-Spieler bereits kurzfristig abgesprungen. Zu erschöpft war er damals von der australischen Hitze. Zu anstrengend der kurzfristige Langstreckenflug und die Zeitumstellung. Eimüllner hatte für Mayer seit Wochen trotzdem eine Wildcard reserviert.

Tobias Kamke rutscht mit einer Wildcard ins Teilnehmerfeld. Innerhalb von zwölf Monaten hat er sich um fast 200 Positionen in der Weltrangliste verbessert.Fotos: dpa
Tobias Kamke rutscht mit einer Wildcard ins Teilnehmerfeld. Innerhalb von zwölf Monaten hat er sich um fast 200 Positionen in der Weltrangliste verbessert.Fotos: dpa
"Das Ganze ist schon ärgerlich. Eins ist klar: Wir werden das nicht noch einmal mitmachen", sagt Eimüllner ungewöhnlich deutlich. Im nächsten Jahr wird man für Mayer keinen Platz im Teilnehmerfeld freihalten. Durch seine wiederholte Herum(m)eierei hat es sich Florian Mayer mit der Talheimer Tennisfamilie erst einmal verscherzt. Mayers Doppelpartner Michael Berrer setzte sich übrigens ins Flugzeug in Richtung Heimat. Der Stuttgarter wird in Talheim versuchen, den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Dass Zugpferde wie die Weltnummer 37 schlappmachen, kommt vor. Das liegt mit am traditionellen Turniertermin während der Australian Open. "Aber zwei Mal hintereinander ist schon mehr als nur unglücklich", sagt Dirk Schwarzer, der Sportliche Leiter. Vor allem die lieblose Art und Weise der Absage, ohne Angabe von Gründen, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Auch bei den Zuschauern auf der Talheimer Tennisanlage. "Tennisprofis sind wie Fußballer. Da darf man eben nicht ganz so viel Loyalität erwarten", sagt Michael Gysin, der 2. Vorsitzende des TC Bad Friedrichshall.

Pause

Mayers Management war gestern für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Bayreuther Daviscup-Spieler wird nun eine einwöchige Spielpause einlegen. Dass Mayer zeitgleich lieber bei einem Turnier in Thailand antrete, erwies sich nur als Gerücht. Im internationalen Kalender lässt sich kein Turnier in Thailand finden.

Der deutsche Daviscup-Spieler Florian Mayer hat nach seinem Ausscheiden in Runde zwei bei den Australian Open auf die Reise nach Heilbronn verzichtet.
Der deutsche Daviscup-Spieler Florian Mayer hat nach seinem Ausscheiden in Runde zwei bei den Australian Open auf die Reise nach Heilbronn verzichtet.
Jede schlechte Nachricht kann aber auch eine gute sein. Für Tobias Kamke zum Beispiel, der gerade erst als Aufsteiger des Jahres von der Spielergewerkschaft ATP ausgezeichnet wurde. Von Platz 250 auf Rang 65 verbesserte sich der 24-Jährige innerhalb von zwölf Monaten. "Er ist auf dem Weg nach oben, da passt er zu unserem Turniermotto", sagt dann auch Turnierchef Eimüllner, der Kamke gerne die freigewordene Wildcard bewilligte. Kamke geht an Nummer drei gesetzt ins Turnier. Titelverteidiger Michael Berrer (Position zwei), Rainer Schüttler (vier), Daniel Brands (sechs) und Denis Gremelmayr (sieben) starten ebenfalls aussichtsreich ins Rennen um die Siegprämie von 12 250 Euro. Insgesamt elf deutsche Tennisprofis stehen im Teilnehmerfeld, die Zahl könnte sich durch die Qualifikation noch erhöhen. "Das ist doch eine gute Zahl", sagt dann auch Dirk Schwarzer. Mit dem topgesetzten Andrey Golubev (Kasachstan, Nummer 38), Berrer (61), Kamke (65), Schüttler (83) und dem Türken Marsel Ilhan (87) spielt ein Quintett aus den Top 100 ab heute in Talheim. "Damit sind wir sehr zufrieden", sagt Uli Eimüllner.

 
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