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Die neue Leichtigkeit

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Tischtennis - Kevin Kaiser sagte nicht viel, als er Michael Hagmüller die Hand reichte. Aber dieses eine Wort sprach Bände. "Unglaublich!" Hagmüller hatte Kaiser an die Wand gespielt und die Platte rauf und runter gejagt.

Von Eric Schmidt

"Ich bin lockerer geworden und nicht mehr so verkrampft. Es macht einfach viel Spaß."
          Michael Hagmüller
"Ich bin lockerer geworden und nicht mehr so verkrampft. Es macht einfach viel Spaß." Michael Hagmüller
Tischtennis - Kevin Kaiser sagte nicht viel, als er Michael Hagmüller die Hand reichte. Aber dieses eine Wort sprach Bände. "Unglaublich!" Hagmüller hatte Kaiser an die Wand gespielt und die Platte rauf und runter gejagt. Mal landeten die Bälle hinten links, mal hinten rechts. Mal nutzte er seine starke Vorhand, mal holte er mit der Rückhand zum großen Schlag aus. "Ich fand, ich war gar nicht so schlecht. Aber Michael hat einfach alles getroffen", staunte Kaiser.

8:8-Unentschieden − so endete in der Tischtennis-Oberliga Baden-Württemberg der Schlagabtausch zwischen dem TV Bad Rappenau und dem SC Staig. Dass der TV trotz eines 1:5- und 6:8-Rückstands doch noch zu diesem einem Punkt kam, war vor allem das Verdienst von Michael Hagmüller gewesen. Die Nummer vier im Team hatte am Samstagabend nicht nur die große Aufholjagd eingeleitet, er hatte auch richtig groß aufgetrumpft.

Marcel Harler, die Nummer drei beim SC Staig, gilt in der Szene als ein Meister seines Fachs. Doch wie Michael Hagmüller ihn forderte und immer mehr in die Enge betrieb, war beeindruckend. Im ersten Satz hatte der 26-Jährige aus Bad Wimpfen noch relativ deutlich mit 5:11 das Nachsehen. Doch dann drehte er den Spieß um und behielt auch in kritischen Situationen die Nerven. Dem 11:9 im zweiten Durchgang ließ er ein 11:9 im dritten folgen. Im vierten Satz machte Hagmüller mit einem 11:6 alles klar.

Überraschung "Ich hätte nicht gedacht, dass ich den schlagen kann", sagte Hagmüller hinterher. Auch der Teamkapitän war überrascht. "Marcel Harler ist in der Oberliga das Beste, was es im mittleren Paarkreuz gibt", erklärte Kai Kappe, meinte aber: "Michael hat in den letzten sechs Monaten einen Riesensprung gemacht. So ist das halt, wenn man viel trainiert."

Hagmüller galt schon immer als talentiert. Was bei anderen wie ein Kraftsport aussieht, wenn sie Tischtennis spielen, wirkt bei ihm spielend leicht. Er ist dynamisch. Athletisch. Geschmeidig. Und flott auf den Beinen. "Er kann weite Wege gehen, dazu müsste ich das Auto nehmen", erklärt Kai Kappe.

Seit geraumer Zeit profitiert Michael Hagmüller vom Zusammenspiel mit Neuzugang Alexander Krieger, mit dem er zwei Mal in der Woche zusammen trainiert. Einmal kommt Krieger nach Bad Rappenau zum Üben, das andere Mal fährt Hagmüller nach Mannheim-Seckenheim. Seckenheim liegt gar nicht so schlecht. Keine sechs Kilometer entfernt, in Ladenburg, wohnen die Eltern seiner Freundin, wo er Unterschlupf finden und sich mit seiner Diplomarbeit zum Thema "Bewegung und Ernährung bei kleinen Kindern" beschäftigen kann.

"Das Angebot, gemeinsam zu trainieren, kam von Alexander. So etwas kann man nicht ausschlagen. Das ist ja schon eine Ehre", sagt Michael Hagmüller. Das Training mit dem ehemaligen Zweitliga-Spieler und Jugend-WM-Teilnehmer trägt die ersten Früchte. Beim 9:3-Sieg in Donzdorf gewann Hagmüller sein Einzel ebenso souverän wie beim 9:2 zu Hause gegen die TTF Rastatt. Gegen den SC Staig schlug er Marcel Harler (3:1) und Kevin Kaiser (3:0).

Fortschritt "Sein Gegentopspin ist klasse", erklärt Kaiser. "Wenn der Gegner früher Punkte gebraucht hat, musste er mich einfach nur auf der Rückhand anspielen. Inzwischen kann ich mit der Rückhand selber Punkte machen. Das Gute ist, dass ich mich auch mit der Vorhand verbessert habe", sagt Hagmüller und meint: "Ich bin lockerer geworden und nicht mehr so verkrampft."

Was nun drin ist für ihn und den TV Bad Rappenau? Nach drei Spieltagen ist der TV noch ungeschlagen und steht mit 5:1 Punkten auf Platz drei der Tabelle. Es sieht gut aus für die Kraichgauer. Doch größenwahnsinnig wird man nicht in der Kurstadt. Michael Hagmüller formuliert es so: "Meister können wir nicht werden. Da gibt es Steinheim und die TSG Heilbronn. Also sind die fünf Punkte, die wir haben, fünf Punkte für den Klassenerhalt."

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