Denken statt Zocken
Skat - Zahlen schwirren durch den hell beleuchteten Raum. "18", "20", "zwei", "null". Konzentriert schaut Rudolf Muth auf das Blatt in seiner Hand. "Ich passe", sagt er dann und nimmt einen großen Schluck Limo. Um den 72-Jährigen herum: rund 40 Männer und Frauen, die in Vierergrüppchen an langen Tischen zusammensitzen und Karten dreschen.
Skat - Zahlen schwirren durch den hell beleuchteten Raum. "18", "20", "zwei", "null". Konzentriert schaut Rudolf Muth auf das Blatt in seiner Hand. "Ich passe", sagt er dann und nimmt einen großen Schluck Limo. Um den 72-Jährigen herum: rund 40 Männer und Frauen, die in Vierergrüppchen an langen Tischen zusammensitzen und Karten dreschen. "Bei Skat denken die meisten erstmal ans Zocken", sagt Muth und verzieht das Gesicht. "Aber die, die darauf aus sind, sind bei uns an der falschen Adresse."
Wer am Freitagabend beim wöchentlichen Treffen des SC61 in der Gaststätte im Hofwiesenzentrum der TSG Heilbronn vorbeischaut, betritt mitnichten ein verrauchtes Hinterzimmer, in dem Zocker mit fahrigen Händen um hohe Summen spielen. Den Mitgliedern des Skat Clubs geht es um mehr. "Skat ist Denksport, genau wie Schach", erklärt Muth, Vorsitzender des SC. "Man steht unter Strom, muss ständig rechnen." Das beginnt schon mit der Eröffnung, dem sogenannten Reizen. Hier wird ermittelt, wer es später als Alleinspieler mit der zweiköpfigen Gegenpartei aufnimmt. "Erstmal muss jeder der drei Spieler seinen Reizwert (siehe Hintergrund) errechnen, dann gilt es, eine Spieltaktik aufzubauen und die der anderen im Blick zu haben. Das regt den Geist ganz schön an."
Intuition
Ähnlich sieht es sein Stellvertreter Uwe Schäffner, der an diesem Abend am selben Tisch wie Muth gelandet ist. "Skat ist 30 Prozent Können und 30 Prozent Intuition", rechnet er vor. Und die restlichen 40 Prozent? "Die sind tatsächlich Glück", gibt Schäffner zu. Egal wie viel Köpfchen der Spieler hat, nicht aus allen Karten lässt sich ein Siegerblatt machen. Aber Glück gehöre schließlich bei anderen Sportarten genauso dazu. "Wenn man beim Fußball die Latte trifft, geht der Ball mal ins Tor, mal nicht", vergleicht Muth.
Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch im Skat gibt es Klassen. Und es werden Turniere ausgetragen. Ziel der SCler − 51 Männer und zwei Frauen im Alter zwischen elf und 91 Jahren − ist es, in der nächsten Saison aus der Oberliga Baden-Württemberg in die Regionalliga aufzusteigen. Das ist mmerhin die dritthöchste Klasse in Deutschland.
Und die Chancen stehen nicht schlecht, zumindest wenn man sich die bisherigen Erfolge des Clubs, der dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, ansieht. In den vergangenen zehn Jahren war die Mannschaft, deren Mitglieder in der Hauptsache aus Heilbronn, aber auch aus Güglingen, Neuenstadt oder sogar Stuttgart stammen, immer mit rund zehn Spielern bei den deutschen Einzelmeisterschaften vertreten. Vor fünf Jahren schaffte es SCler Peter Ditze sogar auf den fünften Platz.
Auch für die deutschen Mannschaftsmeisterschaften war der Club schon einige Male qualifiziert. "Bei solchen Wettkämpfen anzutreten, ist ein absolut großartiges Gefühl", erinnert sich Schäffner, der als Einzelspieler einige Male sein Können unter Beweis stellen durfte. "Die Nationalhymne läuft, und anschließend wird an zwei Tagen insgesamt 16 Stunden enorm diszipliniert und höchst konzentriert Skat gespielt."
Herausforderung
Im April wartet eine neue Herausforderung: Der Club richtet in Biberach die baden-württembergischen Meisterschaften aus. "Eine tolle Sache", sagt Schäffner. Und vielleicht eine Möglichkeit, junge Leute für das Skatspiel zu begeistern, ein erklärtes Anliegen des SC61, das bisher noch nicht richtig fruchten wollte. "Am Computer zocken ist doch nichts", sagt Muth. Dann lieber nachdenken − zum Beispiel über Skat-Strategien.
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