Aufbauhilfe für eine geplagte Sportart
Radsport - Thomas Kohlhepp baut in der Region einen Profi-Rennstall mit jungen deutschen Fahrern auf. Der 45-Jährige aus Elztal, ein paar Kilometer nordöstlich von Mosbach gelegen, hat die Schweizer NSP AG als Hauptsponsor gewonnen. Die Züricher Firma aus dem Bereich Apparate- und Anlagenbau wurde langfristig gebunden. "Vier Jahre stehen mal im Raum", sagt Kohlhepp.

Radsport - Es sind schlechte Zeiten für diejenigen, die im deutschen Radsport etwas bewegen wollen. Zu viele Dopingskandale. Zu wenig Sponsoreninteresse. Nach dem Rückzug der Nordmilch AG und dem Aus fürs Team Milram ist klar, dass es 2011 keinen erstklassigen Rennstall mit deutscher Lizenz mehr geben wird.
Aber man kann sie noch finden: Geldgeber, die bereit sind, in den Radsport zu investieren − dort zumindest, wo er sauberer zu sein scheint als an der Weltspitze. Thomas Kohlhepp ist gerade dabei, ein Profi-Radteam aufzubauen. Der 45-Jährige aus Elztal, ein paar Kilometer nordöstlich von Mosbach gelegen, hat die Schweizer NSP AG als Hauptsponsor gewonnen. Die Züricher Firma aus dem Bereich Apparate- und Anlagenbau wurde langfristig gebunden. "Vier Jahre stehen mal im Raum", sagt Kohlhepp.
Continental-Team
Sein Profi-Rennstall wird ein drittklassiger sein. Continental-Teams heißen diese. Da geht es nicht um Millionensummen. "Ab 200 000 Euro pro Saison geht es los", erzählt Thomas Kohlhepp. Er war lange im Nachwuchsbereich der RSG Heilbronn engagiert und hat in den vergangenen beiden Jahren als Teammanager Junioren-Bundesligamannschaften geleitet.
Kürzlich bei den Auensteiner Radsporttagen hat Mario Vogt, ein Top-Talent aus Kohlhepps Ghost Junior Team, das U-19-Bundesligarennen gewonnen. Der 18-jährige Nationalfahrer soll nun ins neue Continental-Team aufrücken. "Wir wollen mit bodenständiger, glaubhafter Arbeit ein Stück dazu beitragen, dem Profi-Radsport in Deutschland zu helfen", sagt der Rennstall-Boss aus Elztal.
Höhepunkt im künftigen Rennkalender werden Rennen wie die Bayern-Rundfahrt sein − Besseres hat Deutschland in diesen schlechten Zeiten nicht mehr zu bieten. Im Bayerischen werden sich die Fahrer des Teams NSP mit Kollegen aus Pro-Tour-Mannschaften messen können, der ersten Liga des Welt-Radsports.
Es sollte für Thomas Kohlhepp kein Problem sein, die angepeilten "15, 16 Fahrer" für seine Equipe unter Vertrag zu nehmen. "Derzeit gibt es Gespräche. 50, 60 Bewerbungen von Fahrern aus ganz Deutschland sind da."
Dopingrisiko
Die wesentlichen Kriterien bei der Auswahl: jung und deutsch. "Man muss die Talente unterstützen auf dem Weg zum Profi", sagt der Teammanager. "Wir werden keine Ex-Profis in zweitklassigen Teams ansprechen." Ausländische Fahrer hat Kohlhepp ebenfalls nicht im Blick. Das Dopingrisiko ist ihm zu groß. "Im Juniorenbereich hat es in Deutschland noch nie einen Fall gegeben", versichert der 45-Jährige. Und fügt hinzu: "Aber sicher kann man als Teamchef heutzutage nie sein."
Thomas Kohlhepp versucht, den richtigen Weg zu weisen: "Ein wichtiger Punkt in unserer Philosophie ist die Führungsaufgabe gegenüber den jungen Sportlern, vor allem hinsichtlich der Gefahrenpunkte im Profisport." Sauber bleiben, das ist das eine. Erfolgreich sein das andere. Die Fahrer des Teams NSP sollen die Chance haben, sich für große Pro-Tour-Mannschaften zu empfehlen. Vielleicht wird ja mal einer die Tour de France bestreiten.
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