Spank ersehnt späten Lohn in Eberstadt

Leichtathletik - Hochspringer haben ein sensibles Empfinden. Als Raul Spank dieser Tage in Neckarsulm ein Werbe-Banner für das Eberstädter Hochsprungmeeting hochhält und dieses seinen Hals berührt, sagt er: "Oh, das ist aber scharf." Die Haut war völlig unversehrt.

Von Klaus Apitz
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Glückwünsche für Raul Spank (rechts) nach seinem Sieg im vergangenen Jahr in Eberstadt. Der Dresdener bereitet sich nach der verpassten EM eigens noch einmal für seine Auftritt am 28. August unterm Eberfürst vor.Foto: Archiv/Veigel

Leichtathletik - Hochspringer haben ein sensibles Empfinden. Als Raul Spank dieser Tage in Neckarsulm ein Werbe-Banner für das Eberstädter Hochsprungmeeting hochhält und dieses seinen Hals berührt, sagt er: "Oh, das ist aber scharf." Die Haut war völlig unversehrt. Doch man ahnt, dass einer, der dermaßen genau in seinen Körper hineinhorcht, auch anderweitig verletzbar ist. Der 22-jährige Dresdener gibt offen zu, dass es ihn tief getroffen hat, nicht für die Europameisterschaften nominiert worden zu sein.

Er hat früh in seiner Karriere erleben müssen, wie undurchschaubar die Entscheidungsfindungen beim nationalen Leichtathletikverband sind. "Ich war sehr frustriert, auch weil ich gesehen habe, wer alles nominiert worden ist." Athleten, die wie er die Norm nicht erbracht hatten. "Manche sind nicht einmal ins Ziel gekommen", sagt Peter Schramm dazu. Er ist seit 32 Jahren der Eberstadt-Macher, fühlt mit den Springern. Ihn ärgert es ebenfalls, dass man mit einem der Besten so umgegangen ist.

Wie ein Komet

Denn der Student hatte den deutschen Hochsprung nach mageren Zeiten wieder ins Gespräch gebracht. War 2008 bei Olympia in Peking wie ein Komet am Hochsprunghimmel aufgeglüht und wurde mit 2,32 Metern Fünfter. Ließ vor einem Jahr mit derselben Höhe Bronze bei den Weltmeisterschaften folgen. Und gewann in Eberstadt mit 2,33 Metern. So hoch ist er seither nie mehr geflogen.

Hätte Raul Spank unter normalen Umständen die EM-Norm 2010 vergeigt, er hätte es als fairer Sportsmann geschluckt. Dass die verantwortlichen Trainer ihn aber nach viel Verletzungspech bei nur knapp verpassten 2,28 Metern hängenließen, das hat ihn tief runtergezogen. "Scheiß Leichtathletik, habe ich gesagt, denn das hat mir die Motivation geraubt. Ich wollte die Saison beenden." Nach ein paar Tagen aber hat er sich wieder aufgerappelt, denn ihm kam Eberstadt in den Kopf. Für den 28. August hatte er längst zugesagt. "Ich habe dann entschieden, mich darauf noch einmal extra vorzubereiten." Übrigens: Mit 2,25 wäre man bei der EM ebenso wie mit 2,28 Fünfter geworden, 2,30 hätten bereits Bronze bedeutet.

Spanks Leidensgeschichte begann im Spätsommer 2009. "Da bin ich umgeknickt. Die Sprungsehne, und ich habe es einfach nicht in den Griff bekommen." Im Dezember wurde es noch schlimmer, "erst im April war ich wieder beschwerdefrei, mir fehlten aber nun drei Monate Vorbereitung." Spank hat es trotzdem mit viel Einsatz hingekriegt, dass er seine alte Form wieder näherkommen sah. Mit 2,25 Metern wurde er kurz vor der EM deutscher Meister, schaffte die geforderte Höhe von 2,28 Metern aber nicht mehr. "Ich habe genau auf den Höhepunkt hintrainiert, hätte mir sogar die 2,30 zugetraut", sagt er jetzt.

Ist aber auch ehrlich genug zuzugeben, dass es nach einem solchen Seuchenjahr vermessen wäre, in Eberstadt an seine Bestmarke heranzukommen. "Ich werde nicht 2,33 springen und werde nicht gewinnen", sagt er. Und fügt grinsend hinzu: "Es sei denn, es wird ein Regenspringen." Denn er ist ein Jumper, der auf Höhenjagd von seinem schnellen Antritt, seiner Spritzigkeit profitiert. Da haben die Kraftspringer, die sich beim letzten Schritt fast in den Boden stampfen, Nachteile.

Zugpferd

Mit Eberstadt verbinden Raul Spank viele gute Erinnerungen. Schramm wollte ihn schon zu B-Jugendzeiten holen, "doch damals hat seine Trainerin gesagt, die Saison ist beendet und aus." Danach aber klappte es irgendwann, und jetzt ist er das große Zugpferd. "Ich werde mich in guter Form präsentieren", verspricht er den Fans. Da ersehnt einer späten Lohn für all seine Anstrengungen. 2,30 beispielsweise wären nach der jüngsten Enttäuschung Balsam auf die Wunde.


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