Mosbacher Märchenprinz

Tischtennis - Es ist ein unbezwingbarer Gegner, der Steffen Fetzner zu Boden bringt. Der Tischtennis-Weltmeister im Doppel von 1989 lag am vergangenen Samstagabend um kurz vor 21 Uhr in der Mosbacher Jahnhalle rücklings auf einer Turnmatte, anstatt für den TV Mosbach an der Tischtennisplatte zu stehen.

Von unserem Redakteur Florian Huber

Mosbacher Märchenprinz
Steffen Fetzner (vorne) und der gebürtige Offenauer Heiko Wirkner sind das Spitzendoppel des Badenligisten TV Mosbach − und noch unbesiegt.Foto: Alexander Bertok

Tischtennis - Es ist ein unbezwingbarer Gegner, der Steffen Fetzner zu Boden bringt. Der Tischtennis-Weltmeister im Doppel von 1989 lag am vergangenen Samstagabend um kurz vor 21 Uhr in der Mosbacher Jahnhalle rücklings auf einer Turnmatte, anstatt für den TV Mosbach an der Tischtennisplatte zu stehen. Es zwickte in der Bandscheibe. Physiotherapeut Daniel Gatzka bekämpfte intensiv den unsichtbaren Feind Rückenschmerz, "der ja auch schon für mein frühzeitiges Karriereende verantwortlich war", wie es Steffen Fetzner ausdrückt.

Es war nichts zu machen. An diesem Abend hieß der K.o-Sieger Rückenschmerz. Nach zwei Sätzen musste Fetzner sein zweites Einzel kampflos abgeben, mit einem gequälten Lächeln registrierte er, dass der TV Mosbach trotzdem mit einem 9:2 gegen Eggenstein die Tabellenführung in der Badenliga verteidigte.

Mit einem Heimsieg gegen den TTC Mühlhausen an diesem Samstag (18.30 Uhr) wäre die Herbstmeisterschaft perfekt und ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Oberliga gemacht.

Speedy ist er einst getauft worden, weil dieser Steffen Fetzner mit seinen 1,70 Metern wieselflink die Gegner besiegte. Jetzt, mit 43 Jahren, hat Speedy ein kleines Bäuchlein bekommen, aber das Trikot des TV Mosbach in der Größe M passt immer noch. Und wenn nicht gerade der Rücken streikt, geht Fetzner als Gewinner von der Platte. 14 Siegen stehen bislang nur zwei Niederlagen gegenüber.

Alte Freunde

Dass Fetzner in dieser Saison in der fünfthöchsten Spielklasse für den TV Mosbach aktiv ist, daran hat ein Mann aus Offenau Schuld. Heiko Wirkner, einst Bundesligaspieler beim TSV Sontheim, spielt nun in seiner vierten Saison bei dem aufstrebenden Club im Neckar-Odenwald-Kreis. "Ich war zehn Jahre alt, als ich ihn kennenlernte", erinnert sich Wirkner an den zwei Jahre jüngeren Karlsruher, mit dem er sich als Schüler auf Landesebene duellierte. Daraus wurde eine lebenslange Freundschaft. "Wir haben uns auf dem Sport-Gymnasium in Kaiserslautern ein Jahr sogar das Zimmer geteilt", erinnert sich Wirkner. Und noch heute blödeln die beiden wie zu Schülerzeiten herum. "Nach den Spiel ziehen wir auch mal gemeinsam um die Häuser", sagt Wirkner, der als Pharmazeut in Reutlingen lebt.

Spontane Zusage

Bei den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Rottterdam im vergangenen Jahr liefen sich beide über den Weg, Wirkner erzählte von seiner Suche nach Verstärkungen für den TV Mosbach, Fetzner sagte: Nimm doch mich. "Und dann hat er gleich den Wechselantrag unterschrieben und ein Trikot in der Größe M bestellt", erinnert sich Wirkner. Mit dem Heilbronner Markus Klosek gehört übrigens noch ein weiterer Unterländer zur Mosbacher Mannschaft.

Fetzner spielt, wann immer es sein Beruf zulässt. Bei Donic, einem Tischtennisausrüster, ist er für Werbung und Marketing zuständig. Beinahe wöchentlich sitzt er im Flugzeug nach Asien. "Das ist halt Gift für die Bandscheibe", sagt Fetzner. Fünf Euro Eintritt verlangt der TV Mosbach bei seinen Heimspielen. Weltmeisterzuschlag zur Refinanzierung des Stars. Schließlich lebt Fetzner im Saarland und reist zu den Spielen extra an. "Geschlafen wird danach bei meinen Eltern in Stutensee bei Karlsruhe", sagt Fetzner.

Am vergangenen Samstag drängten sich 150 Zuschauer in die kleine, muffige Sporthalle, in der die Zeit seit den 70er Jahren stehen geblieben zu sein scheint. Nebenan spielten zeitgleich die Mosbacher Handballer in der Landesliga. Ohne Handball-Weltmeister. Es passt ganz gut zur Situation des Tischtennissports, die großen Sportarten wie Fußball und Handball drängen den schnellen Rückschlagsport eben in eine Nische, zwingen ihn auch in Sachen TV-Präsenz langsam aber sicher in die Knie. Bis er hilflos auf dem Rücken liegt. So wie Steffen Fetzner am Samstagabend.


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