Heilbronn Open: Amerikaner Brian Battistone spielt mit ganz besonderem Schläger

Tennis - Tennisspieler Brian Battistone hat als Kind oft davon geträumt, Roy Hobbs zu sein. Mittlerweile ist er erwachsen. Der 31-Jährige Brian Battistone hat vor knapp vier Jahren aufgehört zu träumen.

Von Florian Huber
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Tennis - Brian Battistone hat einen Lieblingsfilm, er hat ihn Dutzende Male gesehen. Wenn er die Augen schließt, dann ist er mittendrin in diesem Film. "The Natural" heißt der Streifen. In der deutschen Übersetzung wird daraus "Der Unbeugsame". Robert Redford spielt Roy Hobbs. Einen alternden, untalentierten Baseballspieler, der sich im hohen Alter durch einen Wunderschläger mit seiner Mannschaft ins Finale spielt.

Tennisspieler Brian Battistone hat als Kind oft davon geträumt, Roy Hobbs zu sein. Mittlerweile ist er erwachsen. Der 31-Jährige Brian Battistone hat vor knapp vier Jahren aufgehört zu träumen. Gemeinsam mit einigen anderen Tennisverrückten hat er sich drangemacht, einen eigenen Wunderschläger zu bauen. In Heilbronn spielt Brian Battistone mit einem Schläger, der zwei Griffe hat. Das Ganze sieht aus wie eine Mischung aus Wünschelrute, Heckenschere und Tennisschläger.

Beim Doppelsieg mit dem Schweden Andreas Siljestrom am späten Montagabend gegen das Duo Andreas Beck (Stuttgart)/Yves Allegro (Schweiz) war Battistone ein echter Hingucker. Ungläubig staunten die Zuschauer auf dem Center Court vor allem über Battistones Aufschlag.


Kurioser Aufschlag

Er hält den Schläger in der linken Hand, wirft den Ball mit rechts hoch, wechselt dann den Schläger in die rechte Hand, nimmt einen Schritt Anlauf und springt wie zu einem Volleyball-Aufschlag hoch, um den Ball am höchstmöglichen Punkt zu treffen. Alles klar? "Absolut verrückt", sagt Dieter Kindlmann, der in der Einzelkonkurrenz mitspielt. "Ich weiß schon, dass einige Leute über mich lachen", sagt Battistone. Vor allem über seinen Aufschlag. "Ich habe halt einfach ein bisschen experimentiert", sagt er. Tennis ist ein Sport voller Traditionalisten. Da wird schnell die Nase gerümpft über einen wie ihn, der in langen Schlabbershorts auf dem Platz steht. Dabei hat Battistone vom Weltverband ein Zertifikat erhalten. "Das Ding ist absolut regelkonform." Die Genehmigung vom Weltverband ITF vor drei Jahren war kein Problem.

"Wenn man Roger Federer mit einer Schneeschaufel besiegen kann, dann wird die auch als Tennisschläger zugelassen", sagt Lionel Burt, der Chefdesigner des Schlägers. Vor allem für Kinder ist der Schläger gedacht. "Wenn man noch nicht weiß, welche die stärkere Hand ist", sagt Battistone. Höhere Flexibilität und mehr Varianten erlaubt der Schläger. Sport ist ein ständiger Innovationsprozess. Vom Fosbury-Flop im Hochsprung bis zum Snowboard. "Man muss einfach ein bisschen verrückt sein", sagt Battistone. Der Experte Gunther Strähle, der in Talheim für die Profischläger verantwortlich ist, sagt: "Ich glaube nicht, dass sich dieser Schläger durchsetzen wird."

Rund 1000 Stück der 200 Dollar teuren Schläger hat Battistone mit seinem Unternehmen in den USA bereits verkauft. Produziert wird in China. "Ohne Werbung, einfach so", sagt er: "Wir sind ja nur ein kleines Start-up-Unternehmen." Stattdessen macht er lieber Werbung auf dem Platz. Mit seinem Schläger. Dabei erlebte das Publikum bei den Intersport Heilbronn Open eine Weltpremiere. Das ursprüngliche Modell "The Natural" hat Battistone leicht modifiziert, jetzt spielt er mit einem Modell, das zu Deutsch "Diamant" heißt. "Und dann muss ich auch noch auf dem Center Court vor so vielen Leuten spielen", sagt Battistone. Im ersten Satz des Doppels landete jeder Ball im Aus. "Ich hab mich ja so geschämt." Trotzdem reichte es für das amerikanisch-schwedische Doppel-Duo zum Sieg. Battistone gehört zu den besten 100 Doppelspielern der Welt. "Ich komme über die Runden", sagt er.

Missionar

Dabei hatte er vor einigen Jahren den Tennisschläger, damals noch einer mit nur einem Griff, an den Nagel gehängt. Stattdessen war er mit seinem Bruder Dan für 24 Monate als mormonischer Missionar in Brasilien unterwegs. "Man muss alles mal gemacht haben", sagt er, der Sunnyboy. Battistones Lieblingsfilm hat übrigens kein Happy End. "Das Leben ist zum Glück dann doch kein Film", sagt er.

Nächster Auftritt

Brian Battistone wird wohl am Donnerstag das nächste Mal bei den Intersport Heilobronn Open auf dem Platz stehen. Die Ansetzungen des Doppel-Viertelfinals sind noch nicht gemacht. Die Partie wird wohl auf dem Center Court stattfinden, da Battistone für den Aufschlag ein hohes Hallendach benötigt.


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