Britsch neuer Junioren-Weltmeister

Neckarsulm/Kiel - Dominik Britsch hat es geschafft. Der 21 Jahre alte Profiboxer aus Neckarsulm ist IBF-Junioren-Weltmeister im Mittelgewicht. Der Athlet aus dem Sauerland-Boxstall schlug am Samstagabend vor 8000 Zuschauern in der Kieler Sparkassen-Arena den 24-jährigen Polen Daniel Urbanski einstimmig nach Punkten und holte sich damit den vakanten Titel.
Wie geht es weiter? Wann steht der nächste Kampf an? „Das entscheidet mein Management“, sagt der Jungprofi. Er muss sich erst einmal erholen. Der Kampf hat kaum Spuren hinterlassen.

Von Lars Müller-Appenzeller


Neckarsulm/Kiel - Dominik Britsch klingt am Tag danach aufgekratzt. Die Nacht von Samstag auf Sonntag war herrlich schlaflos. „Mein Körper war so müde“, sagt der Profiboxer aus Neckarsulm, „aber mein Kopf war so aufgedreht.“ Weil die Freude so groß ist. Dominik Britsch ist seit Samstagabend Junioren-Weltmeister im Mittelgewicht der International Boxing Federation (IBF). „Alles ging in den letzten Tagen so schnell. Aber jetzt habe ich meinen Gürtel, jetzt bin ich im Sauerland-Stall der zweite Hauptkämpfer – super. “ Der Abiturient hat einen Karrieresprung gemacht.

Kopfkino mit Happy End

Schon um 8 Uhr war Dominik Britsch am Sonntagmorgen aufgestanden und bald von Kiel rüber in seine Bude nach Berlin gefahren. Die ganze Nacht und den ganzen Tag ging ihm der Kampf durch den Kopf. Immer wieder Kopfkino. Ein Actionstreifen, stets mit Happy End. In der Kieler Sparkassen-Arena landete er einen einstimmigen Punktsieg (99:91, 100:89, 98:91), ist auch im 13. Profikampf ungeschlagen geblieben und hat den Titel – jetzt schlägt’s 13.

Der 24 Jahre alte Pole Daniel Urbanksi war ein unangenehmer Gegner, er vertrug viel. Britsch bestimmte weitestgehend das Geschehen während der zehn Runden klar. „Zehn Runden sind schon eine lange Strecke“, kommentierte Britsch seine Premiere über diese Distanz. „Ich dachte schon während der fünften Runde: Jetzt noch einmal fünf?“ Aber es ging. Gut sogar. Urbanski baute ab, Britsch nicht, so dass er ihn auf die Bretter schicken und sich den Titel mit seinem ersten wahren K.o.-Sieg holen wollte.

Das brachte Trainer Ulli Wegner nach Runde neun in Rage. „Du kannst doch ein so klares Ding nicht aus der Hand geben“, schimpfte er mit seinem Schüler. Der sagte gestern: „Er versteht, dass ich ihn K.o. schlagen wollte. Er hat Angst bekommen, weil er nicht wollte, dass ich gegen einen angeschlagenen Boxer, das sind die gefährlichsten, noch K.o. gehe.“ Ulli Wegner hat da mal schlechte Erfahrungen gemacht – die Dominik Britsch erspart bleiben sollen. „Der Trainer ist sehr zufrieden mit mir“, sagt Britsch – was genauso für Vater Jürgen gilt, der wie 8000 andere am Ring mitfieberte.

Überwältigende Resonanz

Die Resonanz nach dem Coup von Kiel ist überwältigend. „Ich kann diesmal die Glückwünsche, die per SMS und telefonisch kamen wirklich nicht mehr zählen“, sagt der Junioren-Weltmeister. „Das freut mich sehr.“ Anrufe von potenziellen Sponsoren waren noch nicht dabei. „Ich hoffe, dass da jetzt was kommt und sich was machen lässt.“ Der schon vor Monaten geplante Autokauf hat noch nicht stattgefunden.

Für Sonntagabend hatte sich Dominik Britsch vorgenommen, früh ins Bett zu gehen. Heute will er es erst einmal ganz ruhig angehen lassen. Dann geht es mal wieder nach Neckarsulm – in Begleitung. „Den Gürtel nehme ich mit.“ Er wird in einem speziellen Koffer transportiert. Nach zwei Trainingslagern am Stück will sich Britsch resozialisieren, Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. Natürlich wird der bei Sauerland unter Vertrag stehende junge Mann mit seinem Vater trainieren. „Ich bin nicht zu bremsen und werde etwas für meine Fitness tun: laufen, schwimmen – das stimme ich mit meinem Vater ab.“

Wie geht es weiter? Wann steht der nächste Kampf an? „Das entscheidet mein Management“, sagt der Jungprofi. Er muss sich erst einmal erholen. Der Kampf hat kaum Spuren hinterlassen, aber für doch sehr angeschwollene Hände gesorgt. „Das ist typisch für lange Distanzen, ist nix Schlimmes. In ein, bis zwei Wochen ist das alles wieder normal.“ Das dürfte auch für Dominik Britschs Nächte gelten.

Ergebnisse

1. Kampf im Mittelgewicht, angesetzt auf 8 Runden:
Virgilius Stapulionis (Litauen) - Thomas Troelenberg (Deutschland): Sieger Troelenberg durch K.o. in der dritten Runde

2. Kampf im Cruisergewicht, angesetzt auf 8 Runden:
Sascha Faelber (Deutschland) - Martin Kempf (Deutschland): Sieger Kempf (einstimmig) nach Punkten

3. Kampf im Mittelgewicht, angesetzt auf 4 Runden:
Fares Sahawneh (Italien) - Marcos Nader (Österreich): Sieger Nader (einstimmig) nach Punkten

4. Kampf im Schwergewicht, angesetzt auf 4 Runden:
Werner Kreiskott (Deutschland) - Jens Krull (Deutschland): Sieger Krull (einstimmig) nach Punkten

5. Kampf im Schwergewicht, angesetzt auf 8 Runden:
Michael Sprott (Großbritannien) - Lamon Brewster (USA): Sieger Brewster (einstimmig) nach Punkten

6. Kampf im Weltergewicht, WBA- und WBC-Weltmeisterschaft, angesetzt auf 10 Runden:
Vinni Skovgaard (Dänemark) - Cecilia Braekhus (Norwegen): Siegerin Braekhus (einstimmig) nach Punkten

7. Kampf im Mittelgewicht, IBF-Junioren-Weltmeisterschaft, angesetzt auf 10 Runden:
Daniel Urbanski (Polen) - Dominik Britsch (Deutschland): Sieger Britsch (einstimmig) nach Punkten

8. Kampf im Mittelgewicht, IBF-Weltmeisterschaft, angesetzt auf 12 Ruden:
Lajuan Simon (USA) - Arthur Abraham (Deutschland): Sieger Abraham (einstimmig) nach Punkten


Der nächste Kampf

Dominik Britsch plant, ab Anfang der Woche für zwei bis vier Wochen zu Hause in Neckarsulm zu bleiben. „Wann der nächste Kampf sein wird, weiß ich noch nicht“, sagt der Unterländer Sportler der vergangenen beiden Jahre. Klar ist: Im nächsten halben Jahr muss sich der neue Junioren-Weltmeister zu einer Pflichtverteidigung stellen.

>>Exklusiv-Interview mit Dominik Britsch (06.02.09)