Bastian Knittel gewinnt HN Open

Talheim - Nur in zwei Sätzen, aber denkbar knapp hat der Ditzinger Bastian Knittel die 28. Intersport Heilbronn Open in Talheim gewonnen. Mit 7:6 und 7:6 besiegte er seinen Finalgegner, Daniel Brands aus München. Er gewann damit nach zwei Tie-Breaks das mit 125 000 US-Dollar dotierte ATP-Challenger-Turnier.

Von Florian Huber




Talheim - Tennis-Profi Bastian Knittel (Radolfzell/Ditzingen) hat überraschend die Heilbronn Open gewonnen. Der Außenseiter schlug am Sonntag im hartumkämpften Endspiel des mit 125 000 US-Dollar dotierten ATP-Challenger-Turniers Daniel Brands (Aachen) in zwei Sätzen 7:6 (4) 7:6 (5).

Beide Spieler brachten im Tennis Center Talheim vor etwa 1500 Zuschauern alle ihre Aufschlagsspiele durch, so dass jeweils der Tiebreak die Entscheidung brachte. Hier setzte sich der Weltranglisten-221. gegen den über 100 Positionen besser platzierten Brands (ATP-Nr. 102) zweimal durch. Erstmals seit 1992 war es bei den Heilbronn Open wieder zu einem rein deutschen Finale gekommen.

Willkommen in der Märchenwelt

Als das Märchen an seinem Höhepunkt angekommen war, nahm Bastian Knittel die Mütze ab. Von der Stirn tropfte der Schweiß. „Ein paar Freudentränen waren auch dabei“, sagte der Sieger der Intersport Heilbronn Open 2011. Das feuchte Gemisch nahm dem 27-Jährigen die Sicht, es ließ das Scheinwerferlicht und die 1400 Zuschauer zu einer undefinierbaren Farbmasse verschwimmen.

Als die Orientierung beim Überraschungsmann des Turniers wieder da war, ging es in Richtung Zuschauer. Zur Mutter Waltraud, zu Vater Hans, zur Freundin Franziska. Der Überraschungssieger stand sprachlos da, während ihn die Familienmitglieder herzten.

Trainer Robert Lopez schüttelte immer wieder den Kopf nach dem 7:6 (7:4), 7:6 (7:5)-Finalerfolg über Landsmann Daniel Brands feststand. „Das sind keine Tränen, das liegt an der trockenen Luft in der Halle“, versuchte sich der Tennislehrer herauszureden. „Das glaubt er doch selber nicht“, sagte Knittel und grinste sein 12 250 Euro schweres Siegerlächeln.

Sinnfrage

Tränen sind genug geflossen in den vergangenen Jahren. Vor gut zwei Jahren war die Karriere des ewigen Talents vorüber, bevor sie richtig begonnen hatte. Knittel zeigt es mit seiner linken Schlaghand an, Daumen und Zeigefinger berühren einander fast. „So viel hat gefehlt und ich hätte ganz aufgehört“, erzählt Knittel.

Ende 2009 saß der Ditzinger am Strand von Cran Canaria. Nach langer Verletzungspause hatte Knittel neun Monate lang Niederlage an Niederlage gereiht. Bis auf Rang 600 war der Radolfzeller Zweitligaspieler damals abgerutscht. „Macht das überhaupt noch Sinn?“, fragte er sich: „Vielleicht ist es besser, sich einzugestehen, dass man nicht das Zeug zum Profi hat.“

Knittel machte weiter. Vater Knittel, mittlerweile Rentner, sorgte für die Finanzierung des teuren Nomadendaseins seines Sohnes. Für Tennisprofis jenseits der Top 400 ist der Sport ein Zuschussgeschäft.

Ernst genommen

Knittel nahm Tennis fortan ernster. „Er hat härter trainiert als zuvor“, sagt Robert Lopez, der Knittel seit 22 Jahren trainiert. „Er hat damals sein Können mental nicht auf den Platz gebracht“, erzählt Lopez.

Seit anderthalb Jahren arbeitet Knittel nun mit einem Mentaltrainer zusammen. „Er hat gelernt, dass er nicht mehr nur auf Fehler des Gegners warten darf“, sagt Lopez. Sowohl im Halbfinale, als er gegen den Serben Ilija Bozoljac einen Matchball abwehrte als auch im Finale gegen Landsmann Brands, diktierte er in den entscheidenden Ballwechseln das Tempo. „Er hat gesehen, dass der Abstand zwischen Platz 40 und 220 in der Weltrangliste nicht so groß ist, wie er immer gedacht hat“, sagt der Trainer.

Ewiges Talent

Seit einem Jahr kann Knittel von seinem Beruf ganz gut leben, ohne Zuschuss. In Brasilien stand er zum ersten Mal bei einem Challenger im Finale, jetzt der erste Turniersieg. In der neuen Weltrangliste, die heute erscheint, steht er zum ersten Mal unter den Top 200.

Der Schwabe galt im Juniorenbereich als das große Talent im württembergischen Verband, vielleicht hat er dies das ein oder andere Mal zu oft gehört. „Ich war halt immer der kleine und dünne“, sagt der 1,80 Meter große und 73 Kilogramm schwere Profi.

Jetzt ist die lange Reise des Bastian Knittel zu einem vorläufigen Höhepunkt gekommen. Im Jahr 2000 hatte sie an selber Stelle begonnen, mit dem Sieg im Juniorenwettbewerb. „Ein bisschen schließt sich jetzt der Kreis“, sagte Knittel und hatte eine Botschaft an den Sieger des diesjährigen Juniorenwettbewerbs. „Bitte verliere nicht den Glauben an dich. Es kann manchmal auch ein bisschen länger dauern.“ Elf Jahre um genau zu sein.