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Mit Robin Hood fing alles an

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Fechten - Nachwuchstalent David Williams aus Leingarten lebt für seinen Sport. Die Leidenschaft des Jungen für den Fechtsport, blieb auch dem tauberbischofsheimer Nachwuchscoach Peter Behne nicht verborgen. Bei einem Ranglistenturnier im vergangenen Jahr lud er David zum Olympiastützpunkt an die Tauber ein.

Von unserem Redaktions- mitglied Tamara Kühner

Für seinen Sport fährt David Williams dreimal die Woche zum Training im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim.Fotos: Fechtzentrum Tauberbischofsheim
Für seinen Sport fährt David Williams dreimal die Woche zum Training im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim.Fotos: Fechtzentrum Tauberbischofsheim

Fechten - Ich möchte Schwertkämpfer werden. Ein Satz, den eine Mutter nicht unbedingt von ihrem achtjährigen Sohn erwartet oder gar hören möchte. Man kann die Sache dann versuchen totzuschweigen und hoffen, dass es nur eine Phase ist, die sich schnell wieder legt. Aber nicht so, bei David Williams aus Leingarten: Angeregt durch eine Robin Hood-Serie, die er mit seinem Vater zusammen angeschaut hat, lässt ihn diese Idee nicht mehr los. Zwar mit anfangs wenig Begeisterung, aber dennoch, geht seine Mutter Karin Williams auf den Wunsch ihres Sohnes ein und recherchiert. Zusammen finden sie im Internet den Fechtclub Heilbronn und David seine Berufung. Und das scheint bei dem heute Elfjährigen keineswegs ein zu hoch gegriffenes Wort zu sein.

Mittlerweile würde David sein Florett auch nicht mehr gegen ein Schwert tauschen wollen. "Er ist mit Herz und Seele dabei, geht mit dem Florett schlafen und hat es morgens beim Aufstehen sofort wieder in der Hand. Er ist schon fast etwas fanatisch", sagt seine Mutter. Beinahe täglich durchforstet er außerdem die Homepage des Deutschen Fechterbundes nach Neuigkeiten. Er schaut nach, wer gegen wen bei welchem Wettkampf wie gefochten hat, verfolgt die Entwicklungen in den Ranglisten ganz genau.

Fechten ist für diesen Jungen weit mehr als ein normales Hobby, das wird einem auf Anhieb klar. Fragt man ihn nach anderen Interessen, dann muss David lange überlegen. Nach einer Weile sagt er: "Ich treffe mich gerne mit Freunden oder spiele mit unserer Konsole, aber Fechten kommt an oberster Stelle."

Leidenschaft

Diese Leidenschaft des Jungen für den Fechtsport, blieb auch dem tauberbischofsheimer Nachwuchscoach Peter Behne nicht verborgen. Bei einem Ranglistenturnier im vergangenen Jahr lud er David zum Olympiastützpunkt an die Tauber ein. "Gleich beim ersten Training war es, als hätte er immer dazu gehört", erinnert sich Davids Mutter. Für seinen Trainer Klaus Sauer und die Heilbronner Fechter bedeutete Davids Weggang natürlich einen Verlust. "Ich wollte ihm aber keine Steine in den Weg legen", erzählt Sauer. "Er kann in Tauberbischofsheim häufiger trainieren und ich freue mich für ihn." Auch Davids neuer Trainer Sven Todt ist begeistert von seinem Schützling: "Von solchen Talenten wünscht man sich zwanzig."

Dreimal die Woche nehmen Karin Williams und ihr Sohn die fast 90 Kilometer nach Tauberbischofsheim auf sich. Wenn andere Kinder sich nach einem langen Schultag zum Spielen mit Freunden treffen oder einfach zu Hause vor dem PC oder Fernseher faulenzen, sitzt David mit seiner Mutter im Auto. Dort isst er sein Abendbrot, macht Hausaufgaben oder lernt. "Gerade wenn viele Klassenarbeiten anstehen, ist es schon stressig", gibt der Schüler des katholischen Bildungszentrums St. Kilian gerne zu.

Umso mehr freut David sich bereits, wenn er endlich alt genug ist, um das Sportinternat in Tauberbischofsheim zu besuchen. "Ich muss 14 Jahre alt sein, um dort aufgenommen zu werden, aber vielleicht schaff ichs ja schon ein bisschen früher", hofft der Elfjährige. "Der Olympiastützpunkt ist schon jetzt zu seinem zweiten zu Hause geworden. Er fühlt sich dort einfach unheimlich wohl und kann seinen Traum mit Gleichgesinnten leben", erzählt Karin Williams.

Mädchensport

Bei seinen jetzigen Klassenkameraden kommt Davids Hobby unterschiedlich an. "Meine Freunde unterstützen mich und finden es cool. Aber es gibt schon auch welche, die finden es sei ein Mädchensport und ich sollte lieber Fußball spielen", erzählt David. Das mit dem Fußballspielen hat er sogar mal probiert: "Die anderen haben mir immer den Ball weggenommen, das fand ich irgendwie doof."

Dabei ist David ein absoluter Teamplayer und geht mit seiner offenen Art gerne auf Menschen zu. "Für ihn ist jedes Turnier ein Social-Event", erzählt Karin Williams. "Er kennt sofort alle und geht auch zu seinen Konkurrenten, um sie zu begrüßen." Ein kleines Schwätzchen hier und da, gehört für den jungen Athleten einfach dazu. Und mit dieser Lockerheit und seiner Liebe zum Sport, sind die Grundsteine einer erfolgreichen Karriere bereits gelegt. "Mein großes Ziel ist, Olympia 2020", sagt das Talent selbstbewusst. Man wünscht es ihm.

Mit vollem Einsatz beim Training: An Motivation mangelt es dem elfjährigen Leingartener nie. FCT-Trainer Sven Todt muss seinen Schützling eher bremsen.
Mit vollem Einsatz beim Training: An Motivation mangelt es dem elfjährigen Leingartener nie. FCT-Trainer Sven Todt muss seinen Schützling eher bremsen.
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